ANA – All Nippon Airways

Mit 5-Sternen und Doppelhub. Fliegender Wechsel von rot zu blau

Print-Ausgabe 9. September 2016

Japans größte Airline will sich nach dem OS-Rückzug von der Tokio-Route einen großen Teil des Aufkommen aus Österreich sichern

Einst war All Nippon Airways Geburtshelferin von Austrian Airlines beim Start von deren Langstreckenflügen nach Tokio. Knapp drei Jahrzehnte später rechnet sich Japans 5-Star Airline gute Chancen aus, nach dem Austrian-Rückzug von dieser Strecke einen guten Teil des Passagieraufkommens aus dem Quellmarkt Österreich für ihr Flugangebot zu begeistern. Im laufenden Sommerflugplan bestehen ab fünf österreichischen Airports täglich sieben Verbindungen über sechs europäische Gateways (u.a.: München, Düsseldorf und Frankfurt) zu beiden Tokioter Flughäfen. Welche Trümpfe das Star Alliance-Mitglied dabei ausspielen kann, darüber sprach T.A.I. mit Hiroshi Goto (51), dem seit April amtierenden Vice President und General Manager Germany and Central Europe von ANA.

T.A.I.: ANA ist einer der größten Airlines-Konzerne der Welt, die Nummer 1 in Japan und dort die einzige mit 5-Star Skytraxx Qualität. Zudem ist ANA wirtschaftlich sehr erfolgreich und steuert auch heuer trotz schwieriger Rahmenbedingungen auf neue Bestwerte zu. Womit können Sie diese Erfolge erklären?

Hiroshi Goto: „Wenn Sie unsere wirtschaftliche Situation meinen, dann ist unser Erfolg vor allem auf die kompromisslose Kundenorientierung zurückzuführen. Unser Anspruch ist es, die hohen Erwartungen unserer Fluggäste stets noch zu übertreffen. Daher arbeiten wir ständig an der Verbesserung unseres Produkts: Einerlei, ob dies die Modernisierung unserer Flotte zum Beispiel mit dem Dreamliner oder dem A380 betrifft, die Lounges an den Flughäfen, elektronische Hilfen zum schnelleren Check-in, zur Gepäckabgabe oder zum Boarding, oder ob es die einzigartige Kreativität ist, die wir in die Auswahl unseres Caterings an Bord investieren. Diese Bemühungen werden von immer mehr qualitätsorientierten Kunden geschätzt, vor allem in Japan, stark zunehmend aber auch in unseren Übersee-Märkten wie Europa oder den USA.“

T.A.I.: Rechnen Sie durch den Austrian-Rückzug von der Strecke Wien-Tokio mit mehr ANA-Gästen aus Österreich?

Goto: „Ja, sicherlich. Die AUA hat ihren Fluggästen einen hervorragenden Service angeboten. Die Erwartungshaltung der AUA-Kunden können wir sicherlich – auch wenn wir keine Direktverbindung anbieten – gemeinsam mit unserem Joint Venture Partner Lufthansa am ehesten erfüllen. Wir sind uns sicher, dass sich die anspruchsvollen Fluggäste aus Österreich von rot auf blau – die ANA-Farbe – umgewöhnen werden. Unser preisgekröntes Bordprodukt und vor allem unserer überaus freundlichen und zuvorkommenden MitarbeiterInnen in der Kabine werden den Kunden hierzulande den Wechsel zur ANA erleichtern. Wir bauen auch darauf, dass die Fluggäste aus Österreich ein hervorragendes Langstreckenprodukt und gute Zubringerverbindungen mit AUA, Lufthansa oder Eurowings nach Frankfurt, München, Düsseldorf, Brüssel, Paris oder London zu schätzen wissen.“

T.A.I.: Wie sieht es mit den Zubringer-Möglichkeiten ab Wien und den Bundesländern zu den NH-Flügen aus?

Goto: „Wir bieten zeitlich auf unsere Abflüge hervorragend abgestimmte Zubringer mit AUA, Lufthansa oder Eurowings zu unseren europäischen Abflughäfen Frankfurt, München, Düsseldorf, Brüssel, Paris oder London an. Unsere Fluggäste können wählen, ob sie via Tokio/Haneda oder Tokio/Narita nach Japan einreisen möchten. Je nachdem bieten wir ihnen dann kurze Wege in die Innenstadt, unser dichtes Inlandsstreckennetz oder hervorragende Anschlussverbindungen in andere asiatische Metropolen an. Ab Wien, Graz, Linz, Innsbruck oder Salzburg können sich unsere Fluggäste je nach Bedarf auch für unterschiedliche Langstreckenkombinationen entscheiden, so dass wir sicherlich stets den optimalen Anschlussflug anbieten werden. Und übrigens gehört ANA zu den pünktlichsten und zuverlässigsten Fluggesellschaften weltweit.“

T.A.I.: Welchen Unterschied macht es, ob man in Haneda (HND) oder Narita (NRT) landet?

