Europas größte Airlines-Konzerne

Zweigleisige Strategie! So reagieren Europas Große auf die Herausforderungen

Print-Ausgabe 12. Juni 2026

V.l.: Carsten Spohr, Benjamin Smith, Ahmet Olmustur und Luis Gallego

Höheren Kerosin-Kosten und Streckenstreichungen sowie geringeren Gewinnprognosen steht die Ausnutzung der zusätzlichen Nachfrage nach Asien und Afrika gegenüber

Wie planen Europas große Airlines das durch Iran-Krieg und Sperre der Straße von Hormus geprägte Jahr 2026? Offenbar zweigleisig: Denn Lufthansa Group, IAG (International Consolidated Airlines Group) rund um British Airways und Iberia, Air France-KLM und Turkish Airlines sowie Ryanair rechnen mit höheren Kosten und Streckenstreichungen, nutzen aber die steigende Nachfrage auf Asien- und Afrika-Verbindungen, die durch die aktuelle Schwächung der Golf-Carrier entstanden ist (ca. 28 % der Europa-Asien/Afrika-Routen wurden 2025 von Emirates, Qatar und Etihad bedient).

Bei der Lufthansa Group prüft man ein vorübergehendes Grounding von Flugzeugen wegen der unsicheren Lage im Nahen Osten und höherer Kerosinpreise (der Konzern ist zu 80 % gegen Treibstoffpreisschwankungen abgesichert). Gleichzeitig legt die Gruppe zusätzliche Flüge nach Singapur, Kapstadt, Riad und Bangkok auf. Trotz der Herausforderungen bleibt CEO Carsten Spohr zuversichtlich und stellt eine weitere deutliche Steigerung des Gewinnes (zuletzt 1,34 Mrd. Euro) in Aussicht.

Air France-KLM-Chef Benjamin Smith revidierte hingegen seine Prognose für 2026 nach unten, ohne konkrete Zahlen zu nennen (Vorjahrs-Gewinn rund 2 Mrd. Euro). Zwar sind Air France, KLM und Transavia im Nahen Osten vergleichsweise wenig vertreten, doch würden sich „die gestiegenen Treibstoffpreise voraussichtlich in den kommenden Quartalen negativ auswirken.“ Auch die IAG hat ihre Ertragserwartungen (2025 wurden 3,28 Mrd. Euro erzielt) nach einem Gewinnanstieg im ersten Quartal für 2026 nach unten korrigiert. Bei ihr sind rund 70 % des Treibstoffs gehedged. Zwar bleibt CEO Luis Gallego bei der Nachfrage optimistisch, doch die Kostenentwicklung überlagere die operative Dynamik.

Turkish Airlines (2025 Betriebsgewinn von rund 2,2 Mrd. US-Dollar) hat heuer zwar mit einer deutlichen Steigerung der Kennzahlen begonnen, wird aber laut CEO Ahmet Olmustur 18 Strecken von ihrem Streckennetz streichen sowie Frequenzen im Laufe des Jahres reduzieren.

Ryanair – Europas größte Einzel-Airline – hat rund 80 % des Treibstoffbedarfs bis März 2027 abgesichert. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2025/2026 flog sie mit 2,26 Mrd. Euro einen hohen Gewinn ein, eine Prognose für das neue Geschäftsjahr wollte sie jedoch nicht nennen.

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