Schellhorns Politik-Tagebuch Teil 6

Tourismusbashing reloaded. Einige Anregungen für das Jahr 2017

Print-Ausgabe 12. Jänner 2017

Warum nicht für ein ganzes Wochenende als Protestaktion der Branche alle Tourismus- und Freizeitbetriebe schließen? Die Finanzierung wäre kein Problem …

Er hat wenig bis gar keine Akzeptanz, aber jeder hat oder genießt ihn gerne: Unseren Tourismus. Egal ob man abends im Kaffeehaus oder am Wochenende in einem Gasthaus am Land oder vielleicht sogar in einem Restaurant in der Stadt speisen möchte: Auch das ist Tourismus. Tourismusangebote füttern unsere Freizeitsucht – jeder konsumiert diese Angebote, um sie gleichzeitig aufgrund der angeblich schlechten Arbeitsbedingungen vehement zu kritisieren. Wie den schlechten Fußball, den man dann doch wieder gerne ansieht.

Was ich außerdem für überaus notwendig erachte ist, dass Tourismus und Land- und Forstwirtschaft ein gemeinsames Modell entwickeln. Weil der Klimawandel längst nicht mehr nur eine verbale Bedrohung, sondern Realität ist. Wir haben also gar keine Wahl: um wirtschaftlich überleben zu können, müssen Hoteliers und Bauern zusammenrücken. Der Regierung fehlt aber eine zentrale Tourismusstrategie, es gibt weder Konzepte für schneearme Winter, noch eine kontinuierliche Tourismusforschung.

Eine Verschränkung der Aktivitäten des Landwirtschaftsministeriums mit denen des für Tourismus zuständigen Wirtschaftsministeriums ist längst überfällig. Hoteliers, Wirte, lokale Produzenten und Kultureinrichtungen sollen sich stärker vernetzen. Als bereits existierendes österreichisches Vorzeigebeispiel sei hier das steirische „Vulkanland“ genannt, zu dem sich 33 Gemeinden zusammengeschlossen haben.

Die Registrierkasse

Ja, und dann war da doch auch noch die Geschichte mit der Registrierkasse. Ein Vorhaben der Regierung, über die Registrierkassenpflicht samt Betrugsbekämpfung eben mal so mir nichts, dir nichts 900 Mio. Euro in die Kassen zu spülen. Denn der Unternehmer, so hat auch die damalige Staatssekretärin Steßl gemeint, ist per se ein Steuerhinterzieher und Betrüger.Unangenehm, dass nun erst kürzlich sowohl Prof. Felderer als auch Prof. Schneider von der Uni Linz feststellten, dass es wohl doch nur maximal 100 Mio. Euro werden. Das sagt viel aus. Nicht nur, dass eine ganze Branche öffentlich vorverurteilt wurde, auch dass hier so mancher im Ministerium falsch gerechnet hat.

Der Fachkräftemangel

Das bringt mich auch gleich auf unsere noch größere Herausforderung: Den Fachkräftemangel. Ja, es ist richtig, hier haben wir Nachholbedarf. An manchen Stellen enormen Nachholbedarf. Es ist schizophren. Jeder möchte seine Freizeit genießen und verlangt somit von einem Teil der Dienstleister, dass diese dann da sind, wenn eben erstgenannter Teil seine wohlverdiente Freizeit an den Wochenenden konsumieren möchte. Jemand muss jedoch bitte diesen Freizeitsüchtigen den Strudel backen, den Kaffee servieren. Vielleicht sogar den Festtagsbraten am Sonntag an den Tisch bringen. Gleichzeitig schimpfen jedoch alle, dass man in unserer Branche am Wochenende und damit in deren (sic) Freizeit arbeiten muss ... da bleibt einem doch die Spucke weg.

Fakt ist: Wir zahlen nicht schlecht und alle wissen, woher die schlechten Zahlen kommen. Nicht aus unserer Branche. Fakt ist auch: Selbst die Gewerkschaft führt Hotels und Kurheime und auch dort wird man nicht drum herum kommen, an den Wochenenden zu arbeiten. Und noch ein Fakt zum Schluss: Die WKO hat einen enormen Überhang an Geldern aus unseren Pflichtbeiträgen. Ich habe hier einen Vorschlag:

Wir sollten alle, inklusive den Seilbahnen, ein Wochenende lang in Österreich unsere Betriebe/unsere Freizeitbetriebe schließen. Aus Protest. Als Zeichen des Streikes, des Widerstands gegen ein Tourismusbashing. Bezahlt wird dies aus den Mitteln der WKO, unserer Pflichtbeiträge – als eine Art „Streikfond“ für ein Zeichen „Pro Freizeitwirtschaft“ und Politik. Geld haben sie genug. Es fehlt alleine an einem Zusammenhalt. Gehen wir es an.

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Erstellt am: 13. Jänner 2017

Nimmt in T.A.I. zu jenen Dingen Stellung, die Österreichs Tourismus schwer belasten: Gastronom und Politiker Sepp Schellhorn

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