Lufthansa Group

Staats-Deal am seidenen Faden.
Milliardär Thiele lässt Muskeln spielen

Print-Ausgabe 19. Juni 2020

Ist seit 15. Juni mit 15,52 Prozent größter Einzelaktionär der Lufthansa: Heinz Hermann Thiele

Donnerstag kommender Woche entscheidet sich das weitere Schicksal des Kranich-
Konzerns – und damit auch die Zukunft ihrer Österreich-Tochter Austrian Airlines

Der mehrfach bewiesene Mut zu antizyklischen Investitionen machte sich für den deutschen Unternehmer (Bahninfrastruktur sowie Bremssysteme für Schienen- und Nutzfahrzeuge) HeinzHermannThiele heuer erneut bezahlt: Der 79-jährige Milliardär war Mitte März kurz nach dem Lockdown um ca. 440 Millionen Euro mit rund 10 % bei Lufthansa eingestiegen. Sein Aktienpaket hat seither um rund 60 Mio. Euro an Wert zugelegt (Anfang Juni waren es sogar plus 150 Mio. Euro). Doch Thiele will mehr: Mittlerweile hat er seinen Anteil durch Aufkäufe weiter aufgestockt. Anfang dieser Woche überschritt es die 15 %-Marke. Mit Stichtag 17. Juni repräsentierten Thieles Lufthansa Aktien ein Volumen von 750 Mio. Euro. 

Bei Lufthansa hält sich die Freude über Heinz Hermann Thieles Engagement allerdings in Grenzen. Denn der will laut einem Bericht der „FAZ – Frankfurter Allgemeine Zeitung“ den vom Kranich-Konzern mit Deutschlands Regierung ausgehandelten Rettungsplan nachverhandeln. Der Staats-Deal – die EU-Kommission knüpft ihre Genehmigung an die Abgabe von Start- und Landerechten an den Drehkreuzen Frankfurt und München – sieht laut Lufthansa „Stabilisierungsmaßnahmen sowie eine Kreditfazilität im Umfang von bis zu 9 Mrd. Euro vor.“ Im Gegenzug erhält die Bundesrepublik im Zuge einer Kapitalerhöhung eine Lufthansa-Beteiligung von 20 %. Womit Thieles Anteil automatisch auf 12 % schrumpfen würde. 

Der Staat als Mitaktionär ist dem Milliardär (im Mai 2020 führte „Bloomberg“ Thiele mit einem auf 15,5 Mrd. US-Dollar geschätzten Vermögen auf Platz 74 der reichsten Menschen der Welt) deshalb ein Dorn im Auge: „Die Lufthansa braucht für Sanierung und Gesundung keine Staatsbeteiligung“, stellte er gegenüber der FAZ fest und kritisierte Lufthansa-CEO Carsten Spohr: „Ich glaube, man hätte intensiver verhandeln können.“ Thiele sieht „jetzt eine Chance, das Thema noch einmal aufzumachen.“ 

Das „Jetzt“ bezieht sich auf die außerordentliche Hauptversammlung am 25. Juni 2020, also am Donnerstag kommender Woche. Die wird virtuell durchgeführt und für Spohr & Co zur großen Nervenprobe. Soll der mit dem Staat ausgehandelte Deal, so wie er ist, durchgebracht werden, müssten die (anwesenden) Aktio­näre der Kapitalerhöhung samt Staatseinstieg laut FAZ mit einer Drei-Viertel-Mehrheit zustimmen. Lufthansa spricht im Gegensatz dazu von einer Zweidrittelmehrheit der abgegebenen Stimmen, sollte die Aktionärs-Präsenz unter 50 % liegen. Im Falle einer Präsenz von über 50 % verringert sich das Zustimmungserfordernis hingegen auf die einfache Mehrheit.

Entscheidend wird somit die Anwesenheit der Eigentümervertreter bei der Hauptversammlung: je geringer sie vertreten sind, desto mehr Gewicht erhalten die 15 % von Thiele. Die Annahme der Stabilisierungsmaßnahmen hängt also an einem seidenen Faden. Laut Lufthansa-„Finanznachricht“ vom 17. Juni geht der Vorstand aktuell davon aus, dass die Hauptversammlungs-Präsenz am 25. Juni unter dem kritischen Wert von 50 % liegen wird. Zum Vergleich: die ebenfalls virtuell durchgeführte Hauptversammlung am 5. Mai verzeichnete eine Präsenz von nur 33 %.

Lufthansa CEO Carsten Spohr baut bereits vor: „Wir werden möglicherweise zeitnah zur Hauptversammlung ein insolvenzrechtliches Schutzschirmverfahren beantragen müssen, wenn es dann nicht unverzüglich zu einer anderen Lösung kommt.“ 

Kommende Woche wird also spannend. Nicht nur für die Lufthansa, sondern auch für die Konzern-Töchter. T.A.I. wird berichten.  

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