feratel

Neue Qualität der Information! Das Burgenland ist dabei Vorreiter

Print-Ausgabe 19. August 2022

Bernhard Taurer

„Es gibt keinen Meldezettel mehr“, zeigt sich Bernhard Taurer vom neuen digitalen System begeistert


 

Mit der zu Jahresbeginn eingeführten landesweiten digitalen Gästemeldung wurde ein Meilenstein gesetzt – feratel lieferte dazu die technologische Basis

Mit weltweit mehr als 4.000 Kunden und über 200 Mitarbeiter*innen, verteilt auf zwölf Standorte in neun Ländern, ist feratel ein wichtiger touristischer Player, der in drei Geschäftsfeldern von der Telekommunikation (u. a. über 1.000 Panorama-TV-­Standorte) über Informations- bis hin zu Reservierungssystemen – beides unter dem Oberbegriff IRS zusammengefasst – die Branche bezüglich Digitalisierung „on top“ hält. Um die neuesten Entwicklungen im IRS-Bereich, allen voran beim „Smart Destination Management“, ging es bei einem sommerlichen Interview von T.A.I. mit feratel-­Geschäftsführer und Leiter des Servicecenters Bernhard Taurer.

„Es handelt sich beim Smart Destination Management um eine All-in-one-Lösung für Destinationen und LTOs (Landestourismusorganisationen)“, so Bernhard Taurer, „es umfasst alle relevanten Vorgänge und Abläufe, sowohl intern als auch extern.“ Den Kern bildet das bekannte feratel-System ‚Deskline‘, das einerseits als Content-Management-System alle Inhalte einer Destination aufbereitet und über die unterschiedlichen Kanäle vertreibt, anderseits als Buchungs- und Channel Management-System seine Leistungen erbringt, bis hin zum Aussteuern von Portalen à la Booking.com oder Airbnb, um in bestimmten Saisonen die von dort einlangenden Reservierungen zurück- bzw. hochzufahren.

Ein ganz wichtiges „Deskline“-Tool besteht zudem im digitalen Gästemeldewesen. Hier hat das Burgenland mit Jahresbeginn 2022 eine Pionierrolle übernommen, indem es als erstes Bundesland die Gäste­meldungen komplett digitalisiert hat (T.A.I. berichtete ausführlich darüber). „Es gibt keinen Papiermeldeschein mehr“, zeigt sich Bernhard Taurer begeistert, der das Projekt im Burgenland federführend betreut.

Entscheidend für die Realisierung dieses „Leuchtturm-Projektes“ war das im Februar 2021 in Kraft getretene burgenländische Tourismusgesetz, mit dem die digitale Gästemeldung obligatorisch wurde. Dadurch erfolgen 99 % aller Meldungen (gemessen an den Übernachtungen) digital, 70 % davon via Schnittstellen direkt über die Hotelsysteme. 25 % der Gästemeldungen kommen über den WebClient (er ist Teil des „Deskline“-Systems), „vor allem von kleineren Betrieben, die selbst kein Programm haben“, so Taurer. Für die restlichen 5 % sorgen „Self Check-In“-Tools (ebenfalls Bestandteil der feratel-Destinationslösung) mittels QR-Code oder über einen Link. Taurer: „Der Betrieb braucht da gar nichts mehr machen.“

Eng an die digitale Gästemeldung geknüpft ist die Mitte 2021 eingeführte Burgenland Card. Es handelt sich um Österreichs erste ganzjährig gültige Umlagekarte für ein ganzes Bundesland. Für jeden Gast wird dabei parallel zur digitalen Meldung die Karte ausgestellt. „Das ist intelligent mit dem Gästemelde­wesen gekoppelt“, erzählt Taurer, „die Karte steht nur gemeldeten Gästen zur Verfügung.“

Damit nicht genug, erhalten die Gäste künftig einen Link zur digitalen Urlaubsassistentin „Burgi“. Dabei handelt es sich um eine „Progressive Web App“ (PWA), also eine Website mit Merkmalen, die bislang Apps vorbehalten waren, ohne eine zu sein. Der Vorteil laut Bernhard Taurer: „Der Gast muss bei ‚Burgi‘ keinen Download machen, sie wird mit der Anmeldung automatisch auf das Handy gespielt und er hat dadurch Zugriff auf den gesamten Content, vom Veranstaltungskalender über Radstationen, Wandertrails bis hin zu Städteführungen oder Wein­verkostungen.“

Die Burgenland Card und „Burgi“ zeigen, wie wichtig langjährige Partnerschaften in diesem Bereich sind. Taurer: „Der Neusiedler See ist seit 2003 Kunde von feratel. Jetzt betreuen wir das gesamte Burgenland.“ Wie sieht es mit anderen Bundesländern aus, möchte T.A.I. wissen. So erwähnte Bernhard Taurer bei dem Mediengespräch über die landesweite Ausrollung des digitalen Meldewesens im Burgenland vor einem Dreivierteljahr, dass Tirol diesbezüglich „sehr weit“ sei, aber dort „noch viel Papier im Spiel“ wäre. „Tirol ist bezüglich digitaler Meldung ein Wegbereiter“, so Taurer. Oberösterreich wiederum habe vor rund einem Jahr damit begonnen, das digitale Melde­wesen zu installieren. Entscheidend für das Burgenland wäre aber das dortige Tourismusgesetz gewesen: „Rechtlich sind dort, anders als in Tirol (und auch OÖ), nur noch digitale Meldungen möglich.“

Für das Burgenland ergeben sich durch die komplett elektronische Erfassung in Echtzeit erhebliche Vorteile. So können sekundenak­tuell alle Statistiken eingesehen werden, in welchen Gemeinden Gäste aus welchen Herkunftsländern nächtigen, wie es um die Auslastung in den Kategorien steht etc. Vor allem in der mehrjährigen Betrachtung wird dies zu einem wichtigen Asset. Taurer: „Es handelt sich um eine neue Qualität der Information.“

Österreichweit deckt laut Bernhard Taurer die digitale Meldewesen-­Lösung von feratel bereits ca. 80 % aller Nächtigungen an. Von diesem Volumen erfolgen 88 % aller Meldungen online, nur noch 12 % auf dem Papier. Taurer: „Da passiert einiges. All diese Dinge geben uns am Markt einen ziemlichen Drive.“

Für Letzteren sorgte übrigens auch der Anfang Juli im bayerischen Lenggries abgehaltene 1. feratel Digital Kongress, bei dem sich rund 50 Führungskräfte aus dem Tourismus gemeinsam mit Expert*innen von feratel in mehreren Themenblöcken und Best Practice-Beispielen mit der digitalen Zukunft der Branche auseinandersetzten. Bernhard Taurer, der persönlich mit vor Ort war: „Wir hatten seit drei Jahren keine ITB und dadurch gab es keine Zusammenkünfte von Touristiker*innen. Das wollten wir ändern.“ Der Erfolg war so groß, dass jetzt an eine Fortsetzung des Formates gedacht wird.

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