T.A.I. vor Ort in Karlsbad

Böhmische Legenden von Prunk, Sprudel und vergrabenen Schätzen

Print-Ausgabe 17. Juli 2016

Karlsbad stellt sich gegen den Duktus der langweiligen Kurstadt – mit guten Geschichten und bunten Events. T.A.I. besuchte auf Einladung von Czech Tourism und Vienna House die Jugendstil-Perle

Märchenhaft ist ein vielbemühtes Attribut, wenn es darum geht, sehenswerte Orte zu beschreiben. Bei Karlsbad und Umgebung ist es durchaus angebracht. Prachtvolle Jugendstilfassaden schmücken die Häuserreihen entlang des Teplá Flusses, der sich durch den westböhmischen Kurort schlängelt. Auch die Entstehungsgeschichte hat etwas Märchenhaftes: Demnach soll im 14. Jahrhundert Karl IV., König von Böhmen, höchstpersönlich die wohltuenden Kräfte des Mineralwassers entdeckt haben, als er nach der Hirschjagd seine Wunden an einer der Quellen heilte.

Zumindest der letzte Teil der Erzählung kann angezweifelt werden. Das heiße mineralhaltige Wasser (lokal auch „Sprudel“ genannt) hilft nämlich nur, wenn es getrunken wird. Fest steht, dass die Karlsbader Trinkkur ihre Anfänge bereits zur Zeit des königlichen Namensgebers hatte. Über die Jahrhunderte hat sich im Städtedreieck nahe der deutschen Grenze – Marienbad, Franzensbad, Karlsbad – ein blühender Gesundheitstourismus entwickelt.

Als das erste moderne Kurhotel der Stadt gilt das heutige Vienna House Dvořák. Früher besuchten Gäste für die Behandlungen eigene Kurhäuser. Das 4-Sterne Hotel war das erste, das die Wellness- und Kuranwendungen ins eigene Haus verlegte. Je nach Gesundheitszustand weist der Hotelarzt den Gästen eine der zwölf unterschiedlich heißen Quellen zu. Die wärmste sprudelt mit 72 Grad Celsius aus dem Boden. Insgesamt gibt es über hundert Stellen, an denen das Wasser auf natürliche Weise an die Oberfläche tritt, 12 davon wurden öffentlich zugänglich gemacht.

Im Zuge der traditionellen Trinkkur spazieren Gäste, ausgestattet mit einem speziellen Porzellanbecher mit Schnabelvorrichtung (gegen Verbrühungen), durch die schmuckvolle Jugendstilstadt, um in den Trinkhallen die verordnete Menge „Sprudel“ zu sich zu nehmen. Die Therapie kommt vor allem bei der Behandlung von Magen-Darm- und Stoffwechsel-Erkrankungen sowie Problemen des Bewegungsapparats und in der postoperativen Rehabilitation zum Einsatz.

Als 13. Quelle wird scherzhaft der aus Karlsbad stammende Kräuterschnaps Becherovka bezeichnet. An der Stelle des ursprünglichen Produktionskellers kann heute ein Museum zu Ehren des Erfinders Jan Becher besichtigt werden. Eine Führung beleuchtet die mehr als 100-jährige Geschichte des „Englisch Bitter“ auf kurzweilige, unterhaltsame Weise. Im Anschluss darf verkostet werden.

Ein abwechslungsreiches Veranstaltungsprogramm sorgt in Karlsbad ganzjährig für touristische Impulse. Unter anderem wurde der Karneval in den Frühsommer verlegt. Am ersten Juniwochenende versetzten zum 9. Mal Events, wie ein Kostümball, eine Parade, ein Open-Air-Konzert, die Stadt in Feierlaune. Anfang Juli lockt das „International Filmfestival“ Cineasten und Prominente aus aller Welt in die Stadt.

Ein lohnenswertes Ausflugsziel im Umland ist die Moser Glasmanufaktur. Seit 1857 werden hier alle Stücke einzeln mundgeblasen und handgraviert. Ein Museum stellt die wertvollsten Kristall-Arbeiten des Betriebs aus. Im Zuge einer Führung durch die Produktionsstätten erleben Besucher den faszinierenden Arbeitsvorgang aus nächster Nähe.

Im Schloss Bečov, südlich von Karlsbad, kann das nach den Kronjuwelen wertvollste Objekt der Republik bewundert werden: der St.-Maurus-Schrein. Im Inneren werden Reliquien der Märtyrer Maurus, Timotheus und Apollinaris sowie von Johannes dem Täufer vermutet. Die Geschichte des goldenen, reich verzierten Schreins ist die einer Schatzsuche.

Jahrzehntelang lag das Prunkstück vergraben in der Burgkapelle – versteckt infolge der kommunistischen Machtübernahme. Im Wettlauf mit Suchteams, die Profit aus dem Kunstwerk schlagen wollten, schaffte es schließlich eine Gruppe Forscher, 1985 den Schatz aufzuspüren. Im Barockschloss Bečov kann dieser nun restauriert, in voller Pracht bewundert werden. 

Der Teplá Fluss schlängelt sich durch die Jugendstilstadt

Der Teplá Fluss schlängelt sich durch die Jugendstilstadt

Schloss Bečov, Heimat des St.-Maurus-Schreins

Schloss Bečov, Heimat des St.-Maurus-Schreins

Die Marktkolonnade, ein prunkvoller Schutz für die Heilquellen

Die Marktkolonnade, ein prunkvoller Schutz für die Heilquellen

Karlsbader Karnevalsumzug

Karlsbader Karnevalsumzug

Karlsbader Karnevalsumzug

Karlsbader Karnevalsumzug

Karlsbader Karnevalsumzug

Karlsbader Karnevalsumzug

Die Marktkolonnade, ein prunkvoller Schutz für die Heilquellen

Die Marktkolonnade, ein prunkvoller Schutz für die Heilquellen

Schloss Bečov, Heimat des St.-Maurus-Schreins

Schloss Bečov, Heimat des St.-Maurus-Schreins

Traditionelle Handarbeit, Moser Glasmanufaktur

Traditionelle Handarbeit, Moser Glasmanufaktur

Glasbläser in der Moser Glasmanufaktur

Glasbläser in der Moser Glasmanufaktur

Qualitätsprüfung, Moser Glasmanufaktur

Qualitätsprüfung, Moser Glasmanufaktur

Yvette Polasek (Direktorin, Czech Tourism in Wien) und Sabine Hackl (PR Manager, Vienna House) begleiteten eine Gruppe österreichischer und deutscher Journalisten durch den Karlsbader Karneval
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Erstellt am: 17. Juni 2016

Foto: © T.A.I. / V.Sufiyan

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