Estland

Nordische Weite mit eigenem Flair zwischen Mittelalter und Moderne

Print-Ausgabe 13. März 2026

Evely Baum-Helmis

„Estland ist ab Österreich und Süddeutschland komfortabel per Flug erreichbar“, so Evely Baum-Helmis (Foto: © www.fotograaf.ee)

Von der Hauptstadt Tallinn aus lässt sich das Land bequem erschließen, Städte wie Tartu oder Pärnu stellen ideale Bausteine für eine kombinierbare Rundreise dar

Estland rückt im deutschsprachigen Markt zunehmend in den Fokus – nicht zuletzt dank neuer Direktverbindungen und einer klar positionierten touristischen Identität. Evely Baum-Helmis, Market Managerin DACH bei Visit Estonia, spricht im Interview über die Unterschiede zu Finnland, die besondere Lage Tallinns am Meer, das Potenzial der über 2.300 Inseln, die Dynamik der Gastronomie sowie die hervorragende Erreichbarkeit aus Österreich.

T.A.I.: Estland wird oft mit Finnland verglichen. Worin unterscheiden sich die beiden Länder aus touristischer Sicht?

Evely Baum-Helmis: „Obwohl Estland und Finnland sich sprachlich und in ihrer nordischen Mentalität ähneln, erleben Gäste zwei sehr unterschiedliche Destinationen. Die nur 80 Kilometer breite Trennung durch den Finnischen Meerbusen täuscht über landschaftliche Kontraste hinweg. Finnland ist siebenmal größer als Estland, stark von Seen und Wäldern geprägt, mit einer sehr zerklüfteten Küste. In Estland hingegen ist die Küste deutlich zugänglicher. Unser Land ist flach, mit weiten Moorlandschaften, langen Sandstränden und öffentlich zugänglichen Uferzonen.

Von Tallinn aus erreicht man jeden Ort in Estland in zwei bis drei Stunden – diese Kompaktheit ist ein großer Vorteil. Auch kulturell gibt es Unterschiede: Während Helsinki stark modern geprägt ist, beeindruckt Tallinn mit seiner mittelalterlichen UNESCO-Altstadt.“

Hafenviertel Noblessner in Tallinn

Hafenviertel Noblessner in Tallinn (Foto: © Kaupo Kalda / Visit Estonia)

T.A.I.: Was macht Tallinn als Hauptstadt am Meer besonders?

Evely Baum-Helmis: „Tallinn vereint historische Altstadt, kreative Stadtviertel und offene Meeresküste auf engstem Raum. Die Promenade von Pirita bis Noblessner lädt zum Spazieren und Radfahren ein, Cafés und Restaurants liegen direkt am Wasser. Besonders spannend ist das ehemalige Werftgelände Noblessner: Wo einst U-Boote gebaut wurden, finden sich heute Galerien, Designshops und Restaurants.
Direkt daneben liegt das Meeresmuseum im historischen Wasserflugzeughangar – eines der beeindruckendsten Schifffahrtsmuseen Europas, inklusive begehbarem U-Boot. Und nur wenige Minuten vom Zentrum entfernt befinden sich mehrere Stadtstrände wie Pirita, Stroomi oder Kakumäe.
Eine Besonderheit ist auch die nordische Saunakultur: In Tallinn kann man direkt am Meer saunieren und im Winter ins Eisloch springen.“

T.A.I.: Welche weiteren Städte empfehlen Sie?

Evely Baum-Helmis: „Durch die kurzen Distanzen lassen sich mehrere Städte gut kombinieren. Tartu in Südestland ist traditionsreiche Universitätsstadt und kulturelles Zentrum. Pärnu gilt als Sommerhauptstadt mit langen Stränden und Spa-Tradition. Rakvere liegt nahe dem Nationalpark Lahemaa, Narva punktet mit seiner Grenzlage und Geschichte, Kuressaare auf Saaremaa mit Inselcharme. Auch Haapsalu und Viljandi sind kulturell bedeutende Orte.“

Sandstrand bei Pärnu

Sandstrand bei Pärnu (Foto: © Viktor Tund / Visit Pärnu)

T.A.I.: Estland verfügt über rund 3.800 Kilometer Küste und mehr als 2.300 Inseln. Welches Potenzial steckt darin?

Evely Baum-Helmis: „Unsere Küste ist extrem vielfältig. Neben langen Sandstränden gibt es Kalksteinklippen im Norden sowie Dünen- und Wacholderlandschaften im Westen. Drei Nationalparks – Matsalu, Lahemaa und Vilsandi – liegen direkt an der Küste. Die Inselwelt ist einzigartig: Saaremaa und Hiiumaa stehen für Weite und Natur, Muhu für Tradition. Besonders Kihnu ist kulturell außergewöhnlich – der dortige Kulturraum zählt zum immateriellen UNESCO-Welterbe.“

T.A.I.: Wie positioniert sich Estland kulinarisch?

Evely Baum-Helmis: „Die estnische Küche hat in den letzten Jahren einen enormen Qualitätssprung gemacht. Zwei Michelin-Sterne-Restaurants und zahlreiche weitere ausgezeichnete Betriebe sprechen für sich. Die Kulinarik basiert stark auf Saisonalität: Roggenbrot, Fisch wie Sprotten und Hering, Pilze, Beeren, Kohl, Kartoffeln und Milchprodukte spielen eine zentrale Rolle. Traditionelle Produkte wie „Kama“ oder eingelegte Waldzutaten gehören ebenso dazu.“

T.A.I.: Wie gut ist Estland aus dem DACH-Raum erreichbar?

Evely Baum-Helmis: „Sehr gut. airBaltic verbindet Wien im Sommerflugplan mehrmals wöchentlich direkt mit Tallinn. Ganzjährige Direktflüge bestehen ab München. Damit ist Estland aus Österreich und Süddeutschland komfortabel und nonstop erreichbar.“

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