Eurowings

Auf Weg zu Europas Nummer 3
Low Cost mit High-Speed Wachstum

Print-Ausgabe 3. November 2017

Mit Übernahme wesentlicher Teile der Airberlin-Flotte – easyJet erhielt Ende voriger Woche als einziger Mitbieter um 40 Mio. Euro den Zuschlag für 25 Airbus A320 sowie Start- und Landerechte für Berlin Tegel (TXL) – sind Lufthansa-CEO Carsten Spohr und Eurowings-Vorstand Thorsten Dirks ihrem Ziel, die Billig-Tochter Eurowings innerhalb von nur drei Jahren als Nummer 3 auf Europas Low Cost-Himmel zu etablieren, ein großes Stück näher gekommen. Die Marschrichtung stimmt – auch finanziell.

So wird im Zwischenbericht des Kranich-Konzerns für den Zeitraum Jänner bis September 2017 für Eurowings (ohne Brussels) ein Umsatz-Zuwachs um 28,9 Prozent auf 2,013 Mrd. Euro ausgewiesen, das EBIT (Ergebnis vor Zinsen und Steuern) drehte sich von -24 Mio. Euro im Vergleichszeitraum 2016 auf nunmehr plus 129 Mio. Euro (um Sondereffekte bereinigt sind es 130 Mio. Euro). Die Zahl der Eurowings-Passagiere legte seit Jahresbeginn 2017 um 29,1 Prozent auf 17,68 Mio. zu, der Sitzladefaktor verbesserte sich um rund 1 Punkt auf 81 Prozent. Einzig die Durchschnittserlöse sind rückläufig (von 10,3 Euro-Cent im Vergleichszeitraum 2016 auf nunmehr 9,2 Euro-Cent inkl. Brussels gefallen; Brussels alleine kommt auf 8,2 Euro-Cent). Die Weichen für dieses starke Wachstum wurden Ende vorigen Jahres gestellt, als mit der bereits schwer angeschlagenen Airberlin ein Wet-Lease Vertrag über 33 Flugzeuge samt dazugehörender Crews abgeschlossen wurde. Bis Ende September 2017 waren davon 31 Jets in die EW-Flugpläne integriert. Damit ist die Eurowings-Flotte gegenüber Ende 2016 (damals betrieb sie 34 Jets) auf 65 angewachsen.

In den nächsten Monaten – falls die Kartellbehörden grünes Licht erteilen – kommt es zu einer weiteren massiven Expansion. Im Zuge des 210 Mio. Euro schweren Airberlin-Deals wird bekanntlich NIKI übernommen, wodurch 21 Airbus A321 zur Flotte stoßen (die Marke NIKI wird dann verschwinden). Ebenso kommen die 20 Bombardier Dash 8 Q400 Turboprops der LGW (Luftfahrtgesellschaft Walter) hinzu. Darüber hinaus werden die von Airberlin stammenden Wet-Lease-Verträge mit TUIfly neu verhandelt, wobei Lufthansa nur jene sieben der 14 Boeing 737 übernehmen will, die derzeit für NIKI unterwegs sind. Sie werden ebenfalls die Eurowings-Flotte stärken, wie Thorsten Dirks vorige Woche bei einem Fachgespräch in Wien erklärte.

Unter dem Strich wechseln also 81 Flugzeuge von Airberlin zu Eurowings (es handelt sich um die 33 bereits im Wet Lease erworbenen Maschinen plus 21 NIKI-Jets, 20 Turboprops sowie 7 Boeing 737 im Wet Lease von TUIfly). Damit erreicht Eurowings künftig eine Größenordnung von 115 Flugzeugen (ohne Brussels), womit sie erstmals auf Augenhöhe mit der IAG-Low Cost Tochter Vueling (107 Jets) liegt, der bisherigen Nummer 4 unter Europas Low Cost-Elite. Die Nummer 3, Norwegian, ist mit aktuell 147 Maschinen (durch die Bank Jets) allerdings noch ein paar Schuhnummern größer. Noch; denn die weitere Eurowings-Marschrichtung ist bereits fixiert: die Claims dazu befinden sich in Italien, wo der Kranich-Konzern mit 500 Mio. Euro in das Bieter-Rennen um die Alitalia-Verwertung eingestiegen ist (sie soll im Frühjahr 2018 abgeschlossen werden). Interpretiert man den aktuellen Lufthansa-Zwischenbericht richtig, so ist die Übernahme der 44 Airbus A320 sowie von fünf Airbus A330-200 aus den Alitalia-Beständen geplant.

Zusammen mit Brussels würde das Point-to-Point Geschäftsfeld der Lufthansa Group dann auf 210 Flugzeuge kommen. Nur noch Ryanair (392 Boeing 737) und easyJet (279 Airbus A319 und A320, zuzüglich der 25 Airberlin-Jets) sind noch größer. Sie dürften es allerdings – bis auf weiteres – auch bleiben. 

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Erstellt am: 03. November 2017

Bild (c) Eurowings

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