Direktbuchungen

ROOMBONUS schlägt der Bestpreis-Klausel ein Schnippchen

Print-Ausgabe 25. März 2016

Die Rückeroberung von Vertriebs- und Datenhoheit ist für die Hotellerie ein interessantes Start-up näher gerückt – T.A.I. war bei der Vorpremiere mit dabei

Jenes Szenario, das Erich Falkensteiner, Chef der Falkensteiner Michaeler Tourism Group (FMTG), in seinem Eingangsstatement vor kurzem rund um die Präsentation des Startups ROOMBONUS schilderte, ließ an Brisanz nichts zu wünschen übrig: „Jahrelang schimpfte die Hotellerie über Booking & Co. und hat sie als Konkurrenz gesehen. Später hat sie begriffen, mit ihnen zu arbeiten. Jetzt tritt Google als Hai in das Ganze ein und wird höchstwahrscheinlich einen der großen OTAs übernehmen. Das ist das einfachste. Die große OTA-Frage lautet deshalb: Wie binde ich die Hotellerie, damit sie mir nicht mehr auskommen kann?“

Ab sofort wird die Antwort auf diese Frage um einiges kniffliger, und zwar für die OTAs. Denn mit ROOMBONUS erhält die Hotellerie jenes Marketing- und Vertriebs-Tool, das sie aus der Umklammerung der Online-Giganten befreit. Entwickelt wurde ROOMBONUS von Rainer Schuster, Institut für Softwaretechnik und Interaktive Systeme an der TU Wien. Schuster war Co-Autor der „etOpt“ (eTourism Options Austria)-Studie, die von der Politik – so Institutsvorstand Hannes Werther – „nicht gewollt“ und damit auf Eis gelegt wurde.

Aus dieser Studie hat Schuster jene Ansätze entnommen, die nun zur Entwicklung von ROOMBONUS führten. Die Idee: Der potentielle Urlauber sucht das für seine Wünsche optimale Hotel, findet auf einer OTA-Seite den dafür günstigsten Preis, kopiert die URL in das auf www.roombonus.com dafür vorgesehene Eingabefeld und bucht den Bestpreis dann nicht über die OTA-Seite, sondern direkt beim Hotel, bei dem er einen zusätzlichen Bonus erhält.

Rainer Schuster: „Das System bietet damit sowohl einen Mehrwert für den Gast als auch für das Hotel.“ Letzteres erspart sich die OTA-Provision. Es kann bei ROOMBONUS zwischen zwei Alternativen wählen:
•    als „Freemium“-Partner (das „F“ ist kein Druckfehler) zahlt das Hotel (kein Vertrag mit ROOMBONUS) 9 Euro pro Buchung (sie kommt als Kunden-Anfrage über ROOMBONUS, der Hotelier muss sie nur bestätigen). Die ersten fünf Buchungen für das Hotel sind frei, die 9 Euro fallen erst ab der sechsten an. Der Kunde kann zwischen mehreren Standard-Boni wählen (z.B. Late Check-Out, Begrüßungs-Sekt, etc.)
•    Als „Trusted“-Partner (Vertrag zwischen Hotel und ROOMBONUS) zahlt das Hotel keine Provision, sondern 1 Euro pro Monat und Zimmer. Es kann zusätzlich zu den Standard-Boni selbst Bonus-Leistungen definieren (z.B. Upgrade in ein Kunstzimmer, Massage, etc.)

Ziel für den auf 1. Mai angesetzten Start von www.roombonus.com sind 250 Premium Partner. „Wir sind auf gutem Weg“, sagt Rainer Schuster, der 45 Prozent an der Roombonus GmbH hält (das Unternehmen ist für zwei Jahre ausfinanziert). „Von zehn Hoteliers, mit denen wir reden, springen neun sofort auf“, so Schuster. Das Verhältnis 10:9 zeichnete sich auch im Testlauf bei der Entwicklung des Systems ab: „Von zehn Hotels, die von Kunden über das System bezüglich eines Bonus auf den Bestpreis angeschrieben wurden, haben neun sofort akzeptiert.“

Bezüglich „Freemium“-Partner wurden bereits 15.000 Hotels in Österreich in das System eingespeist. Bis Herbst soll die gesamte DACH-Region abgedeckt sein und ab 2018 startet der weltweite Vertrieb. Beworben wird ROOMBONUS über Facebook und andere Social Media-Kanäle sowie durch Online-Werbung, klassische Werbemaßnahmen für den Markenaufbau sind in Vorbereitung.

Für Betriebe bietet ROOMBONUS noch weit mehr, als „nur“ Buchungen: „Wir wollen auch als Marketing-Tool arbeiten, als Software, die die Hotellerie einsetzt, um Kunden zu clustern, um sie wiederzugewinnen“, sagt Schuster. Womit ein heißes Thema angesprochen wird: jenes der Daten. „Information ist das Öl des 21. Jahrhunderts. Seine Gäste zu kennen, ist das erste Gebot für den Hotelier. Jene, die sich nicht mit dem Thema Daten beschäftigen, sind fahrlässig“, betonte Erich Falkensteiner in seinem Eingangsstatement. Laut Falkensteiner liegt die Erfolgsformel für Direkt- und Fremdbuchungen bei 70:30. „Wer sie beherzigt, hat seine Zahlen im Griff“, so Falkensteiner. ROOMBONUS wird dabei helfen. 

Stimmen zu ROOMBONUS

Markus Gratzer, Generalsekretär ÖHV: „ROOMBONUS ist ein erfrischender und innovativer Zugang an das Thema ‚Direktvertrieb‘ für die Hotellerie. Das Geschäftsmodell ist partnerschaftlich mit der Hotellerie entwickelt und gibt den Betrieben die Möglichkeit, wieder ein Stück der Vertriebshoheit und der Customer Ownership zurückzuerlangen. Die ÖHV unterstützt die Plattform aktiv und hat ROOMBONUS auch als Start-Up Partner aufgenommen. Das heißt ÖHV Betriebe werden zusätzlich noch von speziellen ÖHV Konditionen profitieren.“
Thomas Reisenzahn, geschäftsführender Gesellschafter der Prodinger GFB Tourismusberatung: „Die Branche, die das höchste Risiko in der Dienstleistungskette trägt, hat ihre Vertriebshoheit verloren. Alle Systeme, die die Wertschöpfung im Inland erzeugen und Verkaufsmöglichkeiten zurückgewinnen, sind zu unterstützen. Daher habe ich mich an ROOMBONUS beteiligt.“

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Erstellt am: 25. März 2016

Foto: Rainer Schuster vom Institut für Softwaretechnik und Interaktive Systeme an der TU Wien und Entwickler von ROOMBONUS

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