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Immobilien-Krise

Großhotelier Soravia Group in Schwierigkeiten? Hospitality als vielversprechender Ausweg

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Seit die Soravia Group Ende April 2025 auch die 42 % Anteile am Arlberg Hospiz Hotel von Florian Werner übernahm (er ist der Sohn des früheren Hospiz-Eigentümers Adu Werner), hat sie mit einer Gesamtbeteiligung von über 97 % nahezu die vollständige Eigentümerschaft übernommen. Kurz zuvor wurde eine Partnerschaft mit der Investmentfirma „Limestone Capital“ bezüglich der „Loisium Holding“ eingegangen, an der die Soravia Group seit Ende 2022 beteiligt ist. Da stellt sich die Frage, in welcher Form die Soravia Group in der Hotellerie tätig ist, wie viele Hotels sie aktuell betreibt und wie es um die Finanzen des Immobilien-Riesen steht. Bekanntlich befindet sich die Immobilien-Branche seit längerem in einer Schieflage.

Einstieg in die Hotellerie und Ausbau des Hospitality-Engagements

Aufgebaut wurde die Soravia Group ab 1989 von den beiden Brüdern Hanno (64) und Erwin (58) Soravia. Es folgte ein Immobilien-Boom, den beide geschickt nutzten. Der Einstieg in die Hotellerie erfolgte 2001, als die Soravias das Hilton Vienna erwarben (2008 wurden 75 % an die RZB / Raiffeisen Zentralbank verkauft, die vier Jahre später die verbliebenen 25 % übernahm).

Ab 2021/2022 erfolgte der strategische Ausbau des Hospitality-Geschäfts in großem Umfang, wobei Soravia zu diesem Zeitpunkt bereits acht Hotels mit rund 1.400 Zimmern verwaltete. Im Februar 2022 wurden Beteiligungen am Hospiz Hotel am Arlberg abgeschlossen, im Oktober desselben Jahres erfolgten jene an den Loisium Hotels und zwar zusammen mit „mDrei“ (diese 2008 gegründete Holding- und Beteiligungsgesellschaft gehört zu je einem Drittel dem früheren InterCont-Manager Michael Regner und gründer des Beratungsunternehmens MRP Hotels sowie dessen MRP-Partnern Martin Schaffer und Mustafa Özdemir). Soravia und „mDrei“ riefen dafür die „Xenios Hospitality Holding“ ins Leben.

Das aktuelle Portfolio

Heute betreibt Soravia rund 91 Hotels inklusive Beteiligungen mit über 6.300 Zimmern. Weitere 5.500 Zimmer sind in Entwicklung. Das Portfolio umfasst neben Loisium auch die aktuell 20 Ruby Hotels (davon drei in Wien), die heuer eine strategische Kooperation mit dem Hotelkonzern IHG (InterContinental Hotels Group) eingingen, die Start-up Marke NUMA (Hotels in 13 Ländern, u.a. 7 in Salzburg und 3 in Wien), das 4-Sterne Bonvecchiati Hotel in Venedig sowie das erwähnte Hospiz am Arlberg.

Die Soravia Group sieht ihr Engagement in der Hotellerie als wichtigen und wachstumsstarken Geschäftsbereich, nicht zuletzt da diese ihre „langfristige Diversifikation und Umsatzbasis erheblich stärkt“, wie betont wird.

Stillstand am Arlberg, Dynamik mit Wein

Das Arlberg Hospiz Hotel ist allerdings seit Beginn der Pandemie 2020 geschlossen und hat seither nicht wieder eröffnet. Die geplanten Arbeiten im Ausmaß von etwa 60 bis 80 Mio. Euro (die Bettenzahl sollte von bislang 303 auf 384 erhöht werden) wurden aufgrund bürokratischer Hürden und einer Betten-Obergrenze durch die Landesregierung Tirols gestoppt. Jetzt soll ab Herbst 2025 das rund 600 Jahre alte Traditionshaus inklusive Ausbau auf etwa 240 Betten umgebaut werden, samt Wellnessbereich und Konferenzzentrum. Investiert werden jetzt rund 100 Mio. Euro, mit Ziel einer Eröffnung zur Wintersaison 2025/26.

Bei den Loisium Hotels sind bis zu 10-15 weitere Häuser in renommierten Weinregionen – darunter Bordeaux, Toskana, Rioja, Napa Valley und Stellenbosch – über einen Zeitraum von sieben Jahren vorgesehen. „Limestone Capital“ als 60 % Mehrheitsgesellschafter bei Loisium hat in diesem Zusammenhang über 100 Mio. Euro für vier neue Hotels in Italien und Frankreich bereitgestellt.

Erhebliche Schwierigkeiten durch die Immobilienkrise

Nicht verheimlicht werden darf, dass die Soravia Group durch die anhaltende Immobilien- und Finanzierungskrise in erhebliche Schwierigkeiten geraten ist. So zogen einige Banken direkt nach der Pleite des „Signa Konzerns“ die Finanzierung für mehrere Soravia-Projekte zurück, mit dem Resultat, dass diese Vorhaben abgesagt wurden und Soravia millionenschwere Pönale-Zahlungen leisten musste. Die deutsche Finanzierungstochter „SC Finance Four“ von Soravia schlitterte nicht zuletzt dadurch im März 2024 in die Insolvenz.

Die Ursache für die Krise liegt primär in gestiegenen Baukosten, massiv erschwerten Finanzierungen und einem Markteinbruch bei Immobilienentwicklungen. Insgesamt wird vom Soravia-Management betont, dass die Gruppe auf einem „stabilen Fundament“ stehe und das Unternehmen keine laufenden Bauprojekte gestoppt habe. Ebenso verfüge es über eine gesunde operative Basis in anderen Bereichen (v.a. Property- und Facility-Management, Hospitality) und erfülle sämtliche Bankverpflichtungen.

Wirtschaftliche Erholung möglich, vor allem durch die Hospitality

Zusammenfassend sei am Ende festgehalten, dass all diese weiter oben getroffenen Einschätzungen auf Analysen bis Anfang 2025 basieren. Was fehlt, sind vollständige und öffentliche Unternehmensbilanzen nach Abschluss der Restrukturierungsmaßnahmen (der letzte Jahresbericht bezieht sich auf 2022, der neueste Jahresabschluss stammt von 2023). Die Hoffnung bleibt, dass die Diversifikation und aktive Sanierungsmaßnahmen eine nachhaltige wirtschaftliche Erholung ermöglichen – nicht zuletzt durch das Engagement im Bereich der Hospitality.

Interessant sind ergänzend dazu folgende weiterführende Berichte:
„Alpine Hospitality Summit 2025“

Keine grauen Haare trotz vieler unerfreulicher Hotellerie-Themen

13. Juni 2025 | Hotellerie

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