Salzburg Airport W.A. Mozart

Wunsch: Breitere Fächerung der Airline-Angebote in den Bundesländern

Print-Ausgabe 13. Juli 2018

Situation an Österreichs Regionalairports leidet laut Salzburgs Airport-Chefin Bettina Ganghofer unter dem Preiskampf der Low-Cost-Giganten in Wien

Seit Oktober 2017 steht erstmals in der Geschichte der österreichischen Luftfahrt mit Bettina Ganghofer eine Frau auf der Kommandobrücke eines Flughafens: des Salzburg Airport W.A. Mozart. Die Mutter von zwei Kindern, ausgebildete Luftverkehrskauffrau und Absolventin der University of Lancaster wechselte nach 24 Jahren bei Lufthansa (inkl. sechs Jahren in Shanghai) vor neun Jahren in die Führungs-Etage der Mitteldeutschen Flughafen AG (Airports von Leipzig/Halle und Dresden). Im T.A.I.-Interview sprach Bettina Ganghofer über ihre erste Zwischenbilanz, die Herausforderungen in Salzburg, die Pistensperre 2019 sowie die mittelfristigen Perspektiven.

T.A.I.: Sie sind seit gut 250 Tagen im Amt. Wie sieht Ihre erste Zwischenbilanz aus?

Ganghofer: „Sie fällt durchwegs äußerst positiv aus! Das Kennenlernen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und aller mit dem Flughafen zusammenhängenden Organisationen stand klar an erster Stelle. Ich war sehr viel unterwegs, lernte spannende Menschen in Salzburg und im benachbarten Bayern kennen, durfte den Flughafen bei so mancher Veranstaltung vertreten und bin immer wieder von der großen Herzlichkeit der Menschen in der EuRegio fasziniert. Am Flughafen selbst ist es eine Freude zu sehen, wie sich die Menschen, die hier arbeiten, für ‚Ihren‘ Flughafen engagieren und wie viel Herzblut in die tägliche Arbeit einfließt. Nicht so schön war der Start in diesem Jahr mit zwei Hiobsbotschaften für die europäische Luftverkehrswirtschaft: Die Insolvenzen von Air Berlin und NIKI. Beide trugen erheblich zu unserem jährlichen Verkehrsaufkommen bei. Vieles konnte mittlerweile mit bestehenden Partnern, insbesondere der Eurowings, kompensiert werden. Auch die Geschäfte mit Laudamotion werden helfen. Die Delle, die Air Berlin und NIKI hinterlassen haben, werden wir allerdings das gesamte Jahr 2018 noch deutlich spüren.“

T.A.I.: Worin bestehen für Sie die größten Unterschiede zwischen Salzburg und den beiden Airports ihres früheren Arbeitgebers, Leipzig/Halle und Dresden? Worin sind sie sich ähnlich?

Ganghofer: „Leipzig/Halle (LEJ) ist mit 2,4 Millionen Passagieren ein kleines Stückerl größer als wir. Der größte Unterschied liegt in der Positionierung als internationaler Luftfrachthub, insbesondere für die DHL. Damit ist LEJ mit über 1,1 Millionen Tonnen Luftfracht die Nummer 2 in Deutschland und die Nummer 5 in Europa. Die dazu gehörende Infrastruktur ist enorm. Neidisch bin ich auf die zweite Start-und Landebahn, denn dann könnte man eine sanieren, ohne gleich den Flughafen schließen zu müssen, wie wir es 2019 machen müssen. Dresden International ist als stadtnaher Flughafen mit 1,7 Millionen Passagieren fast so groß wie wir. Auch sonst gibt es viele Ähnlichkeiten, von der Länge der Start/Landebahn bis hin zu den Betriebszeiten. Und: Dresden hat ein wunderschönes und recht modernes Passagierterminal.“

T.A.I.: Wie sieht es bezüglich wirtschaftlichen Vergleich aus?