Goto: „Wir haben – auch wegen der limitierten Slot-Verfügbarkeit in der weltgrößten Metropolregion – ein gut funktionierendes Doppelhub-System aufgebaut. Tokio/Haneda hat dabei den Vorteil, dass man innerhalb von einer halben Stunde mit öffentlichen Verkehrsmitteln in die Innenstadt gelangt. Außerdem haben wir ab Haneda, dem traditionell eher dem Inlandsverkehr vorbehaltenen Airport, ein sehr dichtes Inlandsflugnetz geknüpft, von dem unsere Fluggäste bei der Weiterreise in Japan profitieren. Ab Narita hingegen bieten wir eine Reihe von Anschlussflügen in andere asiatische Metrolopen an. Auch hier haben wir sicherlich eines der hochwertigsten Angebote – zum Beispiel in chinesische Städte oder zu Zielen in Südostasien.“

T.A.I.: Seit vier Jahren gibt es das Joint Venture „Japan+“ mit LH, LX, OS und NH. Welche Vorteile bringt das aus Sicht von ANA?

Goto: „Innerhalb des Joint Ventures profitieren wir von dem sehr dichten Zubringernetz der Lufthansa-Gruppe in ganz Europa: Von beinahe jedem größeren europäischen Flughafen aus punkten wir mit kurzen Gesamt-Flugzeiten. Außerdem schätzen viele Kunden die Kombination aus einem 5-Sterne-Bordprodukt auf der Langstrecke und schnellen Zubringerdiensten. Dieses Angebot erlaubt uns das Joint Venture in hervorragendem Maße. Gleichzeitig aber profitieren die Airlines der Lufthansa-Gruppe von unserem dichten Streckennetz in Japan und in Asien. Alle Airlines passen gut zusammen, da sie die Erwartungen und Bedürfnisse des Kunden in den Mittelpunkt stellen und so ein Angebot auf Top-Niveau haben.“

T.A.I.: Durch „Japan+“ bestehen also viele Möglichkeiten, nach Japan zu reisen. Worin sehen Sie die Vorteile, sich für Flüge der ANA zu entscheiden?

Goto: „Die Entscheidung überlassen wir ganz den Kunden, die ihre Airline nach den individuellen Bedürfnissen wählen. Aber seien Sie sicher: Wir scheuen hier keinen Vergleich. Viele unserer Fluggäste bestätigen uns immer wieder, dass unser Service an Bord einzigartig ist. Und hatten wir vor Jahren noch vor allem japanische Fluggäste an Bord, wächst der Anteil an Fluggästen aus Europa kontinuierlich, so dass wir inzwischen fast 50/50 erreichen.“

T.A.I.: Welche für den österreichischen Markt attraktiven Ziele jenseits von Tokio bietet ANA?

Goto: „Wir bieten unseren Gästen ein sehr dichtes Streckennetz in Japan und zu weiteren Zielen in Asien an: Sie können aber auch schnell und komfortabel zum Beispiel nach Sydney, nach Manila oder nach Honolulu weiterreisen. Diese drei Ziele gehören sicherlich zu unseren interessantesten und attraktivsten Umsteigezielen. Auch nach China reist man mit ANA sehr gut von Europa aus.“

T.A.I.: Welche Vorteile bietet das Firmenkunden-Programm für österreichische Kunden?

Goto: „Die Kunden aus Österreich profitieren auch mit ANA Flügen vollumfänglich vom Miles & More Programm der Lufthansa. Unternehmen profitieren über das ‚Partner Plus‘-Programm der Lufthansa, an das wir mit unseren Flugverbindungen auch in vollem Umfang angeschlossen sind.“ 

ANA in Stichworten

ANA All Nippon Airways wurde Ende 1952 als Nippon Helicopter gegründet, ergänzte nach einem Jahr ihr Angebot um Fracht- und am 1954 um Passagierflüge. Drei Jahre später erfolgte der Namenswechsel in All Nippon Airways.  In den letzten zehn Jahren hat sich der Anteil der internationalen Passagiere von 4,13 Millionen auf zuletzt 8,17 Millionen verdoppelt und liegt nun bei mehr als 16 Prozent des Gesamtaufkommens. Mit umgerechnet 13,7 Mrd. Euro Umsatz ist die ANA Holding heute der elftgrößte Airline-Konzern der Welt, der operative Gewinn erreichte im Vorjahr mehr als 1 Mrd. Euro. Die Flotte besteht aus 242 Maschinen, darunter 50 Boeing 787 „Dreamliner“ (+ 33 Bestellungen). Ab 2019 ergänzen fünf Airbus A380-800 die Flotte.

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Erstellt am: 09. September 2016

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