Wirtschaftlichkeits-Analyse Hotellerie

Zweischneidige Sommer-Bilanz. Umsatz geht rauf, GOP bricht ein!

Print-Ausgabe 2. November 2018

Bei der Präsentation des neuen Fachbuchs „STAHR - Erfolg ist planbar“ (v.l.): Thomas Reisenzahn, Prodinger Tourismusberatung, Stefan Rohrmoser, Prodinger Steuerberatung, Sonja Trauner, TRAUNER Verlag, und Achim Hartmann, Universitätslektor.

Von Mai bis August 2018 sind in der westösterreichischen 4- und 5-Sterne Hotellerie die Erlöse um 8 Prozent gestiegen, der GOP ist um ein Fünftel zurückgegangen

Auf Basis des neu entwickelten  gemeinsamen Berichtswesens für Hotels und Restaurants „STAHR“ (Standard der Abrechnung für Hotels und Restaurants) hat die Prodinger Steuerberatung Mitte Oktober eine Kennzahlenerhebung der 4- und 5-Sterne Hotellerie (164 Ferienbetriebe in Tirol, Salzburg und Vorarlberg) für die ersten vier Monate der Sommersaison 2018 (Mai bis August) durchgeführt. Das Ergebnis ist ernüchternd: Während die Gesamterlöse pro Nächtigung im Durchschnitt (Median) um 8 % nach oben kletterten (von 81 auf 88 Euro) – bei den besten Betrieben sogar um 18 % (von 93 auf 110 Euro) – ist die Marge des GOP (Gross Operating Profit) um ein Fünftel zurückgegangen (im Durchschnitt von 20,2 % auf heuer nur noch 16,3 %).

Die erfolgreichsten Betriebe (Oberes Quartil) sind mit einem GOP-Rückgang von 28,3 % auf 26,7 % noch relativ glimpflich davon gekommen (die 1,6 Prozentpunkte entsprechen einem Minus von 5,7 %), brach die bereits im Vorjahres-Sommer negative GOP-Marge bei den Betrieben im untersten Quartil von -1,2 % auf -18,5 % massiv ein.

Der GOP drückt die Fähigkeit eines Hotelbetriebes aus, Miete/Pacht/Leasing sowie Abschreibungen, Versicherungen und Zinsen verdienen zu können. Thomas Reisenzahn, Geschäftsführer Prodinger Tourismusberatung: „Der GOP entspricht in etwa dem EBITDA (Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen).“

Die Gründe für den Absturz der GOP-Marge liegen laut Thomas Reisenzahn und Stefan Rohrmoser, Geschäftsführer Prodinger Steuerberatung, vorwiegend im seit einem Jahr extrem gestiegenen Energie-Aufwand (Kostenanteil von 8% bis 10%), in den im Sommer erheblich höheren Provisions-Kosten gegenüber dem Winter (dort gibt es mehr Direktbuchungen bei höheren Umsätzen), sowie im um knapp 6 Prozent bzw. 2,1 Prozentpunkte (von 37,1 % auf 39,2 %) gestiegenen Personalkosten-Anteil. Letzteres ist nicht nur durch die KV-Erhöhung verursacht, sondern vor allem durch den leergefegten Arbeitsmarkt bei gleichzeitig vielen offenen Stellen.

Das unterste Quartil muss seinen negativen Sommer-GOP laut Rohrmoser durch eine starke Wintersaison kompensieren: „Der Sommer wird bei ihnen querfinanziert.“ Zieht man den Median als Maßstab heran, beläuft sich der Sommer-GOP heuer auf 16,3 Prozent, jener im Winter auf an die 30 Prozent.

Im Jahresschnitt ergeben sich aktuell laut Reisenzahn rund 22%. „Vor acht, neun Jahren lag der Jahres-GOP im Durchschnitt noch bei 28-29%.“ Rohrmoser: „Es wird immer härter. Die Hotellerie hängt am Tropf der niedrigen Zinsen.“

Auf betrieblicher Ebene lautet für Rohrmoser und Reisenzahn die einzig zielführende Antwort, umgehend auf Basis von „STAHR“ ein effizientes Controlling-System aufzubauen. Dazu ist soeben im Trauner Verlag das Fachbuch „STAHR - Erfolg ist planbar“ erschienen (Reisenzahn, Stoiser, Hartmann; 250 Seiten; Subskriptionspreis bis 30. November 2018: 49,90 Euro, danach 59,90 Euro; www.trauner.at).

Von politischer Seite ist angesichts der Verschlechterung der Rahmenbedingungen ebenfalls Handlungsbedarf gegeben. „Dass die Hotellerie ab November die 10% Umsatzsteuer auf Logis zurückbekommt, ist ein positives Zeichen“, so Rohrmoser. Weitere Erleichterungen im Abgaben-Bereich sind jedoch dringend notwendig, allen voran …

die Abschreibung von Gebäuden (seit der letzten Steuerreform mit 40 Jahren absolut unrealistisch; die Hotellerie steht laut Rohrmoser „unter massivem Druck, alle 15 bis 20 Jahre zu investieren“). Mitarbeiter-Häuser sind sogar nur auf 67 Jahre abschreibbar; eine Vereinfachung der Lohnverrechnung sowie endlich Rechtsklarheit bezüglich der Energieabgaben Vergütung. Hier zieht sich die Angelegenheit bereits seit 2011 hin. Nächster Verhandlungstermin beim EuGH (Europäische Gerichtshof) ist für den November angesetzt. 

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Erstellt am: 02. November 2018

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