Ganghofer: „Der macht mich sehr stolz – vom wirtschaftlichen Erfolg her ist Salzburg definitiv ein herzeigbarer Benchmark. Seit vielen Jahren ist der Salzburger Flughafen in den schwarzen Zahlen und schüttet an die Eigentümer Dividenden aus. Das ist im Vergleich der drei Flughäfen ein Alleinstellungsmerkmal! Wenn ich mir von Leipzig und Dresden gerne etwas nach Salzburg mitgenommen hätte: Platz und Fläche zur Entwicklung der Infrastruktur. Das ist dort in großem Umfang vorhanden und in Salzburg absolute Mangelware. Dafür haben wir hier schöne Berge.“

T.A.I.: In den zurückliegenden 10 Jahren haben alle drei Airports eine Seitwärts- bzw. leicht rückläufige Bewegung verzeichnet. Worauf führen Sie das zurück? Womit rechnen Sie in den kommenden Jahren?

Ganghofer: „Die Luftverkehrsbranche zeigt Konsolidierungen bei den Fluggesellschaften und ein sukzessives ‚Sterben‘ der regionalen Fluggesellschaften. Damit finden großen Zuwächse in der Regel nicht an den Regional Airports statt. Das große Wachstum konzentriert sich auf Hub-Airports, wie Frankfurt, München, Wien, London, Paris oder Amsterdam usw. Momentan findet etwa in Wien ein intensiver Preiskampf zwischen Low-Cost-Giganten wie Laudamotion/Ryanair, WIZZ, Volotea, easyJet und Vueling/Level statt. Darunter leidet nicht nur der Ticketpreis, sondern auch die Situation an den Regionalairports in Österreich. Ich würde mir eine breitere und gesunde Fächerung der Angebote dieser Airlines auch in den Bundesländern wünschen.“

T.A.I.: Welches sind Ihrer Meinung nach die besonderen Stärken des Salzburg Airport?

Ganghofer: „Absolute Stärken des zweitgrößten Airports in Österreich? Die zentrale Verkehrslage in Westösterreich mit direktem Autobahnanschluss, Freundlichkeit allen Kunden gegenüber, Flexibilität in der Abfertigung, der Abflug vor der Haustüre, ein gesundes Preis-Leistungs-Verhältnis und die Themenvielfalt, die unser Flughafen hat. Und unschlagbar kurze Wege und Wegzeiten – zum Flughafen und im Flughafen.“

T.A.I.: Wie sind Sie mit dem angelaufenen Sommer zufrieden?

Ganghofer: „Ich bin zufrieden, aber es könnte natürlich noch mehr sein. Ich denke, der Wunsch nach mehr Verbindungen reißt nie ab. Unsere Bemühungen, den Verkehr am Salzburger Flughafen ‚gesund‘ wachsen zu lassen und auf dem jetzigen Niveau – gerade den Linienverkehr betreffend – zu halten, steht permanent im Vordergrund. Wie erwähnt, ist mit dem Wegfall von Air Berlin und NIKI eine große Delle im Angebot entstanden und diese braucht Zeit und intensive Bemühungen am Markt, damit sie wieder ausgeglichen werden kann. Aber eines ist ganz klar: Der Sommer wird heiß und wir bringen unsere Gäste nicht nur mit Nonstop Verbindungen (Bulgarien, Griechenland, Italien, Frankreich, Deutschland, etc.) zu malerischen Zielen, sondern mit kurzen Umsteigezeiten sind Ziele auf der ganzen Welt ab Salzburg erreichbar.“

T.A.I.: Welches sind die wichtigsten Neuerungen für den Sommer?

Ganghofer: „Neben den klassischen Linienverbindungen zu den großen Hub-Airports findet man spannende Highlights für einen langen Urlaubs- und Erholungstrip oder einen kurzen Städteausflug wieder. Ob ein Weekend in Berlin, Brüssel, Hamburg oder London, ein ausgedehnter Sonnenurlaub in Kos, Korfu, Rhodos, Heraklion, Lefkas, Zakynthos, Split, Antalya und Hurghada, ein Erholungstrip auf die Inseln Korsika und Sardinien (Calvi und Olbia), oder ein Golfspiel in Palma de Mallorca – ab Salzburg sind Sie auch schnell auf beinahe jedem Kontinent dieser Welt. Flieg ab Salzburg heißt nicht nur vor der Haustüre in den Flieger einzusteigen, Flieg ab Salzburg heißt auch stressfrei die Welt erobern!“

T.A.I.: Wie sieht es diesbezüglich für den Winter 2018/2919 aus?

