FlugbegleiterInnen Teil 2

Traumberuf mit gewissem Spirit
Gutes Teamwork als Um und Auf

Print-Ausgabe 6. September 2019

Ist bevorzugt auf Langstrecken-Flügen tätig: Nicola Gärner, Purser und Special Event Team-Mitglied bei Austrian Airlines

Nicola Gärner, bei Austrian Airlines längst in der „Königsklasse der Flug­begleiterInnen“ angekommen, sprach mit T.A.I. über die Herausforderungen

Zur wohl berühmtesten Flugbegleiterin des Landes zählt die ehemalige Austrian Airlines-Stewardess Maria Jakl. Am 31. März 1958 begleitete sie gemeinsam mit zwei Kolleginnen den Erstflug der neu gegründeten Austrian Airlines nach London. Heute zählt Austrian Airlines mit seinem Heer aus 2.626 KabinenmitarbeiterInnen (Stand März 2019) zum diesbezüglich größten Arbeitgeber des Landes. Für viele junge Menschen, die sich für den Beruf des/der FlugbegleiterIn entscheiden, ist eine Anstellung beim prestigeträchtigen Star Alliance Mitglied und vielfachen Skytrax Award Gewinner („Best Airline Staff Europe“) mehr als erstrebenswert. Um eine Karriere zu starten, muss aber nicht nur ein strenges Auswahlverfahren durchlaufen, sondern auch eine zweimonatige Ausbildung positiv abgeschlossen werden.

Das Training teilt sich dabei auf die Schwerpunkte „Customer Experience & Safety“ auf. In einer 17-tägigen Ausbildung werden nicht nur Übungen des Flight Safety und Security Training (Evakuierungen, Ditching) absolviert, sondern auch die Grundkenntnisse in Erste Hilfe und Crew Resource Management vermittelt. Bereits vor Beginn der Ausbildung werden die TeilnehmerInnen mit einem SkyPad (iPad Mini für alle Kabinenmitarbeiter) ausgestattet, um damit den Umgang und die Kursthemen online zu erlernen. Während der gesamten Kurszeit werden die TeilnehmerInnen ständigen Prüfungen unterzogen, kreative Lernmethoden besonders im Bereich Customer Experience sollen helfen, individualisiert auf die TeilnehmerInnen einzugehen.

Nachdem Austrian Airlines bislang die einzige Fluglinie in Österreich ist, die sowohl Langstreckenflüge als auch ein Service in der Business Class anbietet, wird in einer 11-tägigen Ausbildung besonders Wert auf das Thema des „Customer Experience“ gelegt. Zu diesem Zwecke stehen im Austrian Airlines Ausbildungscenter am Flughafen Wien die modernsten Trainingseinrichtungen des Landes zur Verfügung.

Martin Dichler bat für T.A.I eine der erfahrensten Stewardessen des Landes zum Gespräch. In ihrer Funktion als Purser 2 (nur Business Class) und Mitglied des Austrian Airlines Special Event Teams ist die 42-jährige Nicola Gärner in der „Königsklasse der FlugbegleiterInnen“ angekommen.

T.A.I.: Sie arbeiten bereits seit 21 Jahren als Flugbegleiterin, ist diese Tätigkeit immer noch ein Traumberuf für Sie?

Gärner: „Definitiv! Der Reiz liegt darin, dass mein Leben sehr abwechslungsreich und spannend bleibt. Kein Flug ist wie der andere und es ist toll, dass unser Beruf immer wieder neue und schöne Herausforderungen mit sich bringt. Auch mal unter der Woche frei haben, ist ein kleiner Luxus für mich. Ein großes Asset ist auch, dass mit dem Abschluss meines Fluges meine Arbeit für den Tag oft erledigt ist und ich den Kopf frei habe für meine Familie.“

T.A.I.: Schichtdienst, Jetlag und eine durchschnittliche Bezahlung sind wohl nicht die Gründe, warum so viele junge Menschen als Flugbegleiter arbeiten wollen?

