Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft Kärnten

Flexiblere Arbeitszeit: „Diese
Blockade geht an Lebensrealität vorbei“

Print-Ausgabe 20. Oktober 2017

Seit 10 Jahre ist der Hotelier Helmut Hinterleitner Obmann der Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft in Kärnten. Dort gab es in der zu Ende gehenden Sommersaison 2017 bei den Nächtigungen eine erfreuliche Entwicklung (plus 5,5 Prozent bis Ende August). Allerdings sind Camping, FeWos und Ferienhäuser sowie die 1- bis 3-Sterne Betriebe die Treiber, während die 4- und 5-Sterne Hotels – sie machen rund 24 Prozent des Volumens aus – rückläufig waren (Ausnahme 4-Sterne superior). T.A.I. wollte gleich zum Einstieg des Interviews, bei dem es auch um Forderungen an die Bundespolitik sowie den Flughafen Klagenfurt ging, erfahren, wie Helmut Hinterleitner diese Entwicklung beurteilt.

Hinterleitner: „Kärnten ist Österreichs Campingland Nummer 1. Rund 40 Prozent aller Camping-Nächtigungen entfallen auf das südlichste Bundesland. Nichts desto trotz zählen wir seit letztem Jahr zu den Top-Bundesländern, was die Investitionen in unsere Tourismusbetriebe betrifft. Wir halten hier hinter Tirol und Salzburg den respektablen dritten Platz.“

T.A.I.: Angesichts der aktuellen Sommer-Zahlen stellt sich aber die Frage, ob hier nicht eine Verlagerung zum Billig-Gast stattfindet?

Hinterleitner: „Das sehe ich nicht so. Die Qualitätsoffensiven der letzten Jahre haben in allen Kategorien ihren Widerhall gefunden. So haben wir auch viele kleinere Beherberger, welche mit viel persönlichem Charme für die Gäste da sind.“

T.A.I.: Ihr Betrieb ist im 4-Sterne-Bereich angesiedelt. Verläuft die Entwicklung ähnlich wie beim Kärntner-Trend in diesem Bereich?

Hinterleitner: „Wir haben uns schon frühzeitig auf den MICE-Bereich spezialisiert und können so neben dem Sommer-Seen-Tourismus bei unseren Gästen punkten. Dennoch ist das laufende Jahr ein überdurchschnittlich positives, was die Auslastung betrifft.“

T.A.I.: Landesrat Christian Benger kommentierte die Nächtigungszunahme mit den Worten ‚Die Richtung stimmt, die Investitionen der Tourismusunternehmer machen sich bezahlt.‘ Kann dies – angesichts der oben beschriebenen Trends – widerspruchslos im Raum stehen bleiben?

Hinterleitner: „Es hat in Kärnten eine längere Durststrecke gegeben, aber wir sind auf einem guten Weg. Nichts desto trotz sind Investitionen im Bereich des Anlagevermögens nur ein Teilaspekt. Gerade im Bereich der Digitalisierung müssen wir unsere Betriebe zukunftsfit machen.“

T.A.I.: In unserem Interview vor einem Jahr bezeichneten Sie die Mehrwertsteuererhöhung auf Logis als ‚eine krasse Fehlentscheidung‘. Jetzt soll sie zurückgenommen werden. Wann wäre hier dafür der optimale Zeitpunkt?

Hinterleitner: „So rasch als möglich.“

T.A.I.: Was wäre ein realistischer Termin?

Hinterleitner: „Nach Beendigung der Wahl sehe ich es als oberste Aufgabe, dafür zu sorgen, dass es rasch zu einer Veränderung kommt. Ich hoffe, dass es dafür breiten politischen Willen gibt.“

T.A.I.: Die Mehrwertsteuersenkung ist sicher nicht alleiniges Allheilmittel für den Tourismus. Welche Maßnahmen sollte die künftige Bundesregierung darüber hinaus vorrangig angehen?

Hinterleitner: „Im Bereich der Arbeitszeitflexibilisierung haben wir den größten Nachholbedarf. Auch wenn hier von Seiten der Gewerkschaft gemauert wird, geht diese Blockade an den Lebensrealitäten vorbei. Hier vertritt die Gewerkschaft nicht die Arbeitnehmer, sondern ihre eigenen althergebrachten Positionen. Wir wissen aus unzähligen Erhebungen, dass viele Arbeitnehmer hier eine durchwegs offene Einstellung haben. Stichwort: Arbeiten wenn Arbeit anfällt. Die Einführung eines erhöhten Freibetrages wäre eine weitere Maßnahme, die unmittelbar den volkswirtschaftlichen Kreislauf befeuern würde.“

T.A.I.: Ein Sorgenkind Kärntens ist der Flughafen Klagenfurt. Hatten Sie bereits die Gelegenheit mit dem neuen Geschäftsführer Michael Kunz zu sprechen?

Hinterleitner: „Ja, wir hatten bereits die Möglichkeit für ein kurzes Kennenlernen. Wir wissen um die schwierige Aufgabe, welche auf ihn zukommt. Was wir uns erwarten, ist eine langfristige Absicherung dieses wichtigen Infrastrukturknotenpunktes. Denn wenn der Flughafen einmal weg ist, kommt er nie mehr wieder. Für uns wäre es einerseits essentiell neue Flugverbindungen zu wichtigen Hubs zu erhalten und andererseits ein aktiveres Incoming zu haben.“

T.A.I.: Wie sieht es mit der geplanten Privatisierung aus und welche Rolle wird hier Ihrer Einschätzung nach FRAPORT haben?

Hinterleitner: „Im Idealfall gibt es zukünftig dadurch eine Flugverbindung nach Frankfurt. Ganz allgemein hoffe ich, dass durch eine Privatisierung ein positiver Aufschwung entsteht.“

T.A.I.: Sie sind seit 10 Jahren Obmann der Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft in Kärnten. Wird es auch ein 15-Jahre-Jubiläum geben?

Hinterleitner: „Ich habe in meiner Kammerfunktion bereits viele verantwortungsvolle Tätigkeiten inne gehabt und mich immer stark für die Interessen unserer Mitglieder eingesetzt. Wir haben die positive Ausgangssituation, dass wir viele exzellente Funktionäre haben, die für den Tourismus aktiv sind. Vorerst macht mir meine Funktion noch sehr viel Spaß und ich habe noch sehr viel Energie um für die Anliegen der heimischen Touristiker zu kämpfen.“ 

Kurzportrait Helmut Hinterleitner

Komm.-Rat Helmut Hinterleitner (Jahrgang 1950, Sternzeichen Löwe) ist seit 1980 als Spitzenfunktionär in der Wirtschaftskammer Kärnten tätig. Von 1995 bis 2015 war er zudem Fachverbandsvorsteher Gastronomie in der WKÖ, seit 2007 ist er Obmann der Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft in der WK Kärnten. Hinterleitner gehört das 4-Sterne Hotel Schönruh in Drobollach am Faakersee (35 Zimmer, À la carte Restaurant, 100% Weiterempfehlung auf Holidaycheck).

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Erstellt am: 20. Oktober 2017

Bild: Helmut Hinterleitner, Obmann der Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft in Kärnten

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