Greenstorm Mobility

„Leere Zimmer“ für neue Tesla. Das Tauschgeschäft mit E-Mobilität

Print-Ausgaben 2. Juni 2017

Nachhaltige Verkehrskonzepte werden aktuell viel diskutiert. Abseits von politischen Debatten preist ein spezielles Tauschgeschäft eine Win-Win-Lösung für die Hotellerie an

Im Streben nach nachhaltigen Verkehrslösungen für den Tourismus lässt ein Tiroler Unternehmen mit einem speziellen Tauschkonzept aufhorchen: Greenstorm Mobility rüstet Hotels für die Dauer einer Saison mit E-Fahrzeugen aus. Dazu kommen die passenden Ladestationen und sogar die Stromkosten für den Betrieb des Fuhrparks. Bezahlt wird dies alles mit „leeren Zimmern“, sprich: mit Hotelgutscheinen. Hoteliers können dabei selbst entscheiden, für welchen Reisezeitraum Kontingente abgegeben werden und erhöhen somit die Auslastung in schwächeren Zeiten.

Die Gutscheine der ansonsten leer stehenden Zimmer werden von Greenstorm über ein eigenes Netzwerk abseits von Suchmaschinen à la Google um bis zu 50 Prozent vergünstigt weiterverkauft. AbnehmerInnen sind in erster Linie Stammgäste. Nach der Saison werden die E-Bikes und E-Autos wieder zurückgegeben oder können um 25 Prozent reduziert von den Hotels selbst erstanden werden.

„Dadurch erledigen sich gleich zwei Probleme für Hoteliers“, erklärt Nina Karner, Chefredakteurin des Unternehmens-eigenen Branchenmagazins „ZimmerStunde“, im Gespräch mit T.A.I. „Hoteliers sparen sich einerseits die Investition in einen eigenen Fuhrpark und können andererseits leere Betten belegen.“ Dazu kämen weitere positive Nebeneffekte: So profitieren etwa in Straßennähe gelegene Hotelbetriebe von weniger Luftverschmutzung, weniger Lärmbelästigung und somit mehr Qualität für die Gäste.

Ein weiterer Vorteil für Hotels besteht in der Möglichkeit, neue Gästeschichten anzusprechen. Viele Partnerhotels veranstalten Testwochen für Tesla-Autos oder E-Bikes, bei denen Neugierige jedes Jahr die neuesten Modelle testen können. Im Winter werden E-Fahrräder von Greenstorm gewartet und schließlich als Gebraucht-Bikes weiter verkauft.

Das Tempo der Entwicklung von Greenstorm Mobility kann sich sehen lassen. Begonnen hatte alles im Jahr 2009 mit der Idee des Tiroler Unternehmers Wolfgang Spieler. Dieser war zuvor im Hotellerie-Zulieferbereich tätig und hatte bereits mehrere Firmen und Projekte erfolgreich aufgebaut. Als E-Mobilität immer stärker in den Fokus der Öffentlichkeit rückte, stellte Spieler Überlegungen an, wie das Thema in Lösungen umgesetzt werden könnte, von denen möglichst alle profitieren. Seine innovative Tausch-Idee wurde schließlich von den heutigen geschäftsführenden Gesellschaftern, Wolfgang Spielers Stiefsohn Philipp Zimmermann und von Hotelier (Auracher Löchl) bzw. Investor Richard Hirschhuber zu Greenstorm Mobility geformt.

Heute umfasst der Fuhrpark in Österreich insgesamt 40 Tesla, zehn BMWi3, zwei Renault Zoe und 3.888 E-Bikes. Vertreten ist Greenstorm neben Österreich auch in Südtirol, Bayern und Mallorca. Mit einem Verkaufslager und Büro versucht das Unternehmen aktuell auch in der Schweiz Fuß zu fassen. Nächstes Jahr ist eine weitere Expansion angedacht: So sollen 2018 Niederlassungen in Bozen, München und Regensburg entstehen. Auch der nordische Raum und die Kanaren sind als Zielgebiete angedacht.

Der Boom in Sachen E-Mobilität wird auch die kommenden Jahre prägen – in der Tourismusbranche und darüber hinaus. Da ist sich Nina Karner sicher: „Die Zukunft für E-Mobilität wird groß, so lange uns etwas daran liegt, die Umwelt zu bewahren.“ Auch auf wirtschaftlicher Seite zeige sich, dass immer mehr Firmen sich damit beschäftigen. Autokonzerne kämen an dem Thema nicht mehr vorbei. Mit dem Magazin „ZimmerStunde“ versucht Greenstorm auch einen Beitrag zur Aufklärung in Sachen nachhaltigem Tourismus zu leisten.  Die politische Ebene spielt für das E-Mobilitätsunternehmen eine eher untergeordnete Rolle: „Förderungen sind zwar ein schöner Anreiz, aber es sollte für Jeden selbst ein Anliegen sein, dass man etwas für den Erhalt der Umwelt macht.“ 

Greenstorm im Überblick

Greenstorm Mobility mit Sitz in Ellmau hieß bis Mitte 2016 „littlegreentoe“ und war sieben Jahre lang Österreichs führender Anbieter für Elektromobilität – speziell in der Hotellerie. Seit 2017 firmiert das Tiroler Startup als Greenstorm Mobility GmbH und ist mit 34 MitarbeiterInnen Europas größter Händler für gebrauchte E-Bikes und Tesla. Zusätzlich zählt auch der Verleih von E-Bikes zum Kerngeschäft.
Für Gutscheine von saisonal leer stehenden Zimmern leihen sich Hoteliers E-Bikes, E-Autos und – seit heuer neu – auch E-Tankstellen. Die Preise variieren je nach Unterkunftskategorie. Ein 5-Sterne-superior Hotel, beispielsweise, bekommt für einen Gutschein über 1 Woche für 2 Personen mit Halbpension ein E-Bike für ein ganzes Jahr.

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Erstellt am: 02. Juni 2017

Nina Karner (Mi.) mit Greenstorm Mobility CEOs Richard Hirschhuber (l.) und Philipp Zimmermann (r.)

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