T.A.I. Werbe Grand Prix
ÖHV (Österreichische Hotelvereinigung)

„Die Verwaltung Österreichs ist in einer alten Bürokratie erstarrt!“

Print-Ausgabe 15. Jänner 2026

Walter Veit (l.) und Markus Gratzer (r.) freuen sich auf den ausverkauften ÖHV- Kongress im Design Center Linz (© Fotos: Florian Lechner, ÖHV)

Es war noch nie das Fall, dass die Ferien-Messe Wien und der Hotelkongress der ÖHV (Österreichische Hotelvereinigung) zeitmäßig kollidieren. Heuer, also 2026, ist es erstmals soweit, wobei vor allem der Fachbesucher-Tag der Ferien-Messe Wien sowie der Donnerstag des ÖHV-Kongresses betroffen sind. T.A.I. kam diesbezüglich die neue Zugehörigkeit zum Österreichischen Wirtschaftsverlag gelegen: Denn durch den Chefredakteur der ÖGZ – Österreichische Gastronomie- & Hotel-Fachzeitung, Alexander Grübling, ist die T.A.I. auf dem ÖHV-Kongress bestens vertreten. Sein Bericht dazu erscheint auf www.tai.at. Was sich alles auf dem Kongress tun wird, wo dessen Schwerpunkte liegen und wie die Erwartungshaltung aussieht, darüber sprachen im Vorfeld ÖHV-Präsident Walter Veit und Generalsekretär Markus Gratzer mit T.A.I.

Der Hotelkongress – er ist mit 600 Teilnehmer:innen im Design Center Linz ausverkauft – steht heuer unter dem Motto „Simplicity – einfach(er) machen“. Es geht dabei um die strategische Modernisierung der österreichischen Hotellerie, mit Fokus auf Prozessoptimierung, Integration der KI (Künstliche Intelligenz) sowie Reduktion der Komplexität, um mehr Effizienz in den Hotels zu erreichen. All diese Themen standen auch im Mittelpunkt des traditionellen „Get-together“, der zum Auftakt des Hotelkongresses über die Bühne ging, samt „Polit-Talk“ mit Tourismus-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner, dem Staatssekretär für Deregulierung Sepp Schellhorn sowie Wolfgang Peschorn, dem Präsidenten der Finanzprokuratur. Diese ist zwar im Finanzministerium angesiedelt, vertritt und berät den Staat sowie andere öffentliche Einrichtungen in Rechtsfragen, agiert aber vollkommen weisungsfrei, wie Walter Veit und Markus Gratzer im Interview betonten.

T.A.I.: Wolfgang Peschorn spricht in seiner Key Note zum Thema „Politik & Gesetze – einfach(er) machen“. Ist er dafür der richtige Ansprechpartner?

Markus Gratzer: „Ja, der frühere Kurzzeit-Finanzminister (Anm.­d.Red.: Peschorn gehörte von Juni 2019 bis Jänner 2020 der seinerzeitigen Expert:innen-Regierung an) hat einen tollen Blick auf den Staat Österreich, wie er funktioniert und wo er nicht funktioniert. Die Verwaltung Österreichs ist ja in einer mehr als 200 Jahre alten Bürokratie erstarrt, sie ist wie rostige Leitungen in einem Jahrhundertwendehaus. Die Frage, die sich stellt, lautet: Wie kann man all das in die heutige Zeit transformieren. Es gibt offensichtlich zu wenig Leadership in Österreichs Regierung, um wirklich etwas zu verändern.“

Walter Veit: „Es geht um ein Wachrütteln! Die seinerzeitige Monarchie, für die diese Verwaltung geschaffen wurde, hatte 52 Mio. Einwohner:innen.“

Markus Gratzer: „Wir müssen überall einfacher werden. Und auch rechtzeitig Dinge beschließen. Die erst Mitte Dezember 2025 verlautbarte Steuerbegünstigung der Überstunden (Anm.d.Red.: ab 2026 werden bis zu 15 Überstundenzuschläge pro Monat in Höhe von maximal 170 Euro nicht besteuert) kam viel zu spät ...“

Walter Veit: „Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wollen ja bereits im Herbst wissen, wie viel sie in der Wintersaison netto verdienen werden. Außerdem sind diese 15 Stunden ein Rückschritt, denn 2024 und 2025 galt für bis zu 18 Überstunden ein befristeter Freibetrag von 200 Euro monatlich. Die höheren Kosten bleiben wie immer bei den Unternehmer:innen.“

T.A.I.: Was erwarten Sie sich von dem Dreier-Gespräch beim „Polit-Talk“?