Gärner: „Ich glaube, dass diese Branche immer noch einen gewissen Spirit versprüht! Im Jahr 1998 habe ich meine Karriere bei Lauda Air begonnen, die Bezahlung war auch damals nicht großartig. Dafür konnte ich bei mehrtägigen Lay­over Aufenthalten die Welt kennen lernen und unglaubliche Eindrücke sowie Erlebnisse mitnehmen, die für immer bleiben.“

T.A.I.: Inwiefern hat sich die Tätigkeit in den letzten 20 Jahren verändert? Sind die Sitten an Bord rauer geworden?

Gärner: „Früher waren die Passagiere vielleicht etwas genügsamer, jeder hatte in etwa das gleiche für sein Flugticket bezahlt und die gleiche Leistung bekommen. Durch die neuen Tarifstrukturen möchte der Passagier heute viel öfter die maximale Leistung für das gebuchte Ticket herausholen. Unruly passengers hat es immer schon gegeben, ich habe das Problem zum Glück selten gehabt. Ein gutes Auftreten und eine Erfahrung im Umgang mit unseren Passagieren sind jedenfalls hilfreich. Wir sind immer bemüht, all unseren Gästen ein schönes Service zu bieten und ihnen die Aufmerksamkeit zu schenken, die sie von Austrian Airlines gewohnt sind.“

T.A.I.: Wie wir wissen, ist FlugbegleiterIn zu sein mehr als nur Getränke zu servieren. Was sind die wichtigsten Aufgaben?

Gärner: „Eine gute Flugvorbereitung hat neben unserem jährlichen Sicherheitstraining höchste Priorität. Als Purser trage ich die Verantwortung dafür, dass neben unserem Service sämtliche sicherheitsrelevanten Details auf jedem Flug eingehalten werden. Gutes Teamwork und eine positive Stimmung innerhalb der Crew sowie die Freude an unserer Tätigkeit sind mir da besonders wichtig.“

T.A.I.: Sie sind Mitglied des SPET (Special Event) Team bei Au­strian Airlines. Was genau ist Ihre Aufgabe?
Gärner: „Wir betreuen besondere KundInnen und JournalistInnen auf wichtigen Flügen sowie auf Erstflügen, wie zuletzt nach Montreal. Unser Team ist auf vielen öffentlichen Events wie Messen, Presseterminen und Fotoshootings vertreten. Mit Stolz repräsentieren wir Austrian Airlines nach außen.“

T.A.I.: Austrian ist das einzige heimische Unternehmen mit Langstreckenflügen. Worin liegen die Herausforderungen im Vergleich zur Kurz- und Mittelstrecke?

Gärner: „Auf der Langstrecke gibt es wieder ganz andere Anforderungen als auf der Kurzstrecke. Die Crew arbeitet länger und intensiver zusammen, mit den Passagieren kommen wir viel mehr in Kontakt und wir bieten ein aufwendigeres Service. Mit diversen Passagierproblemen sowie medizinischen Vorfällen gibt es natürlich auch mehr zu tun. Umso wichtiger ist ein ausgezeichnetes Teamwork und eine gute Kommunikation innerhalb der Crew. Das Besondere bleibt auch, dass man nach einem langen Arbeitstag in einer anderen Stadt aussteigen darf. Für mich persönlich ist das immer wieder toll, weshalb ich auch die Langstrecke bevorzuge.“

T.A.I.: Austrian Airlines bietet auf seinen Flügen ein Business Class Service an Bord seiner Flugzeuge an. Darf jede/r FlugbegleiterIn in der Business Class arbeiten oder sind spezielle Qualifikationen erforderlich?

Gärner: „Im Gegensatz zur Konzernmutter Lufthansa wird bei Austrian Airlines jede/r NeueinsteigerIn auf der Langstrecke während seiner Umschulung auf das Service der Business Class eingeschult. Spezielle Qualifikationen wie auch der Bord Sommelier, passende Sprachkenntnisse und auch das Senioritätsprinzip sind entscheidend, um auf der jeweiligen Strecke in der Business Class eingeteilt zu werden.“ 

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