Snow-Farming

Erfolgsrezept zum Saisonstart
Der Schnee, der aus der Wärme kam

Print-Ausgabe 26. Februar 2016

 Melanie Altenberger (Bergbahnen Saalbach) und Elias Walser (TVB Ramsau)

Das Anlegen von Schnee-Depots für einen frühen Winterstart gewinnt an Bedeutung – Destinationen, die darauf setzen, verbuchen nachweisbare Erfolge

Als Ende Jänner die Tourismusstatistik der ersten beiden Wintermonate 2015/2016 publiziert wurde, ragte in Tirol die Olympia-Region Seefeld einsam heraus (Gästeplus 30,8 Prozent, 8,3 Prozent mehr Nächtigungen). Für diesen Erfolg – Tirol verbuchte -3 Prozent, von den 34 TVB waren 25 negativ – zeichnete vor allem eine Maßnahme verantwortlich: „Snow-Farming“, durch das zu Saisonbeginn eine 1,5 km lange Loipe angelegt werden konnte und Langlaufteams aus aller Welt ab November beste Trainingsbedingungen vorfanden.

Auch anderorts greift man mittlerweile auf das Anlegen von Schnee-Depots zurück, um dann im Winter frühzeitig in die Saison starten zu können – nicht nur für den Massenbetrieb, sondern um die Nachfrage von Ski-Clubs und Rennteams aus den nordischen und alpinen Disziplinen befriedigen zu können. „In Alta Badia haben wir auf diese Weise zwei Hotels gefüllt“, sagt Christian Steinbach, Gründer von Steinbach Alpin, dem einzigen österreichischen Anbieter und technisch führenden Unternehmen im Bereich des „Snow Farming“.

In Österreich setzt Hochfilzen mit seinem Schneedepot in der Nähe des Biathlonstadions bereits seit Jahren auf das Potential der Schnee-Depots, Ramsau am Dachstein kann auf diese Art seit 2013 einen frühen Langlauf-Saisonstart garantieren. Andere Regionen wie Kitzbühel, Saalbach-Hinterglemm und Sölden nutzen „Snow-Farming“, um frühzeitig optimale Trainingsmöglichkeiten für Alpin-Skifahrer zu bieten und Veranstaltungen („Formula Snow“ in Saalbach, Weltcup-Auftakt in Sölden) abzusichern.

„Ohne diese Maßnahme hätten 2014 die Rennen abgesagt werden müssen“, betonte damals Hansjörg Posch, Geschäftsführer der Bergbahnen Sölden. Über 250.000 m³ Schnee werden dort über den Sommer konserviert, wobei dies auch mit Gletscherschutz zu tun hat.

Am Ende der Skisaion wird der Schnee am Gletscherrand mit Pistenraupen zusammengeschoben und zusammen mit Teilen des Gletschers – aufbauend auf dem Prinzip des natürlichen Kältespeichers – gegen Abschmelzen abgedeckt. Zwischen 4 und 5 ha werden dazu mit weißem, Sonne reflektierendem Vlies zugedeckt. „Dort wurde der Gletscher durch Schnee-Depots um fast 1 Kilometer verlängert“, sagt Christian Steinbach.

Derartige Mengen sind die Ausnahme. In Seefeld etwa wurden im März 2015 rund 6.000 m³ technischer Schnee fachgerecht aufbewahrt. Anfang November wurde daraus eine 1,5 km lange und 6 Meter breite Loipe errichtet, mit dem eingangs erwähnten Nächtigungseffekt.

In Ramsau am Dachstein wird Snow-Farming bereits die dritte Saison aktiv betrieben (1,5 km Loipe sowie 98 Meter-Skisprungschanze). „Wir arbeiten laufend an Verbesserungen, wie Lagerplatz, Folie, Dämmmaterial, Haufen-Form, etc.“, so Elias Walser, Geschäftsführer des TVB Ramsau.

In Hochfilzen werden rund 8.000 m³ Depotschnee den Sommer hindurch konserviert, sodass alljährlich Mitte Dezember der Biathlon-Weltcup mit 290 Athleten aus 33 Nationen problemlos auf der 3,3 km langen Loipe abgehalten werden kann.

Seine Premiere feierte „Snow Farming“ für die Saison 2015/2016 in Kitzbühel am 1.900 m hohen Resterkogel. Dazu wurden im Frühjahr 25.000 m³ Schnee über den Sommer konserviert, wodurch ab Ende Oktober am Resterkogel eine 40 cm dicke, perfekt präparierte Piste für das Training von Ski-Clubs zur Verfügung stand.

