Millstätter See Tourismus

Verstärkte Wertschöpfung mit sinnstiftenden Leitprodukten

Print-Ausgabe 7. September 2019

Die Strategie der Region „zuerst die Story, dann das Medium und erst dann der Channel“ erzielt nachhaltige Erfolge – darauf wird weiter aufgebaut

2017 brachte für den Millstätter See Rekorde bei Ankünften (plus 8,5 Prozent auf 265.883) und Nächtigungen (plus 5,3 Prozent auf 1,183 Millionen). 2018 geht es weiter aufwärts: „Wir sind mit dem Verlauf der diesjährigen Sommersaison sehr zufrieden, nach der Steilvorlage von letztem Jahr“, freut sich die Geschäftsführerin des Millstätter See Tourismus, Maria Wilhelm. Sie hatte rund um die Ergebnis-Präsentation von 2017 die Feststellung getroffen, dass es gelinge, dass die Destination von den Gästen „als etwas Besonderes wahrgenommen wird.“ Worauf diese Behauptung fußt, wie sich dies auf die Wertschöpfung auswirkt und wie der Millstätter See bezüglich Digitalisierung aufgestellt ist – darum und um einiges mehr ging es im Interview mit T.A.I.

T.A.I.: Worauf beruht Ihre Behauptung, dass die Destination Millstätter See von den Gästen als etwas Besonderes wahrgenommen wird?

Wilhelm: „Wir am Millstätter See leben von unseren Geschichten rund um das Brainscript ‚Zeit zu zweit‘. Nach der Devise ‚zuerst die Story, dann das Medium und erst dann der Channel‘ geht es darum, immer wieder neuen Content für unsere Gäste aufzubereiten ...“

T.A.I.: Können Sie ein paar Beispiele nennen?

Wilhelm: „Da gibt es einige: den ‚Biwak unter den Sternen. Rifugio sotto le stelle‘, die ‚Slow Trails‘, die Erweiterung des ‚Weg der Liebe. Sentiero dell‘ Amore‘ und die ‚Millstätter See Almenwelten‘. Damit wurden sinnstiftende Leitprodukte aus der Taufe gehoben. Dieses Produktmanagement wird immer weiter vorangetrieben. So wird 2019 ganz im Zeichen der Kultur stehen: Es kommt zu einer Verschmelzung zwischen Architektur, Kunst, Literatur und touristischen Produkten.“

T.A.I.: Welchen Beitrag leisten die Zwischensaisonen zur erfreulichen Entwicklung?

Wilhelm: „Hier lautet unsere Strategie, Rad- und Wanderangebote zu forcieren. Gemäß Master­plan ‚Natur Aktiv‘ arbeiten wir an einem abwechslungsreichen, erlebnisorientierten und gesundheitsfördernden Bewegungskonzept. Ziel ist es, neue Zielgruppen, wie beispielsweise den ‚Genuss E-Biker‘, zu erschließen. Durch Gründung der Angebotsgruppe ‚E-Bike Accommodation‘ wollen wir auch die Schultersaisonen beleben. Und mit dem ersten E-Bike-Event ‚E-Motions – Genuss erfahren am Millstätter See‘ haben wir ein klares Zeichen gesetzt, wie die individuelle Mobilität am Urlaubsort umgesetzt werden kann. Sowohl die Vorsaison als auch unsere Vorreiterposition als fahrradfreundliches Reiseziel wurden dadurch gestärkt. Das hat sich unter anderem in erfreulichen Resultaten und in den Besucherzahlen im Mai widergespiegelt. Hier geht es immer darum, Wertschöpfung zu generieren und Zukunftstauglichkeit im Tourismus zu gewährleisten.“

T.A.I.: Stichwort Wertschöpfung: Gibt es dazu in der Region Statistiken?

Wilhelm: „Wertschöpfungsstudien gibt es nur für ganz Kärnten. Es zeigt sich dabei, dass der See im kärntenweiten Portfolio, insbesondere im Vergleich zu den nördlichen Bundesländern, in der Produktkombination Berg und See von erheblicher Bedeutung ist. Die See-Kompetenz am Millstätter See bleibt natürlich eine wichtige Differenzierung, aber wir entwickeln unsere Produkte immer mehr in Richtung Natur-Aktiv.“

T.A.I.: Jeder dritte Gast am Millstätter See ist ein Camping-­Gast. Wie sieht es mit deren Wertschöpfung aus?

Wilhelm: „Campingplätze sind heute hochentwickelte Begegnungsplätze mit entsprechender Infrastruktur. Sie sind permanenten Qualitätsüberprüfungen ausgesetzt und neue Ströme, wie zum Beispiel das ‚Glamping‘, haben sich etabliert (Anm.d.Red.: ‚Glamping‘ verbindet Camping mit Annehmlichkeiten und Resort-Dienstleistungen). Gerade ‚Glamping‘ hat eine enorm hohe Nutzenstiftung und ist als eigene Philosophie zu sehen. Mit dem Biwak ‚Freiheit | liberta‘ z.B. wird ein exklusives High-End Produkt auf der obersten Terrasse des Campingplatzes Pesenthein in die Auslage gestellt, das als begehrtes Lifestyle-Produkt zu sehen ist.“

T.A.I.: Wie gut ist die Region bezüglich Digitalisierung aufgestellt?

Wilhelm: „Die Digitalisierung ist enorm wichtig, sie verändert das Gästeverhalten am Urlaubsort stetig. Damit der digitale Wandel in Betrieben möglich ist, sind auch Investitionen erforderlich. Im Rahmen einer kostenlosen zwei- bis dreistündigen Beratung bieten die ‚Kärnten-Insider‘ an, die online Sicht- und Buchbarkeit der Betriebe rund um den Millstätter See zu optimieren. Geschäftsmodelle werden auf die Chancen der Digitalisierung hin durchleuchtet. Nachholbedarf lässt sich im Umgang mit Dataanalytics und Digital Branding, als neue Kompetenz- und Betätigungsfelder, erkennen.“

T.A.I.: Welchen Stellenwert messen Sie Social Media bei, welchen den klassischen Werbemedien?

Wilhelm: „Die Vermarktung über unsere Social Media-Kanäle wird immer wichtiger. Tourismusmarketing in Zeiten der Digitalisierung muss neu durchdacht werden. So setzen wir mit 70 Prozent verstärkt auf digitale Vermarktung und mit 30 Prozent auf klassische Printmedien. Während unseres Tourismustages haben wir auch unseren Betrieben einen Social Media Quick Check und praktische Optimierungsmöglichkeiten angeboten.“

T.A.I.: Deutschland, Österreich und die Niederlande dominieren den Tourismus rund um den See. Welche anderen Quellmärkte setzen noch Akzente und womit rechnen Sie in fünf Jahren?

Wilhelm: „Im Winter ist eine deutliche Entwicklung bei Gästen aus den CEE Märkten zu erkennen. Die Wintermonate werden hauptsächlich von diesen Märkten dominiert und müssen auch mit unterschiedlichen Schwerpunkten bearbeitet werden. Abseits der TOP 3 sind auch die Tschechische Republik, Italien und die Schweiz in den Sommermonaten stark vertreten. An der Internationalisierung zu arbeiten ist und bleibt eine zentrale Aufgabe.“ 

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Erstellt am: 07. September 2018

„Der Millstätter See wird von den Gästen als etwas Besonderes wahrgenommen“: Geschäftsführerin Maria Wilhelm

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