Luftfahrt Symposium 2017

Neue Airline-Netzwerke in Europa!
Zerstückelung & Konsolidierung starten

Print-Ausgabe 25. August 2017

Die Airberlin-Pleite mit Folgen auch für Österreichs NIKI geben dem diesjährigen Luftfahrt Symposium des ÖLFV zusätzliche Dynamik – heiße Eisen werden angesprochen.

Unter dem Thema „Neue Luftfahrt-Netzwerke in Europa“ findet am 6. September in Wien das 16. Luftfahrt Symposium des ÖLVF (Österr. Luftfahrtverband) in Kooperation mit der Industriellenvereinigung und der WKÖ Berufsgruppe Luftfahrt statt. Mit Austrian Airlines CEO Kay Kratky, NIKI-Geschäftsführer Oliver Lackmann und Eurowings Europe Managing Director Dieter Watzak-Helmer sind drei top Airline-Chefs aus Österreich mit dabei, ebenso Flughafen Wien  Vorstand Julian Jäger und AustroControl CEO Heinz Sommerbauer. Die Key Note hält Ulrich Schuilte-Strathaus, Berater der EU-Kommission in Luftfahrtfragen. Im Zentrum der Präsentationen und Interviews stehen die Veränderungen in den Beteiligungen, Allianzen und Kooperationen in der Luftfahrtbranche in Europa. T.A.I. traf ÖLVF-Präsident Mario Rehulka im Vorfeld des Symposiums zu einem Interview.

T.A.I.: Europas Luftfahrt wird ordentlich durcheinander gewirbelt, die Airberlin-Insolvenz samt der ungeklärten Situation von NIKI sind symptomatisch dafür. Neue Airline-Blöcke werden angedacht, manche Fluglinien abgeschrieben. In welcher Weise wird das 16. Luftfahrt Symposium auf diese Themen eingehen?

Rehulka: „Es wird einen Überblick über dieses Beteiligungs-Puzzle im Luftverkehr in Europa liefern. Denken Sie nur an die Veränderungen, die es alleine im letzten Jahr gegeben hat. Die Airberlin Insolvenz wird zu einem Abverkauf von Streckenteilen und Slots führen, Alitalia soll verkauft oder auch zerstückelt werden. Etihad, die bisher viel Geld in Europas Fluglinien gebuttert hat, zieht sich zurück und dreht den Geldhahn zu. NIKI reduziert seine Flieger in Österreich und mutiert zu einer reinen Ferienfluglinie für die DACH-Region. Austrian Airlines bekommt mehr Flugzeuge, hat die meisten Langstreckenflüge seit je und stockt noch um einen Langstreckenjet weiter auf. Die Embraer Flotte ist von Fokker klaglos umgerüstet worden. Qatar Airways erhöhte ihre Beteiligung an der IAG auf 20 Prozent, bei LATAM in Südamerika auf 10 Prozent und ist an American Airlines interessiert. Und ADP, die Aeroport de Paris beteiligt sich mit 38 Prozent am türkischen Flughafenbetreiber TAV (14 Airports). Das Top Sky-Flugsicherungs-Programm auf zwischenstaatlicher Basis mit AustroControl und vier anderen ATMs (Air Traffic Management) wickelt inzwischen weltweit 70 Prozent des Luftverkehrs ab.“

T.A.I.: Welche Rolle spielt bei alldem Lufthansa?

Rehulka: „Eine Entscheidende. Die Lufthansa-Gruppe als größter Luftfahrtkonzern in Europa beeinflusst mit ihrer Strategie und Besuchen von Angela Merkel mit Carsten Spohr neben der europäischen Luftfahrt auch Österreich – nicht nur wegen ihrer Eigentümerschaft an Austrian und Eurowings.“

T.A.I.: Es ist heuer das 16. Luftfahrt-Symposium. Haben Sie das Gefühl, mit dieser Veranstaltungsreihe bisher konkret etwas erreicht zu haben?