Walter Veit: „Ich erwarte mir vor allem von Sepp Schellhorn weitere Impulse und Ansagen. Er kennt die Herausforderungen und Probleme aus der Praxis. Die Anfang Dezember 2025 vorgestellten Punkte brauchen eine rasche Umsetzung mit konkreten Terminen und Maßnahmen.“

Markus Gratzer: „Die Politik tut sich bekanntlich leichter mit Überschriften als bei der Umsetzung konkreter Maßnahmen. Der Standort würde ja monatlich 113 umgesetzte Maßnahmen vertragen.“

Walter Veit: „Es geht uns um messbare Ziele. Da wollen wir hin. Schöne Worte helfen uns nicht.“

T.A.I.: Immerhin wurden aber die von der ÖHV und dem WIFO für den „Plan-T“ festgelegten volkswirtschaftlichen Ziele wohlwollend von der Tourismusstaatssekretärin aufgenommen. Sie will einige davon in den neuen „Plan-T“ aufnehmen …

Markus Gratzer: „Wichtig ist hier festzustellen, dass wir in besagte Studie (Anm.d.Red.: T.A.I. berichtete darüber in der Dezember-Ausgabe) nur messbare Ziele aufgenommen haben.“

Walter Veit: „Eines steht schon jetzt fest: Mit jedem Punkt, der von unserer Studie in die ‚Vision-T‘ übernommen wird, haben wir ins Schwarze getroffen! Ich erwarte mir von dem ‚Plan-T‘, der jetzt ‚Vision-T‘ heißt, planbare Ziele. Ich hätte mir vom Staatssekretariat deshalb konkrete Ziele und Messgrößen inkl. Umsetzungsplan erwartet, Visionen zeigen ja nur eine mögliche Zukunft.“

T.A.I.: Was sind generell die Highlights auf dem Hotelkongress 2026?

Markus Gratzer: „Wir freuen uns auf den Vortrag von Martina Mara, die die Beziehung Mensch und Maschine behandelt. Spannend wird auch die Session, wie sich Online Vertrieb durch KI verändern, mit Input von Sanjav Vakil, dem CEO von DirectBooker. Dann natürlich wie Hotelprozesse vereinfacht, aber keine Abstriche beim Service gemacht werden. Hier wird Matthias Winkler von der Sacher Gruppe einen Impuls geben und in den Workshops und Diskussionsrunden geht es Antworten auf die Fragen, wie man mit KI die Produktivität steigern kann. Und dann natürlich der Vortrag von Harry Gatterer vom Zukunftsinstitut – mit ihm werden wir in den nächsten eineinhalb Jahren mehrere Workshops abhalten, bei denen es aufbauend auf die Arbeit der Österreich Werbung (ÖW) um Zukunftsszenarien für die österreichische Hotellerie geht.“

Walter Veit: „Und wir haben am Freitagvormittag erstmals für die nächste Generation die ‚Young Talents Stage‘. Sie findet parallel zu den Hauptvorträgen statt, inklusive Panel-Diskussion und der Möglichkeit zum persönlichen Austausch. Vor Ort sind 28 High Potentials und Lehrkräfte aus 14 Tourismusschulen. Es geht uns darum, die Branche mit dem Nachwuchs besser zu vernetzen.“

Interessant sind ergänzend dazu folgende weiterführende Berichte:
ÖHV (Österreichische Hotelvereinigung)

Konkrete Ziele für den „Plan-T“. ÖHV ließ sie vom WIFO erstellen

12. Dezember 2025 | Hotellerie

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