Print-Ausgabe 13. März 2026

Katharina und Mohamed wollen die ägyptische Tradition mit Schweizer Qualität vereinen
Das gemächliche Tempo einer Kreuzfahrt an Bord einer Dahabiya ermöglicht, die Ruhe des Flusses voll und ganz zu genießen und so dem Alltagsstress zu entfliehen
Nilkreuzfahrten gibt es viele. Doch den Fluss der Flüsse an Bord einer Dahabiya, – hölzerne, zweimastige Segelschiffe mit Kabinen –, sorgen für ein wirklich exklusives Erlebnis, die Sehenswürdigkeiten jahrtausendealter Geschichte und das heutige Leben an den Ufern des Nils kennenzulernen. T.A.I. war dank seinem freien Mitarbeiter Manfred Ruthner vor kurzem an Bord eines solchen Dahabiya. Hier ist sein Bericht.
Ausgangspunkt der meisten Reisen am Nil ist für gewöhnlich Luxor, mit der Tempelanlage von Karnak und dem Tal der Könige am Westufer. Kreuzfahrten mit Dahabiyas beginnen bei der Kleinstadt Esna, knapp 60 km südlich, also nilaufwärts. Der Grund: Esna befindet sich oberhalb der Nilschleuse, für Dahabiyas, also Segelschiffe ohne Motor, wäre die Passage problematisch. Dafür bietet sich hier der Besuch des weniger bekannten Chnum-Tempels an, der lange Zeit unter dem Nilschlamm begraben war und so fast unversehrt erhalten blieb. Das ruhigere Fahrwasser ab Esna und ein meist beständiger Nordwind begünstigen die Reise unter Segeln auf Dahabiyas.
Dahabiya bedeutet im Arabischen „die Goldene“ (das Boot ist „goldwert“). Zwischen 50 und 80 aktiven Dahabiyas gibt es aktuell. Gegenüber den rund 300 großen Nil-Kreuzfahrtschiffen (meist zwischen 60 und 70 Kabinen) bilden die Dahabiyas mit ihren 6 bis 12 Kabinen eine exklusive Nische. Ihr flacher Tiefgang ermöglicht, dass sie näher an den Inseln entlang des Flusses segeln können, außerhalb der Grenzen für die schwereren Kreuzfahrtschiffe. Der flache Holzrumpf macht auch ihr Anlegen praktisch überall möglich. Besichtigungen können quasi alleine sowie exklusiv unternommen werden.
Eine dieser Dahabiyas ist die luxuriöse „Queeny of the Nile“, Baujahr 2019, 10 Kabinen und 2 Suiten, alle mit Badezimmer und Klimaanlage, im Besitz der gebürtigen Schweizerin Katharina und ihres Geschäftspartners Mohamed. Sie hatten einander beim Tauchen am Roten Meer kennengelernt und beschlossen, eine Dahabiya bauen zu lassen. Katharinas Vision war es, ägyptische Tradition mit Schweizer Qualität und historisches Flair mit zeitgemäßem Luxus zu vereinen. Während sich Mohamed 2018/2019 um die technischen Aspekte beim Bau kümmerte, plante die Baslerin die Gestaltung an und unter Deck. Orientalische Leuchten und Figuren aus der ägyptischen Mythologie an der Reling tragen ihre Handschrift.
Schon das Einchecken und Ablegen ist beeindruckend. An Deck der „Queeny“ empfangen Männer in hellen, bodenlangen Galabeyas (traditionelle Gewänder) die Gäste, reichen feuchte Tücher zum Reinigen der Hände und erfrischende Getränke. Ein Schleppkahn sorgt dafür, dass die „Queeny“ in der Mitte des Nils stromaufwärts gezogen wird.
Die Lunches der sechstägigen Nilkreuzfahrt werden am beschatteten Teil des Sonnendecks auf einer langen Tafel serviert. Chefkoch Kenawy überrascht bei jeder Mahlzeit aufs Neue, sein Patissier steuert dann köstliche Desserts bei. Inzwischen haben Matrosen die beiden Segel gesetzt und die „Queeny“ gleitet leise den Nil stromaufwärts. Und während an den Ufern Dattelpalmen, Lehmhäuser und Minarette vorbeiziehen, können die Gäste in bequemen Sitzgruppen an Deck wunderbar faulenzen. Ein einzigartiges Gefühl von Ruhe und Entschleunigung stellt sich ein. Der duftende Tee, der nachmittags angeboten wird, ist eine stimmige Ergänzung, das Personal umsorgt die Gäste mit diskreter Aufmerksamkeit.
Passend zum gemütlichen Reisetempo folgt auch das Leben an Bord einem entspannten Rhythmus. Meist wird während des Frühstücks ausgelaufen. Vormittags steht eine Besichtigung der Tempelanlagen am Ufer auf dem Programm, etwa in Edfu oder in Kom Ombo. Der ständige Begleiter Hussein ist die wahre Seele der „Queeny“. Als Ägyptologe und studierter Germanist versteht er es vortrefflich, den Gästen die Bedeutung einzelner Reliefs an Säulen und Wänden verständlich zu machen. So weist Hussein etwa beim Spaziergang zu einem Sandsteinbruch auf jene Stellen hin, wo vor Jahrtausenden riesige Brocken aus dem Felsen gestemmt und bei Hochwasser auf Schiffe verladen wurden.
An einer Stelle weitet sich der Nil zu einem See samt flacher Insel – ein exklusiver Anlegeplatz für die „Queeny“. Als Draufgabe folgt eine stimmungsvolle Nacht unter dem Sternenhimmel. Den kühlen Morgen nutzend, begleitet Hussein die Gäste gleich nach dem Frühstück zum Dorf auf der Insel. Der Weg führt entlang von Kanälen, die das Nilwasser über kleine Rinnen verteilen, vorbei an Bananenstauden, Dattelpalmen zu Lehmbauten und kegelförmigen Backöfen. Man gewinnt einen guten Einblick in das heutige Leben.
Kurz vor Assuan endet die Fahrt mit der „Queeny“, die Verabschiedung von der Crew verläuft fast freundschaftlich. Fazit: Es war eine unvergessliche Woche auf dem Nil, auf der man seine Seele baumeln lassen konnte. Mehr Infos zum Schiff finden sich unter www.queeny-of-the-nile.com
Erstellt am: 13. März 2026
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