T.A.I. Interview Josef Burger

Markt stagniert, KitzSki wächst
Qualität und Ökologie tragen dazu bei

Print-Ausgabe 17. November 2017

Wenn alles glatt geht, könnten die Bergbahnen Kitzbühel heuer den 9. Rekordwinter in Folge verbuchen. Die Weichen dazu wurden bereits gestellt, wie T.A.I. im Gespräch mit Bergbahnen-Vorstand Josef Burger erfahren konnte.
 

T.A.I.: Als eines der ersten Nicht-Gletscher-Skigebiete startete KitzSki bereits im Oktober in den Winter. Wie war das möglich?

Burger: „Konkret startete KitzSki am 14. Oktober am Resterkogel/Pass Thurn und am 26. Oktober am Hahnenkamm/Walde in den Skibetrieb. Die Grundlage dafür bildete der konservierte Altschnee des letzten Winters, welchen wir erfolgreich ‚übersommerten‘. Im Herbst breiteten wir ihn auf der Pistenfläche wieder aus, und zwar mit GPS-Steuerung unterstützten Pistenmaschinen, um eine Verletzung der Grasnarbe zu vermeiden.“

T.A.I.: Welche Schneequalität kann da der Gast erwarten?

Burger: „Eine sehr gute. Die dieser Art präparierte Pistenfläche eignet sich im besonderen Maße für Trainingszwecke von Nachwuchsathleten und Weltcup-Teilnehmern, insbesondere aber auch für schneehungrige Familien und Kinderskiclubtrainings.“

T.A.I.: Wie sieht bei diesem ‚Snowfarming‘ die Kosten/Nutzen-Rechnung aus?

Burger: „Über den Sommer schmelzen beim ‚Snowfarming‘ nur rund 20 Prozent ab, was in etwa dem Naturschneeanteil entspricht. Das Volumen des technisch produzierten Schnees bleibt somit erhalten, wodurch der gesamte Energieaufwand und das Wasservolumen für die nochmalige Erzeugung eingespart wird. Das hat eine entsprechend positive Auswirkung auf die Produktionskosten. Da wir für das ‚Übersommern‘ wiederverwendbares Isolationsmaterial zum Einsatz bringen, ist auch hier die Kostenbelastung eine sehr überschaubare.“

T.A.I.: Was bringt das ‚Übersommern‘ auf der Ertragsseite?

Burger: „Da sprechen die Zahlen für sich: Wir haben im Oktober 2017 gegenüber dem Oktober des letzten Jahres, welcher schon ein Rekordwert war, um 12.000 Gäste mehr in unserem Gebiet begrüßen dürfen, die uns einen Fahrtenzuwachs zum Vorjahr von 35.000 brachten. Die Kassenumsätze sind zum Vorjahr um weitere 330.000 Euro gestiegen. Wir haben zudem bereits mehr als 60 Prozent der Saisonkarten des letzten Jahres verkauft und damit einen Zuwachs von mehr als 12 Prozent zum Vorjahr und knapp 27 Prozent zum Vorvorjahr erreicht.“

T.A.I.: Der extrem frühe Saisonstart ist also mehr als ein Marketing-Gag?

Burger: „Ja, sicher. Ein Saisonfrühstart bringt sicher positive Marketingeffekte, aber die Zahlen zeichnen ein klares Bild, dass es sich hier nicht um einen Marketing-Gag, sondern um ein belastbares, erfolgreiches Geschäftsmodell handelt.“

T.A.I.: Die Bergbahnen Kitzbühel investierten heuer weitere 22 Mio. Euro – nahezu die Hälfte des zuletzt erwirtschafteten Jahresumsatzes. Wie sind diese Investitionen aus ökologischer Sicht zu rechtfertigen?