Saalbach-Hinterglemm setzt seit dem Jahr 2009 auf Schneedepots. Für heuer wurden am Ende des Winters 2014/2015 laut Melanie Altenberger, Marketing-Managerin der Bergbahnen Saalbach Hinterglemm, knapp 15.000 m³ Schnee eingelagert, um zu Saisonbeginn 2015/2016 die Pisten für das Snowmobil-Rennen „Formula Snow“ optimal präparieren zu können und im Talbereich für ausreichend Schnee an Übungsliften, Skiwegen etc. zu sorgen.

Aufgrund der positiven Erfahrungen in den Pionier-Orten ist davon auszugehen, dass „Snow-Farming“ in wenigen Jahren in den meisten Destinationen zur Regel wird. Laut Gitti Weber, Geschäftsführerin von Steinbach Alpin, belaufen sich die Konservierungskosten über den Sommer pro m³ Depot-Schnee auf rund 1,50 Euro. Ramsau-Tourismusdirektor Elias Walser: „Es gibt einige Investitionen, die nur einmalig anfallen – die Folie z. B. sollte mindestens fünf Jahre halten. Die variablen Kosten und der Anteil der Investitionen belaufen sich dann für ein Schneelager mit 20.000 m³ auf ca. 25.000 Euro.“

Bezieht man alle Kosten mit ein, inklusive der Produktion von technischem Schnee, ist es deutlich mehr. In Seefeld etwa wurden die Kosten im Vorjahr mit 70.000 Euro beziffert, in Sölden „geht das schon an die eine Million Euro“, so Hansjörg Posch. In Saalbach-Hinterglemm werden die Kosten für einen m³ Depot-Schnee mit rund 11 bis 12 Euro beziffert (Produktion und Konservieren).

Wobei Christian Steinbach eines zu bedenken gibt: „Nicht zu vergessen ist, dass durch den Depotschnee viel Energie gespart wird, da der Schnee ja bereits produziert wurde.“

Wie auch immer, es ist gut investiertes Geld: Seefeld konnte sich heuer im Zeitraum November/Dezember über knapp 16.000 mehr Nächtigungen freuen, Kitzbühel verbuchte ein Plus von 5,2 Prozent, Hochfilzen plus 1,9 Prozent. In Ramsau am Dachstein waren die November-Nächtigungen 2015 zwar „schlechter, weil wir ein großes Event nicht mehr hatten“, so Tourismusdirektor Elias Walser, einen positiven Impuls zum Saisonstart gab es aber allemal.

Im Falle von Sölden spielt noch ein weiterer Faktor mit hinein: Der dortige Weltcup-Auftakt hat traditionell Signal-Wirkung für den Start der Buchungs-Nachfrage in den Wintersportregionen und für Einkäufe im Wintersport-Handel – dank „Snow-Farming“ mit Garantie. 

Snow-Farming in Sotschi mit 57.000 m³ Schnee

Snow-Farming in Sotschi mit 57.000 m³ Schnee

Abdecken des Schneedepots

Abdecken des Schneedepots

Schneedepot Steinbach Alpin

Schneedepot Steinbach Alpin

Hightech für die Übersommerung

Beim Snow-Farming werden im März/April Schneelager mit Sägespänen, Holzschnitzel sowie speziellen Vliesfolien zugedeckt und über den Sommer hindurch konserviert. So bleiben bis Ende Oktober ca. 70 bis 80 Prozent des Schneevolumens erhalten. Erste Versuche, Schnee durch besondere Einlagerungsmethoden den Sommer hindurch zu erhalten und für einen gesicherten Saisonstart zu nutzen, gab es Mitte der 1980er Jahre in Finnland.
Technisch perfektioniert wurde das Depot-Management durch die Kitzbüheler Firma Steinbach Alpin, dessen Gründer Christian Steinbach im Weltcup-Zirkus mit dem von ihm entwickelten Injektionssprühbalken die Pistenpräparation revolutioniert hat („Steinbach Methode“) und eng mit dem in Davos ansässigen Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF zusammenarbeitet. Das Schnee-Depot Knowhow von Steinbach ist weltweit gefragt, in Russland (Sotchi) ebenso wie in Korea, Frankreich, Norwegen und Südtirol. Neu hinzugekommen sind Polen und die Türkei.

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Erstellt am: 26. Februar 2016

Foto: Nachweisbare Erfolge mit Schnee-Depots: Melanie Altenberger (Bergbahnen Saalbach) und Elias Walser (TVB Ramsau)

Wolfgang Orthofer
10. 4. 2016
Snowfarming
Kann diesen Artikel nur zustimmen. In St. Jakob im Walde Oststeiermark auf der Joglland Loipe werden seit zwei Jahren Schneedepots angelegt, mit der zusammenarbeit von Davos.
Wir haben ca 4000 m³ Schnee mit 50 cm Sägespäne abgedeckt und hatten vorigen Sommer 25 % Verlust.
die Nächtigungen in der Region Stiegen dadurch um einige Prozent.Haben mit dem Schnee am 27 November 2015
1,5 km Loipe 6 m breit gespurt.

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