Print-Ausgabe 17. April 2026

„Die ABTA ist eine vernetzte Plattform – genau dort will ich Impulse setzen“, berichtet Angela Lille (Foto: © ABTA)
Die neue ABTA-Präsidentin Angela Lille über will regional stärker noch präsent sein und dabei Themen aufgreifen, welche den Geschäftsreisebereich bewegen
Mit Angela Lille hat die ABTA (Austrian Business Travel Association) seit Mitte März eine neue Präsidentin. T.A.I. bat sie um ein erstes Interview.
T.A.I.: Was hat Sie bewogen, im Oktober 2020 zunächst ein Vorstandsmandat in der ABTA zu übernehmen, heuer sogar zur Präsidentin gewählt zu werden?
Angela Lille: „Ich wollte von Anfang an aktiv gestalten. Reines ‚Dabeisein‘ entspricht nicht meinem Selbstverständnis. Die ABTA ist eine vernetzte Plattform – genau dort will ich Impulse setzen. Ich möchte gemeinsam mit unserem schlagkräftigen Vorstandsteam innerhalb der ABTA viel bewegen, so etwa, dass wir als ABTA regional noch stärker präsent sind und gleichzeitig neue Themen aufgreifen, die die Branche aktuell beschäftigen und herausfordern.“
T.A.I.: Als Sie Präsidentin der ABTA wurden, meinten Sie, dass Sie eine „Idealistin“ sind. Wie ist das zu verstehen?
Angela Lille: „Es bedeutet für mich, daran zu glauben, dass Veränderung möglich ist. Wir können viel voneinander lernen und uns gegenseitig inspirieren. Entscheidend ist nicht, was jemand beitragen muss, sondern was er oder sie beitragen kann. Echte Mitgestalter:innen sind oft bereit, ihre Komfortzone zu verlassen und über sich hinauszuwachsen. Als Branche können wir gemeinsam viel bewegen – davon bin ich überzeugt.“
T.A.I.: Sie sprachen in ihrer Auftaktrede KI, Klimawandel oder Ressourcenknappheit an. Wie wollen Sie diese Themen in Ihrer ABTA-Präsidentschaft angehen?
Angela Lille: „Klimawandel und Ressourcenknappheit stehen seit Jahren im Zentrum meiner Agenda – nicht zuletzt durch mein Engagement bei ‚BT4Europe‘. Geschäftsreisen müssen Teil der Lösung sein, und dazu braucht es klare Rahmenbedingungen, transparente Daten und praxistaugliche Standards. KI wiederum sehe ich als großes Potenzial, wenn wir verantwortungsvoll damit umgehen. Der Fokus liegt für mich auf Schulungen, Kompetenzaufbau und einem bewussten Einsatz von KI – insbesondere im Hinblick auf Datenschutz, Datenqualität und Governance.“
T.A.I.: Sie sind seit mehr als eineinhalb Jahrzehnten im Travel Management der ERSTE Bank tätig. Wie sehr hat sich der Bereich der Geschäftsreisen verändert?
Angela Lille: „Die Veränderung ist enorm. Die Reisewelt ist deutlich schneller, transparenter und datengetriebener geworden. Travel Manager wissen heute auf Knopfdruck, wo sich Reisende befinden – ein bedeutender Fortschritt in Bezug auf Sicherheit und Fürsorgepflicht. Gleichzeitig sind die Reporting-Anforderungen massiv gestiegen. Neben Kosten- und Compliance-Themen spielen Nachhaltigkeitskennzahlen eine zentrale Rolle.“
T.A.I.: Geschäftsreisen sollen 2026 ein starkes Wachstum erleben. Inwieweit hat sich diese Einschätzung durch den Iran-Krieg verändert?
Angela Lille: „Es gehört zum Tagesgeschäft, dass einzelne Regionen plötzlich nicht oder nur eingeschränkt erreichbar sind. Geopolitische Entwicklungen, Naturkatastrophen oder kurzfristige Änderungen bei Einreisebestimmungen führen immer wieder zu punktuellen Rückgängen. Diese Ereignisse haben jedoch meist keinen unmittelbaren Einfluss auf die Gesamtentwicklung des weltweiten Geschäftsreisemarktes. Es ist allerdings damit zu rechnen, dass sich die Treibstoffpreise erhöhen. Das betrifft die Luftfahrt ebenso wie den Energiesektor und wirkt sich auf die Reisekosten aus. Ein Thema, das Unternehmen und Travel Manager sehr genau im Blick behalten.“
Erstellt am: 17. April 2026
Bitte die Netiquette einhalten. * Pflichtfelder