People‘s Air Group

„Hai“ im Regionalflugbecken nimmt Kurs auf neue Embraer-Jets

Print-Ausgabe 5. Oktober 2018

Bei People‘s Airline wird demnächst die Nachfolge der beiden bestehenden Flugzeuge entschieden – der aussichtsreichste Kandidat war soeben zu Besuch

Angesichts der verstärkten Österreich-Offensiven von Fluglinien wie Laudamotion, Eurowings, Wizz Air und LEVEL etwas ins Abseits der Berichterstattung gerückt ist in den zurückliegenden Monaten die einzige zu 100 Prozent in österreichischem Eigentum stehende People‘s Airline aus Vorarlberg. Völlig zu Unrecht, denn People‘s kann dieses Jahr mit ihren zwei 76-sitzigen Embraer 170-Jets neuerlich eine überaus erfreuliche Entwicklung verzeichnen (Linie bis zu viermal täglich St.Gallen-Altenrhein - Wien plus 3 bis 4 Prozent; Charter zu insgesamt zehn Destinationen auch ab Memmingen, Salzburg und Wien plus 50 Prozent). Jetzt werden die Weichen für die Nachfolge der beiden bestehenden Embraer-Maschinen (Baujahre 2005 und 2006) gestellt.

So wie es aussieht, bleibt People‘s dem brasilianischen Flugzeugbauer (der seit kurzen mit Boeing einen neuen Anteilspartner hat) treu – und das aus gutem Grund. „Wenn ich vor fünf Jahren zu Embraer gegangen wäre und gebeten hätte, eine Maschine speziell für die Anforderungen von Altenrhein zu entwickeln, dann wäre genau dieses Flugzeug entstanden“, so CEO Markus Kopf.

Gemeint ist damit die brandneue E190-E2, die Ende September im Zuge der weltweiten Promotion­tour in aufsehenerregender Hai-Bemalung Station am ebenfalls der People‘s Air Group gehörenden Flughafen St.Gallen-Altenrhein machte. Die Stimmung unter den rund 100 geladenen Gästen und den Repräsentanten von Embraer war bestens. Dies hatte nicht nur mit dem strahlendem Spätsommerwetter zu tun, sondern auch mit der zwei Tage zuvor in Zürich erfolgten Bestellung von zwölf Embraer E190-E2 durch die eidgenössische Helvetic Airways (Gesamtvolumen samt Kaufoptionen auf ein weiteres Dutzend rund 1,5 Milliarde US-Dollar). Damit gibt es bereits über 250 Fix­bestellungen für die E2.

Die Entscheidung von Helvetic für den Embraer-Hai (bei ihr ersetzen sie ab 2019 bis 2021 die bestehenden Fokker 100 sowie Embraer 190-E1 Jets, Flottenalter 14,3 Jahre) hat handfeste Gründe: Die neuentwickelten Pratt-&-Whitney-­Triebwerke (circa 20 Prozent mehr Schub) sorgen zusammen mit Innovationen im Flügelbau für eine deutliche Verbrauchsr­eduktion (gegenüber der E170 um 17,3 Prozent) und sinkenden CO2-Emissionen. Die Werte sollen im Vergleich zum Konkurrenzmodell Airbus A220 (die neue Bezeichnung für die Bombardier-C-Series) laut Stephan M. Hannemann, dem Sales Director Central Europe von Embraer, nochmals um ein Zehntel niedriger liegen. Auch hinsichtlich der Lärmbelastung soll die E2 alle Regionaljet-Konkurrenten hinter sich lassen. Die Reichweite steigt gegenüber den Vorgängermodellen außerdem zwischen einem Sechstel und zwei Fünfteln.

Von diesen Vorzügen samt jenen der geräumigen, komfortablen Innenkabine konnten sich die People‘s Airline-Gäste im Zuge eines einstündigen Präsentations­flugs ein Bild machen. Mit an Bord waren neben Markus Kopf mit gesamter Familie und CCO Thomas Krutzler auch Airline-Kund­Innen sowie VertreterInnen aus Wirtschaft, Politik und Tourismus. Die ergonomisch geformten Sitze (wie schon bei der E170-195 nur vier Sitze pro Reihe) bieten mehr Platz, ebenso  wie die neugestalteten Gepäck­ablagen: Standard IATA-Kabinentrollys können darin der Länge nach bequem verstaut werden. Auch das neue Lichtkonzept, wie in Kabinen von Großraumflugzeugen schon länger üblich, trägt zur Wohlfühlatmosphäre an Bord bei.

Wie Markus Kopf gegenüber T.A.I. betonte, wird People‘s Airline ihre beiden bestehenden E170 „auf jeden Fall“ durch die neue E2 ersetzen, wobei der Zeitpunkt dafür noch nicht fixiert wurde. „Wir schauen uns alles sehr genau an“, meinte Kopf. Die Entscheidung soll aber „in absehbarer Zeit“ erfolgen. 

Die Embraer E2-Familie

Der Startschuss für die Entwicklung der Embraer E-Jet „E2“-Familie erfolgte vor fünf Jahren im Rahmen der Paris Air Show. Im Frühjahr 2016 hob das neuentwickelte Flugzeug erstmals ab, heuer im April begann die Auslieferung. Den Jet gibt es in drei Versionen:

  • E175-E2 mit 80 Sitzplätzen, Reichweite 3.820 km, 100 Bestellungen, Listenpreis ca. 51,6 Mio US-Dollar, Auslieferung ab 2021;
  • E190-E2 mit 106 bis 114 Sitzen, Reichweite 6.020 km, 62 Bestellungen, Listenpreis ca. 59,1 Mio. US-Dollar, Erstauslieferung war im April 2018 an Widerøe;
  • E195-E2 mit 132 bis 146 Sitzen, Reichweite 4.800 km, 90 Bestellungen, Listenpreis 66,6 Mio. US-Dollar, Auslieferung ab 2019.
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Erstellt am: 05. Oktober 2018

© Tino Dietsche

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