Tourismuspolitik

Neudefinition für Rolle der ÖW im „Gesamtkunstwerk Tourismus“

Print-Ausgabe 14. Dezember 2018

Aus „Plan T“ werden sich laut Ministerin Elisabeth Köstinger konkrete Handlungsoptionen für die Zukunft von Österreichs Tourismus ergeben, auch für die ÖW

Fast auf den Tag genau vor einem Jahr wurde die neue Bundesregierung angelobt. Ihr gehört auch Elisabeth Köstinger an, als Resortleiterin des neu geschaffenen Ministeriums für Nachhaltigkeit und Tourismus (MBNT). T.A.I. bat sie aus diesem Anlass zum Interview.

T.A.I.: Wie sieht Ihre erste Zwischenbilanz aus, vor allem jene aus touristischer Sicht?

Köstinger: „Für den Tourismus war 2018 ein gutes Jahr. Die Beliebtheit Österreichs bei den Gästen ist weiter gestiegen. Sowohl Sommer- als auch Wintertourismus haben sich erfreulich entwickelt. Auch die Regierung hat ihre Ankündigungen umgesetzt und wichtige Maßnahmen gesetzt. Die Senkung des Steuersatzes auf Übernachtungen und Camping mit 1. November auf die ursprüngliche Höhe von 10 Prozent war ein wichtiger Schritt für das Ziel der Bundesregierung, die Abgabenquote zu senken.

Mit der Genehmigungsfreistellungsverordnung haben wir speziell für kleinere Tourismusbetriebe einen wichtigen Entbürokratisierungs- und Entlastungsschritt gesetzt. Diese Verordnung bringt Kosten- und Zeitersparnis für Unternehmerinnen und Unternehmer.

Auch im Arbeitsmarkt – gerade im Tourismus ein heißes Thema – gibt es Neuerungen: Durch Änderungen im Bereich der Mangelberufsliste wird es für die Tourismusbranche leichter, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu beschäftigen, durch die Arbeitszeitflexibilisierung wird es möglich, diese gezielter einzusetzen.“

T.A.I.: Was hat Sie angenehm überrascht, was haben Sie sich einfacher vorgestellt?

Köstinger: „Die Komplexität der Aufgaben. Man stellt sehr schnell fest, dass es ‚einfache‘ Lösungen nicht gibt. Die Wechselwirkung von Energie, Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft und auch Tourismus ist enorm. Auf der anderen Seite haben wir gerade aus diesem Grund all diese Kompetenzen in einem Ministerium gebündelt. Das beschleunigt Entscheidungen und schafft Synergien. Beeindruckt hat mich auch die Einsatzfreude und die Kompetenz meiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die trotz neuer Aufgabenstellungen und Präsidentschaft täglich tolle Arbeit leisten. Das kann man nicht hoch genug schätzen.“

T.A.I.: Wichtige den Tourismus betreffende Bereiche, wie Seilbahnen, Schifffahrt, Schiene, Straße und Flugverkehr, sind im Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (BMVIT) angesiedelt. Steht dessen Interessenslage in vielen Fällen nicht jenen Ihres Ministeriums entgegen?

Köstinger: „Ich denke nicht, dass die Interessenslagen des BMVIT jenen meines Ressorts entgegenstehen. Im Gegenteil – ich sehe, dass die Bereitschaft zur Zusammenarbeit in beiden Ressorts sehr groß ist und es uns bisher sehr gut gelungen ist, tragfähige Lösungen zu finden. Und letztlich arbeiten beide Ressorts an einem nachhaltigen Mobilitätsangebot für Österreich – sei es auf der Schiene, auf der Straße oder am Wasser. Auch im Klimaschutz hat sich das BMVIT dazu bekannt, die nötigen Emissionseinsparungen zu erreichen. Ich habe keinen Zweifel daran, dass das gelingen wird.“

T.A.I.: Wie steht es um den Plan-T? Wird er mehr als nur Überschriften beinhalten?

Köstinger: „Das große Interesse an unseren Arbeiten am ‚Plan T – Masterplan für Tourismus‘ stimmt mich zuversichtlich. Die Bereitschaft der Branche, die Zukunft des Tourismus gemeinsam zu gestalten, ist groß. Daher bin ich davon überzeugt, dass wir auf der einen Seite im März 2019 bei vielen Themen sehr konkrete Ergebnisse präsentieren werden können, auf der anderen Seite – und das ist fast noch wichtiger – werden wir einen Prozess aufsetzen, um die laufende Weiterentwicklung sicherzustellen. Die Präsentation des Plan T wird nicht der Endpunkt, sondern der Startschuss für die permanente Auseinandersetzung mit diesem Themenkomplex sein.“

T.A.I.: Wie sieht es mit einer Erhöhung des Budgets für die Österreich Werbung aus?

Köstinger: „Entscheidend ist, welche Strategie wir mit der Österreich Werbung verfolgen wollen. Was werden ihre zukünftigen Aufgaben sein? Welche Rolle kann und muss die ÖW im Gesamtkunstwerk Tourismus spielen? Mit diesen Fragen beschäftigen wir uns auch im Rahmen des Plan T. Erst dann können wir festlegen, welche Mittel wir dafür zur Verfügung stellen müssen.“

T.A.I.: Dem BMNT steht 2019 ein Budget von 2,22 Milliarden Euro zur Verfügung. Wieviel davon ist für den Tourismus vorgesehen und wofür werden diese Mittel schwerpunktartig eingesetzt?

Köstinger: „Für den Tourismus stehen fast 55 Millionen Euro zur Verfügung. Wir verfolgen damit zwei Schwerpunkte: Auf der einen Seite betriebliche Tourismusförderung, die zum größten Teil von der ÖHT abgewickelt wird und auf der anderen Seite Tourismusmarketing durch die Österreich Werbung.“

T.A.I.: Wo sehen Sie 2019 die nächsten wichtigen Handlungsfelder des BMNT im Tourismus?

Köstinger: „Die Arbeiten am Plan T werden 2019 abgeschlossen – die Arbeit für uns fängt dann aber erst richtig an, da sich aus diesem Plan konkrete Handlungsoptionen für die Zukunft ergeben werden. Zudem bleibt das Regierungsprogramm, an dessen Umsetzung wir weiterarbeiten. Wenn wir auch in Zukunft eine der erfolgreichsten Tourismusdestinationen der Welt sein wollen, müssen wir unser Angebot permanent anpassen – nachhaltig anpassen! Denn der Erhalt unserer natürlichen Ressourcen ist die Grundvoraussetzung für eine attraktive und erfolgreiche Tourismusdestination Österreich.“ 

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Erstellt am: 14. Dezember 2018

Zieht nach einem Jahr im Amt eine erste Bilanz: Elisabeth Köstinger, Bundesministerin für Nachhaltigkeit und Tourismus

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