Rehulka: „Ich glaube schon. Wenn Sie alleine bedenken, wie oft der Luftfahrtverband für die Reduktion der Ticketsteuer eingetreten ist – der Finanzminister hat sie ab 2018 halbiert. Der ÖLFV ist für Konsolidierung und Weiterentwicklung der österreichischen Fluglinien eingetreten – jetzt gibt es mit easyJet sogar eine in Österreich registrierte Fluglinie mehr.“

T.A.I.: Es gibt aber noch immer keine Dritte Piste und auch der Single European Sky ist nach wie vor Zukunftsmusik …

Rehulka: „Infrastrukturvorhaben dauern bei uns viel länger, auch der Politik fehlt der Pfeffer zu klaren Staatszielen. Wir haben aber stets für den Hub Wien und den Ausbau der dritten Piste klar Stellung bezogen und mit vielen anderen Personen und Institutionen der Wirtschaft und Politik gegen die Entscheidung des BVwG protestiert – jetzt geht der Beschluss laut BVG in Revision. Ich bin überzeugt, dass die Luftfahrt Symposien der vergangenen Jahre zur Meinungsbildung beigetragen haben.“

T.A.I.: Diesmal geht’s um einen Überblick über die Abhängigkeiten und Kooperationen der Strategien vom Ausland. Werden alle Sprecher offen reden?

Rehulka: „Davon gehe ich aus. So wird Ulrich Schulte-Strathaus in seiner Key Note alle Veränderungen bis zum letzten Tag vor dem Luftfahrt Symposium einfließen lassen, inklusive der aktuellsten Entwicklungen rund um die Airberlin Insolvenz. Natürlich gibt es aber zu allen Themen, die wir aufgreifen, unterschiedliche Auffassungen, und es gibt auch noch nicht so ausgeprägte Themen, die wir versuchen, im ‚Club Talk‘ näher zu beleuchten.“

T.A.I.: Geht auch am Himmel etwas weiter?

Rehulka: „Ja, die Zusammenarbeit der Flugsicherungen auf dem technologischen Sektor kommt gut voran, etwa zwischen Dänemark, Schweden, Irland, Kroatien und Österreich, um gemeinsam ein „Top Sky“-Flugsicherungssystem zu entwickeln. Heinz Sommerbauer wird dazu berichten, auch über die Auswirkungen auf den Wettbewerb in Österreich nach dem Brexit. Und er wird einen Fortschrittsbericht über Single European Sky und die Bildung von Functional Air Space Blocks (FACs) geben.“

T.A.I.: Welche Inputs erwarten Sie heuer von den Vertretern der großen Flugzeugproduzenten Airbus,
Boeing und Embraer?

Rehulka: „Die Embraer-Vertretung ist erstmals mit dabei und wird zum erfolgreichen Re-Shuffle der Fokkers mit der E-Jet E2-Serie Stellung nehmen. Alle drei geben uns außerdem einen Überblick über die modernsten und umweltfreundlichen Errungenschaften im Flugzeugbau. Jeder neue Flugzeug- und Triebwerkstyp erfährt laufend Verbesserungen. Airbus wird die A350 und die 320neo vorstellen, Boeing auf den Erfolg der Dreamliner und der 737 MAX eingehen.“

T.A.I.: Mit welcher Teilnehmer-Zahl rechnen Sie?

Rehulka: „Durch Jahre hindurch hatten wir immer 170 bis 200 Teilnehmer. Was neu ist: Nadja Mader und Markus Pohanka moderieren den Ablauf, Bundesverkehrsminister Jörg Leichtfried eröffnet das Symposium. Und noch etwas. Alle Stakeholder werden sich mit der Sicherheit des Luftverkehrs, der Kundenzufriedenheit und Qualitätskontrolle beschäftigen.“ 

Anmeldungen zum Luftfahrt Symposium

Das 16. Luftfahrt Symposium findet am 6. September 2017 von 09:00 bis 15:00 Uhr in der RZI, 1030 Wien, Am Stadtpark 9, statt. Der Eintritt ist nur gegen Anmeldung bis 1. September möglich. info@luftfahrtverband.at, 01-7007-327 30.

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Erstellt am: 25. August 2017

Sieht mit hohen Erwartungen dem Symposium entgegen:
ÖLVF-Präsident Mario Rehulka

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