Ganghofer: „Ja es stimmt – der Sommer hat noch nicht einmal richtig begonnen und die Flughäfen sind schon mitten in den Wintervorbereitungen – tatsächlich arbeiten wir sogar schon am nächsten Sommer. Die Vorschau für den Winter sieht sehr gut aus, der Flugplan wird allerdings erst mit Ende Oktober feststehen. Aber Sie können natürlich wieder mit vielen Winterflugverbindungen von und nach Großbritannien, Dänemark, Schweden, Norwegen, Deutschland, Russland, Spanien, Niederlande, Island und Lettland rechnen. Mich persönlich freut es sehr, dass diesen Winter wieder Verbindungen auf die kanarischen Inseln angeboten werden. Es ist immer gut, auch einmal dem Winter entfliehend zu können.“

T.A.I.: Zwischen Ostern und Pfingsten 2019 wird es im Zuge einer Generalsanierung der Piste rund vier Wochen zu einer Komplettsperre kommen. Ließ sich diese Sperre nicht vermeiden?

Ganghofer: „Die heutige Piste 15/33 wurde im Mai 1960 betoniert – das ist schon eine sehr lange Nutzungszeit, die wir in Salzburg auf Grund der guten Bauweise zur Verfügung hatten. Nach 60 Jahren werden allerdings die jährlich anfallenden Sanierungen immer kostenintensiver und sehr zeitaufwändig – wir haben jetzt einfach etwas unternehmen müssen. Schon 2015 haben wir mit intensiven Vorbereitungsarbeiten zur Generalsanierung begonnen, damit der Flughafen sicher in die Zukunft blicken kann. Vom 24. April bis zum 28. Mai 2019 wird unsere Lande- und Startbahn daher komplett gesperrt. Sie fragen warum? Nun, es ist die sicherste Methode, eine flotte Generalsanierung zu garantieren! Lärmintensive Arbeiten können vorwiegend in Tagarbeit durchgeführt werden, es werden keine betrieblichen Provisorien benötigt, die Sicherheitsaufwendungen halten sich in Grenzen, eine höhere Ausführungsqualität und damit verbunden eine höhere Gebrauchsdauer der sanierten Piste sind dadurch zu erwarten. Wir haben ja nicht nur eine wirtschaftliche Verantwortung, die Sanierung so schnell als möglich und so kostengünstig wie möglich durchzuführen – wir haben auch gegenüber unserer Bevölkerung eine Verantwortung, die Belastung durch die Sanierung so gering wie möglich zu halten. Eine zeitweise Sperre der Piste über einen Zeitraum von mehreren Jahren hätte zwei negative Effekte gehabt: Der Flughafen hätte mit Dauerprovisorien arbeiten müssen und die Belastung für die direkten Nachbarn des Flughafens wäre viel größer gewesen. Das wollten wir verhindern.

T.A.I.: Was erwarten Sie sich insgesamt von 2019? Wird die Lücke, die NIKI und Air Berlin hinterlassen haben, dann bereits geschlossen sein?

Ganghofer: „Das ist schwer zu beantworten. Die Lücken, die diese beiden Airlines hinterlassen haben, sind sehr groß und es wird noch andauern, diese wieder zu füllen. 2017 mit NIKI und Air Berlin war vom Ergebnis her ein sehr gutes Jahr. Diese Zahlen werden 2018 und 2019 (das Jahr der Pistensanierung) sicher nicht erreicht werden. Ich bin allerdings sehr zuversichtlich, dass sich der Verkehr in Salzburg gesund weiterentwickeln wird. Mit unseren mehr als einem Dutzend tollen Airline-Partnern, darunter die Netzwerk Carrier Turkish, Austrian und British, wird auch in Zukunft der Standort Salzburg gesichert sein.“ 

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Erstellt am: 13. Juli 2018

Bettina Ganghofer, Geschäftsführerin Salzburg Airport W.A. Mozart (c)

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