Rottenbergs Roadbook

Elitenbashing

Print-Ausgabe 9. März 2018

„Ich weiss es nicht“ darf ein Kolumnist nicht schreiben. Er muss in 1.300 Zeichen „richtig“ von „falsch“ trennen. Weil die Welt schwarz-weiss zu sein hat.

Auch beim Skifahren: Letzte Woche lud der PR-Mann der Firma Wucher-Helikopter mich und meinen Arlberg-Gastgeber, den Stubener Hotelier Markus Kegele, auf einen Flug zu einem der beiden in Österreich zugelassenen Heliski-Gipfel ein. Ein ebenso grandioses wie angefeindetes Ski-Gefühl. Denn Heliskiing ist „böse“: Lärm. Pro-Kopf-Öko-Bilanz. Unnötig. Berge für Faule. Teuer. Und so weiter.

Stimmt alles. Nur: Ist die Gesamt-Öko-Bilanz dort, wo statt 10 Heliskiern 20.000 Pisten-Touristen fahren, besser? Ist der Lärm eines Überfluges böser als Schirmbar-Dauerkrach? Ist Skifahren per se „nötig“? Braucht man 12-er Gondeln, wo ein Schlepplift jahrzehntelang reichte? Erschliesst nicht jeder Lift „Berge für Faule“? Und zuletzt: Ja, Heliskiing ist sauteuer – aber teuer ist „normales“ Skifahren auch. Zu teuer: 62 Prozent der Österreicher verzichten mittlerweile darauf. Doch vom Wintertourismus lebt die Volkswirtschaft, Skifahren gibt uns Identität. Heliskiing aber gilt als elitär und versnobbt. Ein ideales Feindbild: Man ist kritisch und bewusst – zeigt aber nur auf Andere. Denen kann man bequem unbequeme Fragen stellen – und selbst leicht und eindeutig beantworten: „Ich weiss es nicht“ muss man da nie sagen.

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Erstellt am: 09. März 2018

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