Interview Albert Ebner

Hoffen auf neue Regierung. „Die Karten werden neu gemischt“

Print-Ausgabe 19. Mai 2017

Rahmenbedingungen sind für Tourismusbetriebe eine Herausforderung – Salzburgs Spartenobmann Albert Ebner wünscht sich frischen Schwung nach den Wahlen.

Bürokratie, Aufzeichnungswahn, Controlling, Strafen, dazu aufgrund der bevorstehenden Neuwahlen Stillstand auf Bundesebene – Albert Ebner, Obmann der Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft in der WK Salzburg, hofft, dass die künftige Regierung für eine deutliche Verbesserung der Rahmenbedingungen sorgen wird.

T.A.I.: Wie ist die zu Ende gehende Wintersaison 2016/17 verlaufen?

Albert Ebner: „In Hintersee und der Fuschlseeregion ist sie sehr schleppend angelaufen, da der Schiliftbetrieb erst nach dem Weihnachts- und Silvestergeschäft gestartet werden konnte. Dies hatte nicht nur Auswirkungen auf meinen eigenen Betrieb, sondern spiegelt sich auch in der Statistik der Fuschlseeregion wider: Die Umsatz- und Nächtigungszahlen haben sich in manchen Betrieben um 20 bis 25 Prozent verringert. Im Bundesland Salzburg sind nach dem letzten Rekordwinter die Nächtigungszahlen um ca. 6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gesunken. Hierbei waren der späte Wintereinbruch und der späte Oster-Termin ausschlaggebend.“

T.A.I.: Was erwarten Sie vom bevorstehenden Sommer?

Ebner: „In meinem Betrieb sind die Vorbuchungen im Vergleich zum letzten Sommer stabil. Wir hoffen auf einen warmen und regenarmen Sommer. Für die Region und das Land Salzburg gilt laut letzter Umfrage das gleiche Bild. Der Spruch ‚Die Hoffnung stirbt zuletzt‘ hat sich im Tourismus oft bewährt. Wir hoffen deshalb auf eine gute Sommersaison und dass uns genügend Mitarbeiter zur Verfügung stehen und die Rahmenbedingungen seitens der Regierung verbessert werden.“

T.A.I.: Stichwort Rahmenbedingungen: Auf Initiative der Tourismussparte soll heuer ein neues Arbeitszeitmodell getestet werden (MitarbeiterInnen arbeiten in der Nebensaison nur noch 50 Prozent ihrer Normalzeit, erhalten dafür aber 75 Prozent ihres Gehaltes. Die Mehrkosten übernimmt das AMS). Salzburg gilt hier als treibende Kraft. Wie stehen Sie zu diesem Modell?

Ebner: „Wir hoffen, eine Pilotregion zu werden. Doch ich befürchte, dass der Sozialpartner diesem nicht zu 100 Prozent zustimmen wird. Des Weiteren wird das Thema Arbeitszeitflexibilisierung für den Tourismus voraussichtlich auf Eis gelegt, da die politische Lage in Österreich sehr gespannt ist und es noch heuer zu Neuwahlen kommen wird. Danach werden die Karten neu gemischt und wir hoffen, dass dieses Thema auf ein Neues angegangen wird.“

T.A.I.: In einem früheren Interview nannten sie die Aufnahme von Köchen in die Mangelberufe als einen ihrer wichtigsten Wünsche an die Politik. Wie sieht hier die aktuelle Situation aus?

Ebner: „Leider ist der Beruf Koch nicht in die Mangelberufsliste aufgenommen worden. Dieses ist ein Problem der Statistik: In den tourismusintensiven, westlichen Bundesländern würde laut Statistik der Koch als Mangelberuf durchgehen, in den östlichen Bundesländern nicht. Daher fordern wir für die westlichen Bundesländer eine Teillösung und zwar in der Form, den Koch in die Mangelberufsliste aufzunehmen und eine regionale Lösung anzustreben.“

T.A.I.: Sie sind ein typischer, österreichischer Familienbetrieb. Wie sieht es mit der Nachfolge in Ihrem Unternehmen aus? Zeigen Ihre beiden Töchter Interesse?

Ebner: „Unser Betrieb ist seit 240 Jahren familiär geführt und ich hoffe, dass meine Kinder ihn übernehmen werden. Aber es ist aufgrund der heutigen Rahmenbedingungen – Bürokratie, Aufzeichnungswahn, Controlling, Strafen – schwierig, es den jungen Menschen schmackhaft zu machen, ein Familienunternehmen weiterzuführen!“ 

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Erstellt am: 19. Mai 2017

Hofft auf eine Verbesserung der Rahmenbedingungen für Salzburger Tourismusbetriebe: Albert Ebner

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