Lufthansa – Etihad – Airberlin -Alitalia

Lufthanseat wird Airberlin-CEO! Etihad und Kranich rücken zusammen

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Mit einem Knalleffekt beginnt die neue Ära von Airberlin: Stefan Pichler wird mit Februar 2017 als CEO von Airberlin durch Thomas Winkelmann (Mi.) abgelöst. Der Lufthansa-Manager war lange Jahre CEO von Germanwings, seit einem Jahr leitet er als CEO den Hub München der Lufthansa.

Annäherung Lufthansa - Etihad

Die Übernahme der Airberlin-Führung durch einen Manager aus dem Lufthansa-Konzern ist ein weiteres Indiz für die sich abzeichnende Strategie-Änderung von Etihad und Lufthansa. Bereits zum Abschluss des Wet-Lease Abkommens von voriger Woche zwischen Airberlin und der Lufthansa-Group (33 Airbus A320-Flugzeuge der Airberlin werden für die kommenden sechs Jahre von Eurowings angemietet, fünf weitere von Austrian Airlines – der Deal erreicht eine Größenordnung von rund 1,9 Mrd. Euro) wurde auch ein Codeshare-Abkommen zwischen Lufthansa und Etihad abgeschlossen. Sowohl Etihad-Chef James Hogan (r.) als auch Lufthansa-CEO Carsten Spohr (l.) kündigten dabei weitere Schritte einer engeren Partnerschaft an.

EY-Flugnummern auf LH-Flügen

Im Zuge dieses Codeshare-Abkommens werden künftig Etihad-Flüge zwischen Abu Dhabi und Frankfurt sowie München auch mit LH-Flugnummer angeboten (beide deutschen Städte werden je zwei Mal täglich von Etihad Airways bedient). Im Gegenzug werden die Nonstop-Langstreckenverbindungen der Lufthansa zwischen Frankfurt und Rio de Janeiro sowie Bogota ab Jänner auch mit EY-Flugnummern durchgeführt.

Mosaikstein Alitalia

Parallel dazu zeichnet sich nun eine Annäherung von Alitalia an die Lufthansa Group ab. Bisher hatte Etihad über Alitalia (an der sie mit 49 Prozent beteiligt ist) eine Nähe zur Air France-KLM Gruppe. Die Allianz Alitalia - Air France-KLM war 2008 besiegelt worden. Doch Anfang Dezember 2016 wurde bekannt gegeben, dass diese aus Sicht von Alitalia wenig fruchtbringende Zusammenarbeit mit Jänner 2017 beendet wird. Alitalia benötigt dringend frisches Kapital und hat – mit Etihad als Drahtzieher im Hintergrund – nach Lösen der Allianz mit AF-KL bereits seine Fühler zur Lufthansa-Gruppe ausgestreckt.

Damit zeichnet sich mehr und mehr ab, dass die Etihad Group mit CEO James Hogan an der Spitze rund um die Sanierung ihrer europäischen Sorgenkinder Alitalia (für 2016 wird mit einem weiteren Verlust in Höhe von 400 Mio. Euro gerechnet) und Airberlin (Verlust heuer nach neun Monaten 317 Mio. Euro) den Weg in Richtung Allianz mit Lufthansa eingeschlagen hat.

Die strategische Allianz Lufthansa – Etihad macht für beide Seiten Sinn:

  • Lufthansa hatte bislang mit keinem der drei großen Golf-Carrier eine Partnerschaft, umgekehrt tut sich Etihad schwer, Wege zu finden, wie sie weiterhin Geld in Alitalia und Airberlin pumpen und diese wieder auf einen wirtschaftlich gesunden Ast führen kann;
  • Für Lufthansa ist die Rettung der Airberlin strategisch enorm wichtig, um den beiden Low Cost Riesen Ryanair und Easyjet nicht das im Falle einer AB-Pleite frei werdende Feld in Deutschland zu überlassen;
  • Alitalia steht in Italien, wo sie nur noch einen Marktanteil von 17,2 Prozent hält, seit Jahren unter massivem Druck von Ryanair (Marktanteil 20,5 Prozent) und Easyjet (10,7 Prozent). Die seit dem Etihad-Einstieg bei Alitalia bestehende Allianz mit Airberlin bot hier ein Mittel, um dagegenzuhalten. Durch die nun mögliche Partnerschaft mit Lufthansa (Marktanteil in Italien 3,7 Prozent, Swiss und Austrian noch nicht mitgerechnet) wird die Airline-Achse deutschsprachige Märkte-Italien weiter gestärkt.
  • Rund um die Neuaufstellung der Airberlin wurden sämtliche Südeuropa-Slots an die – ebenfalls unter Etihad-Führung stehende – neue Leusire-Holding mit TUIfly und flyNIKI übertragen, mit Ausnahme jener in Italien, womit die strategische Bedeutung dieses Marktes ebenfalls unterstrichen wurde.

Zusammenarbeit LH – EY wird ausgeweitet

Zurück nach Deutschland: laut James Hogan gilt „Deutschland schon lange als strategisch wichtiger Schlüsselmarkt für die Etihad Aviation Group.“ Die neue Beziehung zu Lufthansa öffne hier neue Möglichkeiten: „Beide Organisationen können bei wichtigen Themen sinnvoll und für beide Partner vorteilhaft zusammenarbeiten.“ Lufthansa CEO Carsten Spohr wiederum betont: „Wir können uns vorstellen, unsere Zusammenarbeit in der Zukunft auf andere Bereiche auszuweiten.“ Die Bestellung von Lufthansa-Manager Thomas Winkelmann zum CEO der Airberlin unterstreicht dies deutlich.

Kurzportrait Thomas Winkelmann

Der 1959 geborene Thomas Winkelmann startete nach seinem Betriebswirtschaftsstudium bei Kaufhof und dem Deutschen Reisebüro, bis er 1998 zur Lufthansa wechselte. Von September 2006 bis Ende Oktober 2015 fungierte er im Kranich-Konzern als CEO der Germanwings, um im November 2015 als CEO die Leitung für das südliche Lufthansa-Drehkreuz, den Hub München, zu übernehmen. Thomas Winkelmann ist verheiratet und hat zwei Kinder.

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Erstellt am: 18. Dezember 2016

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