Tourismuspolitik

Neun „Kernthemen“ für „Plan T“: Von Wertschöpfung bis Digitalisierung

Print-Ausgabe 5. Oktober 2018

Angekündigt wurde ein „Masterplan für Tourismus“ (Plan T) von Tourismusministerin Elisabeth Köstinger heuer im Rahmen der ITB in Berlin. Der Startschuss erfolgte Ende September am „Welttourismustag“, und wann „Plan T“ fertig ist, steht ebenfalls bereits fest: Tourismusministerin Köstinger wird ihn im März 2019 auf der ITB in Berlin präsentieren, exakt ein Jahr nach dessen Ankündigung. Überfällig ist „eine Gesamtstrategie für diesen Wirtschaftszweig“ laut Köstinger schon seit geraumer Zeit: Das letzte Mal wurde eine vor neun Jahren entwickelt (Anm.d.Red.: Es handelte sich um die Ende Februar 2010 präsentierte „Tourismusstrategie 2010 - 2015“). Seither hat sich viel verändert. So war damals etwa der Begriff „Digitalisierung“ noch kaum bekannt. Daher sei es laut Elisabeth Köstinger „Zeit für eine Neupositionierung.“

Die Erstellung des Masterplanes ist als „partizipativer Dialogprozess“ breit organisiert, damit die Interessen und Standpunkte aller Stakeholder in die Entscheidungsprozesse integriert werden können. Neben dem Tourismusministerium sind auch die WKÖ (Wirtschaftskammer Österreich), die ÖHV (Österreichische Hoteliervereinigung) und vor allem alle neun Bundesländer involviert. Dazu gibt es einen „Expertenbeirat“ mit mehr als 40 Mitgliedern in bunter Zusammensetzung aus allen Bereichen, überwiegend aus der Hotellerie.

Tirols Landeshauptmann Günther Platter, der das „führende Tourismusland im Alpenraum“ bei der Startveranstaltung repräsentierte, zeigte sich über die Einbindung der Bundesländer erfreut. Ein besonderes Anliegen sei ihm die Vertiefung des Zusammenspiels des „Geschwisterpaares“ Tourismus und Landwirtschaft, ohne das es in vielen Tälern keine Zukunft für die Jugend geben würde.

WKÖ-Tourismusobfrau Petra Nocker-Schwarzenbacher erwartet vom „Plan T“ klare Antworten auf viele Fragen: „Wir wissen, wo die Betriebe der Schuh drückt“. Ihre persönlichen Spitzenreiter auf der Maßnahmenliste sind Aktivitäten gegen den Fachkräftemangel (Ausweitung der Mangelberufsliste und Sicherung einer ausreichenden Anzahl von Saisonniers). Dazu komme der Abbau bürokratischer Hemmnisse, etwa bei der Betriebsübergabe. Wichtig sei auch die Verstärkung der internationalen Tourismuswerbung. Im Klartext: Valorisierung des Budgets der Österreich Werbung.

Die Ergebnisse einer Befragung von 600 UnternehmerInnen, in welchen Bereichen diese Aktivitäten für vordringlich halten, brachten im Wesentlichen eine Bestätigung der bekannten Probleme. Grundsätzlich wird die Situation des Tourismus sehr positiv eingeschätzt. Als zentrale Herausforderung wird von 72 Prozent der Mitarbeitermangel angesehen, von 57 Prozent die Bewerbung des Tourismus im Ausland und mit 55 Prozent die Reduktion bürokratischer Hemmnisse.

Selbstkritisch zeigen sich die Betriebe bei der Beurteilung der Attraktivität des Tourismus als Arbeitgeber: Ein Drittel der Befragten hält sie für weniger, 20 Prozent für sehr attraktiv.

Die Finanzierungsmöglichkeiten für Tourismus-Projekte werden mit Zurückhaltung eingeschätzt, ein Viertel findet, dass sie leicht zu bekommen seien (insbesondere in der Hotellerie), im allgemeinen werden aber die von den Banken geforderten Sicherheiten als großes Hindernis angesehen. Als grundsätzlich gut wird das Förderwesen eingeschätzt, ein Viertel ist jedoch nicht zufrieden. Dass ein Drittel dazu keine Meinung hatte, wird mit unzureichender Information erklärt.

Besonders ausgeprägt ist mit 87 Prozent der Wunsch nach Vertiefung der Kooperation mit der Landwirtschaft: 83 Prozent sehen besonderes Potential bei der Kulinarik, 71 Prozent  bei Urlaub am Bauernhof (UaB) und 72 Prozent bei der Erhaltung der Landschaft.

Bei der bereits seit einem halben Jahr laufenden Vorbereitung zu „Plan T“ wurden neun „Kernthemen“ herauskristallisiert, die in Workshops auf die Bundesländer aufgeteilt wurden. Der Auftakt erfolgte am 1. Oktober in Wien mit dem Thema „Internationale Trends und Herausforderungen“, es folgen die Themen „Indikatorensystem“ (Ersatz der Nächtigungszahlen als Maßstab), Kooperation Landwirtschaft-Tourismus, Rahmenbedingungen für den Tourismus, nachhaltiger Tourismus (Umwelt, Mobilität, Klima), Förderung und Finanzierung, Tourismusmarketing, Arbeitsmarkt und Weiterbildung. Zum Abschluss wird das Thema  „Digitalisierung“ am 16. Februar 2019 in Kärnten behandelt. Wenige Wochen später muss der Masterplan auf dem Tisch liegen. Die Tourismusministerin ist zuversichtlich, dass sich das ausgeht. Mehr dazu im Kommentar „Durchgeblickt“

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Erstellt am: 05. Oktober 2018

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