ÖHV (Österreichische Hotelvereinigung)

Konkrete Ziele für den „Plan-T“. ÖHV ließ sie vom WIFO erstellen

Print-Ausgabe 12. Dezember 2025

Sie gelten als Messlatte für den in Überarbeitung befindlichen Masterplan – 20 Indikatoren legen Zielgrößen für 2035 fest, welche die Erfolge messbar machen

Um einen Orientierungsrahmen für die künftige Entwicklung des Tourismus zu schaffen, ließ die ÖHV (Österreichische Hotelvereinigung) unter Generalsekretär Markus Gratzer im Oktober dieses Jahres beim WIFO (Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung) eine Kurzstudie erstellen. Darin wurden wirtschaftliche, soziale und ökologische Indikatoren festgelegt, die als Leitmarken für den ‚Plan T – Masterplan für Tourismus‘ dienen. Dieses bereits sechs Jahre alte Strategiepapier der Bundesregierung soll bekanntlich überarbeitet werden (mehr dazu auf Seite 33 dieser T.A.I.). Folgende volkswirtschaftliche Ziele, die bis 2035 erreicht werden sollen, sind von der ÖHV und dem WIFO festgelegt worden:

  • Die Touristische Wertschöpfung laut TSA (Tourismus-Satellitenkonto) pro Vollzeitäquivalent soll von aktuell 89,3 % auf 97,3 % steigen, um eine höhere volkswirtschaftliche Rentabilität zu erreichen;
  • Die Steigerung der Wertschöpfung in Beherbergung und Gastronomie je Arbeitsstunde. Sie soll von 60,2 % auf 64,5 % ansteigen;
  • Der Überhang der Reiseverkehrs­exporte soll auf 35 % angehoben werden. Zuletzt waren es mit 15,1 % nicht einmal halb so viel. Vor der Pandemie erreichte der Wert zwischen 25 % und 30 %;
    Offene Stellen in Beherbergung und Gastronomie sollen sinken. Zuletzt waren es in der Hotellerie 47.000, bis 2035 sind 25.000 das Ziel;
  • Die Zahl der Arbeitslosen je offener Stelle (zuletzt 1,9 in der Beherbergung) soll auf 0,6 sinken;
  • Die Reduktion der Abhängigkeit von einzelnen Herkunftsmärkten ist ebenfalls ein Ziel. Laut dem „Herfindahl“-Index, benannt nach dessen Erfinder, belief er sich zuletzt auf 0,26. Künftig sollen es 0,23 sein. Zum Vergleich: Kroatien kommt auf 0,11, Spanien auf 0,22. Andere Länder, wie Deutschland (0,74), Italien (0,34) oder die Schweiz (0,47), erzielen höhere Werte, nicht zuletzt aufgrund des hohen Anteils an Inlandsurlauber:innen;
  • Die Absenkung der Saisonalität: In den vier Hauptmonaten Februar und März sowie Juli und August liegt sie aktuell bei 47,7 %. Sie soll auf 45 % sinken;
  • Die Steigerung der Aufenthaltsdauer von 3,3 auf 3,5 Tage sowie
  • die Anhebung der Bettenauslastung, die in Hotels und ähnlichen Betrieben von 42,8 % in 2018/2019 auf 51 % im Tourismusjahr 2034/­2035 steigen soll.
  • Die Zielindikatoren werden durch den Ampelindikator „Investitionen in Beherbergung und Gastronomie“ (gemessen an den Umsatzerlösen) ergänzt. Sie erreichten 2023 rund 12 %, was dem untersten Wert entspricht, wenn die Ampel auf „gelb“ steht (bis 13,5 %). Der Tiefstwert stammt aus 2014 mit etwas mehr als 8 % (also „rot“). Die Spitze wurde 2021 mit fast 16 % („grün“) erreicht. Nur in den Pandemiejahren 2021 und 2022 stand die Ampel auf „grün“, davor war sie durchgehend auf „rot“, mit Ausnahme von 2009 (damals wurden 12,5 % erreicht). Zielindikator wurde keiner festgelegt, der bis 2035 erreicht werden soll. Grund: Der „Ampelindikator“ zeigt die Abweichungen, die als „Warnsignale“ von der Tourismuspolitik gewertet werden sollen.

Dazu kommen im Bereich der „sozialen“ Indikatoren die Tourismusakzeptanz (Zielwert für 2035 sind +50, im Vorjahr wurden +38 erreicht), die Steigerung der Bruttogehälter in Beherbergung und Gastronomie je Arbeitsstunde in % zu anderen Wirtschaftsbereichen (aktuell sind es nur 60,1 %, ab 2035 sollen es 66,3 % sein), Senkung des „Gender Pay Gap“ von aktuell 7,8 % auf 5 % (zum Vergleich: in der Gesamtwirtschaft ist er mit 18,3 % erheblich höher), Erhöhung der dauerhaft bzw. ganzjährig Beschäftigten in Beherbergung und Gastronomie von 85,4 % auf 90 %, Anhebung der Tourismuslehrlinge von 6,9 % auf dann 9 %, sowie die Verbesserung der Studienabschlüsse in % aller Absolventen in Österreich (bei FHs von 0,9 % auf 1,5 %, bei Unis von 0,3 % auf 0,6 %).

Abgerundet wird dies durch vier Indikatoren im Bereich „Ökologie“. Der Ausstoß an Treibhausgasen soll gesenkt werden, der Anteil erneuerbarer Energien in der Hotellerie auf 95 % klettern (in der Gastronomie sind es bereits 61 %, wobei dieselbe Zielgröße definiert wurde, die 2035 erreicht werden soll). Gleichzeitig soll der Energieverbrauch bei Beherbergungsbetrieben gegenüber 2019 von 9,3 kWh auf 2,7 kWh gesenkt, der Anteil an Betrieben mit Umweltzeichen von 2,8 % auf 15 % angehoben werden.

Soweit zu den Indikatoren. Wobei laut Markus Gratzer „die Datenlage sehr mangelhaft“ und „die Ableitung einzelner Indikatoren daher derzeit nicht möglich“ ist. Inwieweit diese Zielwerte in den künftigen „Plan-T“ einfließen, wird sich weisen.

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