TUI Konzernairlines

Geburtswehen des Leisure-Riesen MAX THRUST fehlt’s an „max trust“

Print-Ausgabe 21. Oktober 2016

Henrik Homann

Die NIKI/TUIfly-Pläne sorgen rund um die Zusammenführung der TUI-Konzernairlines zum weltgrößten Leisure-Carrier für Turbulenzen – die Ursachen sind hausgemacht

Seit Ende September die Pläne von Etihad, TUI und Lufthansa rund um die Airberlin-Sanierung publik wurden, gärt es beim deutschen Ferienflieger TUIfly gewaltig. Der befindet sich mitten in einem vor zwei Jahren gestarteten Umstrukturierungsprogramm (MAX THRUST - „voller Schub“), bei dem es um Hebung der Kosteneffizienz im Ausmaß von rund 65 Mio. Euro (35 Mio. Euro davon durch Personalmaßnahmen) des zuletzt in den roten Zahlen fliegenden Luftfahrtunternehmens geht (45 Mio. Euro Verlust im letzten Geschäftsjahr). Was die Wogen hoch gehen lässt, ist die vom Management schwammig angekündigte – und zuvor nicht intern kommunizierte – Zusammenführung der TUIfly mit Österreichs NIKI unter ein gemeinsames Holdingdach.

All das fällt mit der von TUI ebenfalls vor zwei Jahren eingeleiteten, mittelfristig geplanten Zusammenlegung all ihrer Konzern-Airlines (Arbeitstitel: ONE AVIATION). Neben TUIfly sind davon die britische Thomson Airways, die belgische Jetairfly, TUIfly Nederland und TUIfly Nordic betroffen (von Frankreichs Corsair will man sich trennen).

Ergebnis wäre ein Mega-Player im Ferienflugsegment mit ca. 5 Mrd. Euro Umsatz, 9.000 MitarbeiterInnen und einer Flotte von 165 Jets, vorwiegend Boeing 737, aber auch 787 „Dreamliner“ (siehe Tabelle). NIKI würde zu diesem Umsatz eine knappe halbe Milliarde Euro beisteuern (zuletzt 455,68 Mio. Euro) sowie eine Flotte von 19 Jets, die allerdings durchwegs der Airbus A320-Familie angehören – ein Muster, das es im TUI-Konzern bislang nicht gibt.

Für die extreme Unruhe in der TUIfly-Belegschaft (laut letztem Geschäftsbericht 2.400 MitarbeiterInnen) sorgt die Befürchtung, durch die NIKI-Eingliederung in eine gemeinsame Holding (an der auch Etihad erheblich beteiligt wäre) massive Gehaltseinbußen und/oder den Verlust der Arbeitsplätze zu erleiden. Bereits im September vorigen Jahres wurde im Zusammenhang mit MAX THRUST der Abbau von ca. 70 Stellen bei TUIfly angekündigt.

Damals war allerdings von der Zusammenführung mit NIKI noch nicht die Rede. Sie könnte zu weit größeren Änderungen führen, liegt doch das Gehaltsniveau von NIKI bei ca. der Hälfte von jenem der TUIfly, wie aus einem internen Rundschreiben des deutschen Ferienfliegers hervorgeht.

Dazu kommt als weitere Herausforderung, dass im Zuge der Vereinbarung rund um die Airberlin-Sanierung jene 14 Boeing 737 in der TUI/NIKI-Leisure-Airline-Holding Unterschlupf fänden, die seit 2009 im Wetlease von TUIfly für Airberlin betrieben werden. Ob und wie diese Kapazität am Markt angesetzt werden kann, muss sich erst weisen. Bisher war laut TUIfly-Geschäftsbericht „die Menge der nicht abgesicherten Bedarfe“ überaus gering. Dies wird sich künftig massiv ändern.

Der Airberlin-Vertrag bildet neben den vertraglichen Vereinbarungen mit TUI Deutschland (knapp 50 Prozent des TUIfly-Umsatzes) das zweite wichtige stabile operative Kerngeschäft. Er läuft noch bis 2019. Genauso lang gilt die zur Beruhigung der Lage von TUIfly-Aufsichtsratschef und künftigen CEO der geplanten TUI Konzern-Airline, Henrik Homann, abgegebene Beschäftigungs-Garantie. Was nach Ende dieser Übergangszeit von der heutigen TUIfly übrig bleibt, ist offen. Für mehr Klarheit soll der Aufsichtsrat der TUI AG sorgen, der allerdings angesichts der jüngsten Turbulenzen seine für 26. Oktober 2016 geplante Entscheidung auf einen späteren Zeitpunkt verschoben hat.

Wie dem auch sei, am Ende will TUI durch ONE AVIATION inkl. der TUIfly/NIKI-Holding über eine Ferienfluggesellschaft verfügen, die eine der 30 größten Airlines der Welt wäre. Derzeit ist sie noch auf vier Unternehmensbereiche aufgesplittert: während die TUIfly-Zahlen im Geschäftsbericht der Region Zentral einfließen (wo auch TUI Österreich angesiedelt ist), werden jene der Thomson Airways und von TUIfly Nordic in der Region Nord versteckt. Die Zahlen der belgischen Jetairfly und von TUIfly Nederland wiederum fließen in die Ergebnisse der Region West hinein.

Durch Realisierung von ONE AVIATION sollen Kosteneinsparungen von rund 100 Mio. Euro erzielt werden. Die Möglichkeiten durch die sich jetzt abzeichnende TUIfly/NIKI Holding sind darin noch nicht berücksichtigt – quasi ein Nachbrenner für MAX THRUST. Ohne zuvor wieder „max trust“ (maximales Vertrauen) herzustellen, wird all dies überaus holprig werden. 

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Erstellt am: 21. Oktober 2016

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