Airbnb & Marriott

Betten-Plattform vs. Betten-Kaiser. Zwei 30 Mrd. Dollar-Riesen im Vergleich

Print-Ausgabe 27. Jänner 2017

Der eine bietet 2 Millionen Unterkünfte, der andere 1,2 Millionen Hotelzimmer – damit sind die Parallelen aber auch bereits erschöpft

Mehrfach wurde darüber spekuliert, ob das Unterkunft-Vermittlungsportal Airbnb mit Co-Gründer und CEO Brian Chesky an der Spitze heuer den Gang an die Börse wagt. Der Wert des Unternehmens soll diversen Finanzportalen zufolge bereits 30 Milliarden US-Dollar erreichen, wie auf dem ÖHV-Kongress 2017 in mehreren Referaten betont wurde. Das entspricht nahezu dem aktuellen Börsenwert von Marriott, das seit der im Herbst 2016 unter Präsident und CEO Arne Sorenson abgeschlossenen Fusion mit Starwood auf über 6.000 Hotels in 110 Ländern mit 1,2 Millionen Zimmern kommt. Da drängt sich ein Vergleich beider Unternehmen förmlich auf.

Airbnb kann aktuell über 2 Millionen Unterkünfte in 34.000 Städten vermitteln, die sich auf 191 Länder verteilen. 2015 wurde laut Finanznews-Portal „24/7 Wall St.com“ bei einem Buchungsvolumen von geschätzten 7,2 Mrd. Dollar (1 Mrd. davon alleine in New York, dem größten Einzelmarkt von Airbnb) ein Umsatz von 900 Mio. Dollar erwirtschaftet. Der operative Verlust soll bei 150 Mio. Dollar zu liegen gekommen sein. Genaue Zahlen liegen allerdings keine vor.

Anders bei Marriott, dessen erster gemeinsamer Geschäftsbericht mit Starwood Mitte Februar 2017 vorliegen wird. Vorerst muss man sich auf die noch getrennten Jahresabschlüsse von 2015 stützen. Damals brachten es Marriott und Starwood zusammen auf einen Umsatz von 20,25 Mrd. US-Dollar, aus denen sich unter dem Strich ein operativer Gewinn von 2 Mrd. Dollar addierte.

Die Wachstums-Phantasie ist aber auch hier gegeben: Per Ende 2015 hatten beide Hotel-Ketten zusammen 2.193 neue Standorte mit 386.000 Zimmern in der Pipeline. Davon wurden 2016 mehr als 400 Häuser mit über 68.000 Zimmern eröffnet. Gleichzeitig wurden im Vorjahr Verträge über weitere 880 Hotels mit zusammen an die 136.000 Zimmern unterzeichnet.

Ein großer Unterschied besteht zwischen den Unternehmen: Während Marriott seine Einnahmen aus dem Hotelbetrieb erwirtschaftet, ist Airbnb auf Provisionen angewiesen. Die Einnahmen stammen von 3 Prozent Vermittlungs-Fee, welche die Unterkunftsgeber zu zahlen haben, während den Gästen zwischen 6 und 12 Prozent verrechnet werden.

Ob das angepeilte Airbnb-Ziel, 2016 erstmals mit einem Gewinn abzuschließen, erreicht worden ist, steht noch nicht fest. Das Buchungsvolumen soll mit 129 Millionen Gästen aber zumindest auf 12,3 Mrd. Dollar geklettert sein, der damit generierte Umsatz sollte 1,6 Mrd. Dollar erreicht haben. Damit ist das Wachstum kräftiger, als ursprünglich angenommen: das 2016 erreichte Buchungsvolumen war für heuer avisiert, der erzielte Umsatz sogar erst für 2018.

Den Höhenflug abbremsen könnte der juristische Gegenwind in vielen Kommunen, von San Fancisco und Chicago, über New York und Amsterdam, bis Paris, Berlin oder Wien. Der Grund: Airbnb führt nach eigenen Angaben lediglich in knapp 200 Städten und Gebieten Steuern ab. Repräsentiert ist man aber an weltweit über 34.000 Orten. Auch diese werden versuchen, die Airbnb-Geschäfte fiskalisch in geordnete Bahnen zu lenken. Fest steht, wieviel Geld bislang in Airbnb investiert wurde: Das 2008 gegründete Startup hat in neun Runden zwischen Jänner 2009 und September 2016 von 39 Investoren 2,95 Mrd. US-Dollar erhalten. Eine weitere Milliarde kam in Form eines Kredites von JP Morgan Chase im Juli 2016 hinzu, womit aktuell knapp 4 Mrd. Dollar in Airbnb stecken. Der Geldbedarf ist zuletzt extrem angestiegen: 2015 flossen Airbnb 1,6 Mrd. US-Dollar zu, im Vorjahr waren es mit 1,55 Mrd. US-Dollar nahezu ebenso viel.

Fazit: Während die Marktkapitalisierung von Marriott auf realen Werten basiert, ist bei Airbnb angesichts der vorliegenden Zahlen viel Fantasie im Spiel. 

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Erstellt am: 27. Jänner 2017

Leiten die Geschicke ihrer Milliarden US-Dollar schweren Unternehmen: Arne Sorenson (Marriott, l.) und Brian Chesky (Airbnb)

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