Emirates

Langsame Rückkehr zu alter Stärke:
„Was uns am Leben hält, ist die Fracht“

Print-Ausgabe 9. Oktober 2020

„Bis Sommer 2021 werden wir wieder alle Ziele anbieten, wenn auch mit geringerer Frequenz“, so Martin Gross

Die Airline aus Dubai ist nach FedEx die größte Frachtairline der Welt – seit Juni wird auch das Passagiergeschäft wieder hochgefahren – Wien kommt eine besondere Rolle zu

Lange Zeit hat Emirates die Luftfahrt aufgemischt. Die letzten Jahre waren dann etwas holprig, das Einstellen des kompletten Flugbetriebs mit 25. März ein Schock. Doch wie es aussieht, wird der Carrier aus Dubai gestärkt aus der Corona-Krise hervorgehen. Diesen Eindruck vermittelte MartinGross, Area Manager für Österreich und acht weitere Länder, bei einem Medien-Meeting im Emirates-Büro in der Wiener Prinz-Eugen-Straße: „Wir werden, wenn das Geschäft wiederkommt, unsere Kapazitäten extrem schnell wieder hochfahren. Wir haben dazu die Flieger, die MitarbeiterInnen und die finanziellen Mittel.“  

Bereits kurz nach dem Grouding aller 257 Passagier- und 11 Frachtmaschinen nahm Emirates wieder Frachtflüge auf, „auch mit Passagiermaschinen“, wie Martin Gross betont. Mittlerweile werden 120 Fracht-Destinationen angesteuert. Gross: „Wir sind nach FedEx die größte Frachtairline der Welt.“ Wien war dabei Anfang April eine der ersten Fracht-Destinationen. Grund ist „der große geografische Vorteil“, über den die Donau­metropole verfüge. Weder Budapest noch Prag, Warschau oder München wurden zu dem damaligen Zeitpunkt von EK angeflogen. Martin Gross: „Was uns am Leben hält, ist die Fracht. Die Maschinen aus Wien sind sehr gut gebucht, bis zu 30 Tonnen pro Flug.“ Auch das Preisniveau im Cargo-­Bereich habe sich erholt: „Es ist besser als im Jänner.“ Von früheren Margen sei es allerdings noch weit entfernt.  

In der Passage gab es im April erste Expat-Flüge „auf relativ geringem Niveau. Dann kamen mehr und mehr Destinationen im Passagierbereich dazu.“ Mit 15. Juni wurde der Transit-Bereich des Dubai Inter­national Airport geöffnet, seit 7. Juli ist DXB wieder komplett offen. Aktuell steuert Emirates über 80 Destinationen an (vor Corona waren es 150), wobei jeden Tag weitere hinzukommen. Martin Gross: „Bis Sommer 2021 werden wir wieder alle anbieten, wenn auch mit geringerer Frequenz.“ 

Seit 18. Juni wird Wien wieder mit Passagier-Flügen angesteuert, vorerst viermal pro Woche mit Boeing 777-300ER (vor Corona waren es zwei tägliche Rotationen, eine davon mit dem Airbus A380). Anfangs saßen nur 10 bis 15 Passagiere in den Fliegern, doch ab Ende Juni waren die hereinkommenden Maschinen „relativ voll“. Aktuell gebe es „Flüge mit 60 bis 150 Passagieren“, so Martin Gross. Auch der Quellmarkt Österreich kommt langsam wieder: „Vor allem Geschäftsleute oder Leisure-­Reisende für die Malediven oder welche, die ein bis zwei Wochen Dubai genießen wollen.“

Hinderlich seien die Reisewarnungen und -beschränkungen, wobei Gross betont, dass es „keinen Flug von irgendwo nach irgendwo mit Emirates gibt, ohne maximal 96 Stunden alten negativen Covid-Test, für RückkehrerIn­nen maximal 72 Stunden.“ Und: „Für jeden Passagier, der angesteckt wird, übernimmt Emirates sämtliche Kosten inklusive des mitreisenden Partners.“ Diese Maßnahme wurde vor kurzem bis 31. Dezember 2020 verlängert.  

Stolz sind Martin Gross und sein Team darauf, dass „Wien eine der wenigen Destinationen sowohl in der Passage als auch in der Fracht ist, wo wir (fast) die einzigen sind, die Fernstrecke fliegen“. Neben dem Homecarrier Austrian tun dies derzeit nur Ethiopian und Qatar. 

Martin Gross: „Wir halten die Organisation am Laufen, die KundInnen und Reisebüros zur Verfügung steht.“ Derzeit sind immer Mittwoch alle MitarbeiterInnen im Büro, montags und dienstags „covert die eine Hälfte, donnerstags und freitags die andere“. Das Emirates-Team befindet sich zu 30 % in Kurzarbeit, wobei die Verlängerung bis Ende März beantragt wurde. 

Ein wichtiges Thema aus Sicht von KundInnen und Vertrieb ist der Refund. Seit Juli können ihn Reise­büros wieder über den BSP (Billing and Settlement Plan) beantragen „und KundInnen das Geld sofort geben“. Davor war der Refund ausschließlich mit Application möglich. Die KundInnen haben die Wahl, ob sie sich für einen Refund entscheiden oder einen Voucher akzeptieren, der zwei Jahre gültig ist und zu jedem Zeitpunkt unabhängig von der Saison oder Destination genutzt werden kann. Dies gilt für Tickets, die bis 30. September ausgestellt wurden. Alle seither ausgestellten Tickets sind ebenfalls ohne Kosten umbuchbar, allerdings muss zur selben Destination geflogen werden. 

Und wie steht es um die Rückkehr des Airbus A380 nach Wien? Emirates ist bekanntlich „mit Abstand der größte Betreiber“ (115 Stück). Martin Gross: „Wenn das Geschäft zurückkommt, wird er wieder eine Rolle spielen. Es ist ein gutes Flugzeug, die KundInnen wollen damit fliegen.“  

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