HOTREC Generalversammlung

Wertschöpfung statt Nächte, mehr Transparenz für Online-Portale

Print-Ausgabe 4. Mai 2018

Die skeptische Haltung von Europas Hotelverbänden gegenüber Hotel-Buchungsportalen hat einen Grund: einige wenige Riesen kontrollieren große Teile des Markts. Die Kräfteaufteilung entspricht somit in keinster Weise dem Idealzustand. Umso mehr begrüßt der europäische Dachverband der Hotels, Restaurants und Cafés, HOTREC, den jüngsten Vorstoß der EU Kommission in Richtung mehr Fairness und Transparenz von Online-Vermittlungsdiensten und Suchmaschinen im Bereich von Geschäftsreisen. Das EU-Vorhaben war eines der Kernthemen bei der Ende April in Wien abgehaltenen 76. HOTREC Generalversammlung.

Gastgeber waren die amtierende HOTREC-Präsidentin Susanne Kraus-Winkler und Mario Pulker, Obmann des Fachverbandes Gastronomie in der WKÖ (Wirtschaftskammer Österreich). Rund 100 Delegierte aus allen HOTREC-Mitgliedsländern waren angereist. Erstmals mit dabei waren VertreterInnen der zwei neuen Mitglieder HOREKA (Georgische Hotel-, Restaurant und Café Förderation) und der Association of HORECA Employers in Polen (ZPHoReCa). Damit gehören der Dachorganisation nun 42 Gastgewerbe-Verbände in 30 europäischen Ländern an.

Im Mittelpunkt der Generalversammlung standen wie erwähnt die aktuellen EU-Lobbyingthemen, allen voran jene rund um die Buchungsportale. Die HOTREC hatte dazu eine Distributions-Studie über den Status der Onlinebuchungsportale erstellen lassen, deren Ergebnisse nun vorliegen.

Zurück zum eingangs erwähnten Kommissionsvorschlag: die Art und Weise, in der Plattformen Rankings ermitteln, soll durch ihn transparenter und berechenbarer werden. Markus Luthe, Vorsitzender der HOTREC Distribution Task Force, spricht diesbezüglich von „mehr Fairness auf den Online-Märkten.“ Gleichzeitig soll die Behandlung von Beschwerden genauer überprüft werden mit dem Ziel, eine effektivere Streitbeilegung zu erwirken.

Für HOTREC-CEO Christian de Barrin ist „dieser EU-Vorschlag ein guter Schritt in die richtige Richtung.“ Vom Zeitplan her ist de Barrin zuversichtlich, dass „das Entscheidungsverfahren mit einigen Verbesserungen noch vor der Erneuerung der EU-Institutionen im Jahr 2019 abgeschlossen werden kann.“

Ihren Auftritt auf der HOTREC Generalversammlung in Wien hatte auch Österreichs Tourismusministerin Elisabeth Köstinger. Sie ging in ihrer Rede unter anderem auf die „Erarbeitung einer umfassenden Tourismusstrategie – den Plan T“ ein, ein Vorhaben, das in den nächsten 10 Monaten umgesetzt werden soll. Elisabeth Köstinger: „Ein Teil davon ist sicherlich auch die Frage, wie sehr die Quantität von Nächtigungszahlen als Benchmark dienen kann.“

Aus ihrer eigenen Haltung machte sie kein Hehl: „In meiner Überzeugung müssen wir uns mehr in Richtung Wertschöpfung pro Nächtigung orientieren und nicht alles an den reinen Nächtigungszahlen festmachen.“ Ein lobenswerter Ansatz. Bekanntlich geht seit Jahren der reale Umsatz pro Nächtigung (also unter Berücksichtigung der Inflation) in Österreich zurück. 

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Erstellt am: 04. Mai 2018

Foto oben: Susanne Kraus-Winkler, Präsidentin HOTREC

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