Raphael Hotels

Expansion mit zu viel Schwung? Gasteiner Erfolgsstory in Hamburg

Print-Ausgabe 24. März 2017

Vor 37 Jahren legte der Österreicher Hans Gerst den Grundstein für seine Hotelgruppe – 2018 wächst die Zimmerkapazität gleich um 55 Prozent

Der Österreicher Hans Gerst hat mit seinen „Raphael“-Hotels in Hamburg nicht nur ein erfolgreiches Unternehmen aufgebaut, sondern auch als langjähriger Präsident von Best Western Deutschland und als Aufsichtsratsvorsitzender der DEHAG Hotel Service AG die bundesdeutsche Hotellerie entscheidend mitgeprägt. Jetzt sorgt der 71-Jährige gemeinsam mit Sohn Hans Brandner durch zwei Expansionsschritte für Aufsehen: 2018 wird die derzeit neun Häuser umfassende Gruppe um zwei Standorte erweitert, darunter das, mit 209 Zimmern künftig größte, „Raphael“-Hotel im Hamburger Binnenhafen.

Dabei will Gerst alles andere als stark wachsen. „Aktuell ist in unserer Expansion fast zu viel Schwung drinnen“, betont er im Gespräch mit T.A.I. „Wir sind mittelständische Hoteliers und wollten nie eine internationale Kette werden.“ Das künftige Flaggschiff  „Raphael“ befindet sich in einem 65 m hohen Gebäude am Veritaskai und ist Teil eines 80 Mio. Euro-Immobilien-Projekts. „Besonders wichtig sind uns die 400 Meeting-Plätze, da die Umgebung eine aufstrebende Business-Destination ist.“, zeigt Gerst Begeisterung für dieses Projekt.

Außerdem eröffnet das 4-Sterne plus Hotel Liberty, das künftig als Entrée in die „Havenwelten“ von Bremerhaven fungieren wird. Die Projektkosten werden mit 15,4 Mio. Euro angegeben. Investor ist die „Kaje der Auswanderung Projektentwicklungsgesellschaft“. Doch dieses Projekt ist Hans Gerst fast schon zu weit entfernt: „Wir kennen in Hamburg den lokalen Markt und haben alle Benchmarks im Griff. Warum sollen wir uns in die weite Welt begeben?“

Internationale Angebote habe er bisher alle abgelehnt, sogar als ihm die Übernahme des damals insolventen Hoteldorfs Grüner Baum in seinem Heimatort Bad Gastein angeboten wurde. Die österreichische Staatsbürgerschaft hat Gerst selbst als Mitglied im Plenum der Hamburger Handelskammer und Vorsitzender des Tourismusausschusses Hamburg nicht abgelegt.

Den Grund für die Schwemme von Betriebsführungsangeboten, die seine Gruppe laufend erhält, sieht Gerst in der Zinssituation. „Es ist viel Geld im Markt und man ist mit 6 % Rendite zufrieden.“ Anders als vor 15 Jahren würden nun Investoren die Hotellerie als seriöse Branche sehen. „Wir unterschreiben langfristige bis zu 20 Jahre währende Betriebsführungsvereinbarungen. Und die Investoren schätzen das, denn sie stellen mehr denn je den Erhalt der Immobilienqualität ins Zentrum.“ 

Vom Lehrling zum Hotel-Unternehmer

Hans Gerst absolvierte von 1963 bis 1965 in Bad Gastein eine Tischlerlehre sowie danach in Bielefeld eine zweijährige Ausbildung zum Hotelkaufmann plus nachfolgender Hotelfachschule. 1974 wurde er Direktionsassistent im Hamburger Hotel St. Raphael, drei Jahre später Direktor und 1980 kaufte er das Hotel. Weitere Häuser kamen in Folge hinzu. Von 1991 bis 2013 war Gerst Präsident von Best Western Deutschland, wo er in seinem letzten Jahr von der European Hotel Managers Association (EHMA) zum „European Hotel Manager of the Year“ ernannt wurde. Die Raphael Gruppe erwirtschaftete zuletzt mit 250 MitarbeiterInnen einen Umsatz von 14 Mio. Euro.

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Erstellt am: 24. März 2017

Setzt neue Akzente in Hamburg: der Österreicher Hans Gerst

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