Burger: „Wir streben nicht nach mehr Größe, sondern konsequent nach weiterer Qualitätsverbesserung. Dies schlägt sich auch in unserer Investitionspolitik nieder. Unser Fokus liegt nicht darin, mehr Anlagen zu schaffen, sondern deren Anzahl zu konsolidieren. Bestehende Pistenabschnitte sicherheitstechnisch und komfortmäßig zu verbessern, hat ganz klar Vorrang vor Neuerschließung. Wesentlich für uns ist, dass wir einen ausgewogenen Ansatz zwischen Lift- und Pistenkapazität entwickeln, mit Fokus auf Pistenbreite, Übersichtlichkeit und Entfernung von Gefahrenstellen.“

T.A.I.: Wie sieht es mit der Bescheinung aus?

Burger: „Die Erhöhung der Beschneischlagkraft ist für uns ganz wesentlich, wobei es nicht um die Maximierung des technisch erzeugten Schneevolumens geht, sondern um die Minimierung der Beschneizeit. Unser State-of-the-Art Schneemanagementsystem ist dafür eine wesentliche Grundlage. Bei all unseren Investitionen kommt der Grundsatz ‚Ohne Ökologie keine nachhaltige Ökonomie‘ konsequent zur Anwendung.“

T.A.I.: Der Winter 2016/2017 war für KitzSki der 8. in Folge mit Rekorden. Wird es einen 9. Rekordwinter in Folge geben?

Burger: „Das Wachstum, das wir in einem insgesamt stagnierenden Markt erfreulicher Weise erzielen, erreichen wir durch Zuwächse in den nachfrageschwächeren Perioden und in der Saisonverlängerung. Wir haben in den letzten Jahren gesehen, dass die Tage mit den absoluten Spitzenwerten bei den Erstzutritten mit mehr als 30.000 Gästen zurückgehen, d.h. die Spitzen reduziert wurden, aber insgesamt eine bessere durchschnittliche Auslastung durch Abminderung der Nachfragetäler erreicht wurde. Bei der Weitläufigkeit unseres Gebietes und Forcierung der nachfrageschwächeren Zeiten sehe ich durchaus noch Wachstumsmöglichkeiten. Wir werden uns nach Kräften um qualitatives Wachstum bemühen und, wenn dies zur Fortsetzung der Rekord-
rallye beiträgt, dann werden wir uns sehr darüber freuen.“

T.A.I.: Wo werden die Bergbahnen Kitzbühel ihre nächsten Akzente setzen?

Burger: „Qualitätsverbesserungen im Anlagen- und Pistenangebot werden uns auch in Zukunft begleiten, die Revitalisierungs- und Modernisierungsinitiative am Kitzbüheler Horn wollen wir konsequent fortsetzen, wobei wir die angebotenen Skiflächen keineswegs ausweiten, sondern die tiefergelegenen Bereiche ökologisch sinnvoll sogar einschränken werden. Auch beim Zubringer in unseren zentralen Skiraum, der Fleckalmbahn, streben wir eine Erneuerung an, wobei sowohl am Horn als auch bei der Fleckalmbahn die erforderlichen Zustimmungen der Grundeigentümer die Voraussetzung bilden.“

T.A.I.: Was ist im Marketing geplant?

Burger: „Einiges. Da wir das ambitionierte Ziel haben, im stagnierenden Skifahrermarkt über eine weiter gestärkte Angebotsposition zusätzliche Marktanteile zu gewinnen, d.h. aus einem gleichbleibend großen Kuchen ein größeres Stück herausschneiden wollen, wird auch in Zukunft einem dynamischen und innovativen Marketing zentrale Bedeutung in unserer Geschäftspolitik zukommen.“

T.A.I.: Was heißt das konkret?

Burger: „Wir werden die Digitalisierung im Marketing und in sozialen Medien und beim CRM kraftvoll vorantreiben, um näher an den Kunden heranzurücken und vor allem zeitlich noch flexibler agieren bzw. reagieren zu können.“ 

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Erstellt am: 17. November 2017

Bild: Bergbahn AG Kitzbühel Vorstand Josef Burger, (c) Florian Lechner

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