CLIA (Cruise Lines International Association)

Krieg in Nahost ändert nur wenig, Nachfrage nach Cruises bleibt hoch!

Print-Ausgabe 17. Juli 2026

Charles Darr
Im Vorjahr erzielte die Branche laut CLIA-President Charles Darr mit 37,2 Mio. Passagieren einen Bestwert

Regional kam und komm es zu erheblichen Störungen, während der weltweite Markt insgesamt robust blieb - Österreich gilt als ein wichtiger Wachstumsmarkt

Mittlerweile sind Hochsee-Kreuzfahrten an Krisen gewöhnt. Niemand hätte damit gerechnet, dass nach der Pandemie eine dermaßen schnelle Erholung eintritt – bereits 2023 wurden neue Rekordzahlen erzielt und die Werte von 2019 deutlich übertroffen. Und im Vorjahr erzielte die Branche laut CLIA (Cruise Lines International Association)-Präsident und CEO Charles „Bud“ Darr mit 37,2 Mio. Passagieren nicht nur einen neuen Bestwert, sondern übertraf auch das Jahr vor der Pandemie um satte 25 %. Die jüngste Krise – also jene seit Ende Februar, dem Beginn des Iran-Krieges 2026 – konnte ihr deshalb kaum etwas anhaben.

Es gab keinen allgemeinen Nachfrageeinbruch. Stattdessen zeigte sich ein zweigeteiltes Bild: Regional kam es zu erheblichen Störungen, während der weltweite Markt insgesamt robust blieb, war die weltweite Nachfrage hoch. Nach Angaben der CLIA geben rund 90 % der Kreuzfahrtgäste an, erneut eine Kreuzfahrt buchen zu wollen – ein Zeichen für die anhaltend hohe Nachfrage. Charles Darr: „Und vielleicht noch ermutigender: Über ein Drittel unserer Gäste weltweit ist unter 40 Jahre alt.“

Europa hält gemäß CLIA derzeit bei einem Anteil von 24 %. Für die Sommersaison 2026 lagen die Kreuzfahrtumsätze in Deutschland, das bei einem Marktanteil von 8 % und seit Jahren die globale Position Nummer 2 hält, rund 10 % über dem Vorjahr. Kreuzfahrten gehörten damit erneut zu den wichtigsten Wachstumstreibern im deutschen Reisemarkt. Für Österreich gibt es keine gleichwertigen Marktstatistiken, die verfügbaren Branchenindikatoren zeigen jedoch ebenfalls eine positive Entwicklung. So berichtete TUI von einem überproportionalen Wachstum des Kreuzfahrtsegments und bezeichnet Österreich als einen wichtigen Wachstumsmarkt im deutschsprachigen Raum.

Iran-Krieg bringt regionale Verwerfungen

Zurück zum Iran-Krieg, wo seit Anfang Juli wieder scharf geschossen wird. Stark betroffen waren und sind deshalb der Persische Golf und auch das Rote Meer. Kreuzfahrten in diese Regionen wurden abgesagt, verschoben oder auf andere Fahrtgebiete verlegt. Die Sperrung bzw. Gefährdung der Straße von Hormus und die anhaltenden Sicherheitsrisiken im Roten Meer machten reguläre Fahrpläne zeitweise unmöglich.

Auch das östliche Mittelmeer verzeichnete einen Rückgang der Buchungen. Dagegen blieben das westliche Mittelmeer, Nordeuropa, Alaska und die Karibik weitgehend stabil. Die Reedereien – allen voran in Österreich MSC, TUI Cruises, AIDA und Costa – reagierten flexibel: Schiffe wurden in sichere Fahrtgebiete verlegt (von MSC lag die Euribia in Dubai, von TUI Cruises waren mit der Mein Schiff 4 und der Mein Schiff 5 sogar zwei Kreuzfahrtriesen in der Golfregion festgesetzt), Reisen umgeroutet und Programme angepasst. Ein Problem stellen die steigenden Kosten dar. Höhere Treibstoffpreise und Versicherungsprämien sowie längere Umwege (das Rote Meer und der Suezkanal werden gemieden, stattdessen werden Schiffe um das Kap der Guten Hoffnung geleitet, was die Reisezeiten um etwa 10 bis 14 Tage verlängert) belasten weiterhin die Betriebskosten.

Unternehmen wie Carnival Corporation, Royal Caribbean, Norwegian Cruise Line Holdings, MSC Cruises, Costa Crociere und TUI Cruises profitieren weiterhin von einer insgesamt starken Nachfrage. Nach Einschätzung der Branche bleibt die Hochseekreuzfahrt aber auf Wachstumskurs. Nach Ansicht von Charles Darr steht die Kreuzfahrt vor einer weiteren Wachstumsphase, er nennt die Branche „exzellent“ und sieht für den Vertrieb eine Phase „mit ungewöhnlich vielen Chancen. Die Marke von 40 Mio. Passagieren wird, bevor man sich versieht, erreicht.“ Darr ruft Reisebüros dazu auf, die Marktchancen zu nutzen. Rückenwind geben Wiederholer, jüngere Zielgruppen und Investitionen in Höhe von 88 Mrd. US-Dollar in 89 neue Schiffe (2027 kommen etwa die Royal Caribbean Hero of the Seas um 1,7 Mrd. Dollar, die Norwegian Aura um 1,2 Mrd. Dollar, die Explora IV und V um je rund 600 Mio. Dollar oder die MSC World Atlantic um 1,8 Mrd. Dollar neu auf den Markt).

Die Norwegian Aura wird 2027 in Dienst gestellt und derzeit in der italienischen Fincantieri Werft (Monfalcone, bei Triest) gebaut.
Branche setzt auf Wachstum und neue Schiffe

In den letzten Wochen zeichnet sich jedenfalls eine vorsichtige Erholung ab. Reiseveranstalter berichten, dass viele Urlauber ihre Buchungen nur verschoben statt storniert haben. Die Karibik-, Alaska-, Nordland- und Nordeuropa-Kreuzfahrten entwickeln sich weiterhin positiv und zeigen kaum Auswirkungen des Iran-Krieges. Mittelmeer-Kreuzfahrten dürften sich weiter normalisieren, sofern sich die Sicherheitslage – wie es seit Anfang Juli der Fall ist – nicht erneut verschlechtert.

Insgesamt ist der weltweite Kreuzfahrtmarkt aber nicht eingebrochen. Die Auswirkungen des Krieges konzentrieren sich vor allem auf den Nahen Osten und angrenzende Fahrtgebiete, während die Nachfrage in den meisten anderen Regionen robust geblieben ist und sich zuletzt wieder verbessert hat.

Charles Darr liegt die Zukunft der Kreuzfahrt mehr denn je in den Händen der Agenturen: „Wenn die Reisebüros bereit für Kreuzfahrten sind, gewinnen die Kunden Vertrauen. Ich danke der gesamten Reisebranche, jedem Einzelnen, egal ob sie noch nie eine Kreuzfahrt verkauft haben oder schon 10.000. Ihre Arbeit schafft Vertrauen und gemeinsam sind wir bereit für das nächste Kapitel der Kreuzfahrt.“

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