Kleinwalsertal

Einigung im Bergbahnen-Streit
David und Goliath friedlich vereint

Print-Ausgabe 25. März 2016

Seit dem Volksvotum gegen eine talüberspannende Panoramabahn herrschte lange Funkstille – nun wollen beide Kontrahenten an einem Strang ziehen

Im Vorarlberger Kleinwalsertal (Vorjahr rund 192.000 Ankünfte, knapp 937.000 Nächtigungen) bündeln die Kleinwalsertaler Bergbahn AG (KBB) und die Heuberg Skiliftbetrieb GmbH ihre Kräfte. Sie haben dazu die „Skiliftgesellschaft links der Breitach“ (so der vorläufige, sperrige Projektname) gegründet. Beide sind mit je 50 Prozent beteiligt. Die Heubergarena im Zentrum des Kleinwalsertales, das im Süden gelegene Walmendingerhorn und der Ifen im Westen werden so zu einem geschlossenen Skigebiet. 30 Mio. Euro werden in einem ersten Schritt in den kommenden zwei Jahren investiert. Damit findet ein jahrelanger erbitterter Streit, in dem sich die KBB und die Heuberg-Arena als Kontrahenten gegenüberstanden, ein erfreuliches Ende.

Die Vorgeschichte: Die Heuberg-Arena mit sieben Liftanlagen, 11,8 Pistenkilometern und einem Umsatz von zuletzt 1,47 Mio. Euro, liegt wie ein „Missing-Link“ zwischen den drei Skibergen (Walmendingerhorn, Ifen und Kanzelwand) der Kleinwalsertaler Bergbahn. Sie steht im Besitz der Walser Raiffeisen Holding, der Allgäuer Überlandwerke und der Energieversorgung Kleinwalsertal und erzielte zuletzt einen Umsatz von 11,71 Mio. Euro, betreibt 18 Bergbahnen bzw. Lifte und bietet 58 Pistenkilometer.

Als die Kleinwalsertaler Bergbahn vor fünf Jahren das Walmedinger Horn und den Ifen mit einer 2,5 km langen, das Schwarzwassertal überspannenden Panoramabahn verbinden wollte, liefen große Teile der Bevölkerung dagegen Sturm – so auch die Hoteliers-Familie Haller (u.a. Aparthotel Kleinwalsertal), ihres Zeichens Eigentümerin der Heuberg Skiliftbetriebe.

Zusammen mit Gleichgesinnten traten die Hallers im Sinne des Qualitätstourismus und der Umwelt auf den Plan, sprachen sich für „sanfte“ Liftverbindungen, eine Verlängerung des Parsennlifts (Heuberg Skiliftbetriebe) sowie eine Modernisierung am Ifen (KBB) aus und brachten mit einer Volksabstimmung, die im Oktober 2012 gegen die Panoramabahn ausging, das 38 Mio. Euro teure Projekt zu Fall. 55 Prozent der Bevölkerung sprachen sich gegen das KBB-Vorhaben aus.

Danach herrschte fast drei Jahre Funkstille. Erst 2015 begannen die Gespräche zwischen Anton und Robert Haller auf der einen, sowie den KBB-Gesellschaftern Andreas Gapp (Walser Raiffeisen Holding) und Michael Lucke von den Allgäuer Überlandwerken. Ende Februar 2016 kam es zur nunmehrigen Einigung.

In einem ersten Schritt werden um 30 Mio. Euro die veralteten Anlagen auf dem Ifen erneuert (u.a. Bau der neuen durchgehenden 6er Sessel-„Olympiabahn“ auf den Gipfel, neue Beschneiungsanlage inkl. Speicherteich sowie Trink- und Abwasserleitung). 2017 werden die Hahnenköpflbahn (derzeit 2er Sessellift) und der Ifen-Schlepplift durch eine 10er Kabinenbahn mit Mittelstation ersetzt. Andreas Gapp: „Es gibt einen gravierenden Aufholbedarf in Qualität und Schneesicherheit.“

Die eigentliche Skiverbindung zwischen Ifen, Heuberg und Walmendingerhorn – derzeit nur durch einen Pendelbus gegeben – soll in spätestens drei bis vier Jahren fertig gestellt sein. Wie sie aussehen wird, steht noch in den Sternen. Eines ist aber fix: Eine das Schwarzwassertal überspannende Panoramabahn wird es mit Sicherheit nicht. 

Die Heubergarena, das Walmendingerhorn und der Ifen sind Teil der neuen „Skiliftgesellschaft links der Breitach“
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Erstellt am: 25. März 2016

Foto oben: Die Köpfe der neuen Gesellschaft (v.l.): Hermann Haller, Augustin Kröll, Toni Haller, Robert Haller, Andreas Gapp, Michael Lucke © Skiliftgesellschaft links der Breitach

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