Kreuzfahrten und Umwelt

Zum Start ein Tropfen Diesel
LNG-Premiere „ein Riesen-Erfolg“

Print-Ausgabe 9. August 2019

Trägt die Verantwortung für den alljährlichen Nachthaltigkeitsbericht „AIDA cares“: Hansjörg Kunze

Seit neun Monaten kreuzt mit der AIDAnova das erste zu 100 Prozent mit Flüssiggas betriebene Kreuzfahrtschiff durch die Meere – es ist ein Meilenstein für die Schifffahrt

Einst revolutionierte AIDA Cruises den Kreuzfahrtmarkt, indem das moderne Hotelkonzept auf hohe See gebracht wurde, jetzt folgt die AIDA-Revolution im Umweltbereich: Als erste Kreuzfahrtreederei der Welt startete mit AIDAnova Ende 2018 der erste zu 100 Prozent mit LNG (Liquefied Natural Gas) angetriebene Ocean-Cruiser, der gegenüber dem bislang saubersten Schiffs-Treibstoff (Marinegasöl) die Feinstaub- und Schwefeloxid-­Emissionen (SO₂) um bis zu 100 Prozent reduziert, den CO₂-Ausstoß um bis zu ein Fünftel.

Es war kein Zufall, dass das sommerliche Wien-Fachgespräch mit AIDA President Felix Eichhorn und Vice President Communication & Sustainability Hansjörg Kunze (siehe T.A.I. vom 12. Juli 2019, „Wandlung vom Clubschiff zum kosmopolitischen Lifestyle-­Produkt“) über kurz oder lang beim Thema Umwelt anlangte. AIDA zählt diesbezüglich zu den MusterschülerInnen: Seit 2007 wird alljährlich der Nachhaltigkeitsbericht „AIDA cares“ veröffentlicht, für den Hansjörg Kunze die Verantwortung trägt.

Den Nachhaltigkeitsbericht 2019 (Werte 2016 bis 2018) gibt im Tabellenteil „AIDA in Zahlen“ detailliert Auskunft über den Energieverbrauch (aufgeschlüsselt nach Schweröl, niedrigschwefligem Schweröl, Marinegasöl, Landstrom und LNG), Abwasser, Wasser, Abfälle und CO₂-Emissionen. Fazit: Der CO₂-Ausstoß steigt zwar aufgrund des Flotten- und Passagierwachstums, doch pro Person und Tag geht er deutlich zurück: Lagen die Emissionen 2015 noch bei 64,4 kg CO₂ pro Gast und Tag, so waren es 2018 nur noch 59,8 kg (siehe Grafik).

Felix Eichhorn: „Es geht uns darum, den ökologischen Fußabdruck zu reduzieren.“ Dies betrifft auch die älteren Schiffe. So wird die künftige AIDAmira (ca. 1.720 Gäste, 48.200 BRZ, bisher neoRiviera bei Costa Crociere) im Zuge ihres 25 Mio. Euro teuren Umbaus zum Mitglied der AIDA Selection-Flotte ab Dezember 2019 mit einem neuen Abgas-Nachbearbeitungssystem aufgerüstet.

Beim Landstrom zeigt sich, wie lange es dauert, bis technische Innovationen auch tatsächlich im Betriebsalltag eingesetzt werden können. „Wir haben dieses Thema seit 15 Jahren am Schirm und bereits 2004/05 bei Bestellung der AIDA­diva und ihrer Schwestern Landstrom vorgesehen. Erst jetzt sind die Häfen ausreichend damit ausgestattet“, erklärt Felix Eichhorn. In Hamburg (dort sorgen die AIDA-­Schiffe 2019 für fast die Hälfte aller 200 Kreuzfahrt-Anlegungen) ist dies bereits seit drei Jahren der Fall. Insgesamt wurde von AIDA im Vorjahr um 137 Prozent mehr Landstrom bezogen als 2017.

„Echte Pionierarbeit“, so Felix Eichhorn, leistet AIDA bezüglich LNG (auf 164 Grad abgekühltes und dadurch verflüssigtes Erdgas). „Wir sind mit AIDAnova führend in der Kreuzfahrtbranche und für die globale Schifffahrt.“ Wurden die zwei bisherigen Flaggschiffe AIDAprima und AIDAperla (je 4.350 Passagiere, rund 125.600 BRZ) noch mit Dual-Motoren ausgestattet, markiert die AIDAnova (6.600 Passagiere, knapp 184.000 BRZ) „einen Riesen-Schritt vorwärts. Sie ist zu 98 bis 99 Prozent mit LNG unterwegs. Nur zum Start ist ein Tropfen Diesel nötig“.

Die AIDAnova könne zwar auch mit Diesel fahren, aber diese Option „mussten wir noch kein einziges Mal verwenden“, betont Hansjörg Kunze, „es ist ein Riesen-Erfolg.“ Die Diesel-Option wurde von den Behörden aus Sicherheitsgründen vorgeschrieben, da es sich beim LNG-Antrieb um eine komplett neue Alternativ-Technologie handelt. Die acht Schwesterschiffe der Helios-Klasse (darunter die Costa Smeralda ab November 2019, die Iona von P&O Cruises und die Mardi Gras von Carnival Cruise Line ab 2020) werden über beide Antriebe verfügen – den herkömmlichen ausschließlich als Reserve.

Betankt werden die LNG-­Cruiser über sogenannte „Bunker Batches“. Globaler Partner ist Shell, mit dem AIDA bzw. deren Konzernmutter Carnival „die weltweite Logistik aufbaut“. Eine Tankfüllung reicht für ungefähr drei Wochen, getankt wird im 14-Tages-­Rhythmus. Ob eine LNG-­Betankung stattfinden kann, dafür sind regulatorische Bestimmungen der Häfen entscheidend. Die Einsatzgebiete der AIDAnova sind vorerst die Kanaren (Premiere war im Winter 2018/19 ab/bis Teneriffa) und das westliche Mittelmeer (ab/bis Barcelona). Rotterdam verfügt bereits über LNG-Terminals, Deutschlands Häfen hingegen sind noch nicht damit ausgestattet.

Wo werden die nächsten Routen der LNG-AIDA hinführen? „Wir werden in den kommenden ein, zwei Jahren nicht mit der AIDAnova auf Weltreise gehen“, meint Felix Eichhorn schmunzelnd. Aber da „unsere Schwester­reederei Costa mit der Smeralda auch in die Karibik gehen will“, werden sich die Einsatzgebiete zügig ausweiten. AIDA (bis 2023 drei LNG-Schiffe der Helios-­Klasse) bildet derzeit die „Kolleg­Innen der anderen Reedereien“ für den Einsatz von LNG aus, also von Costa (bis 2021 zwei Helios-Schiffe, P&O und Carnival bis 2022 ebenfalls je zwei). Die künftigen „AIDA cares“-Nachhaltigkeitsberichte werden zeigen, wie sehr sich der zunehmende Landstrom- und LNG-Einsatz auf die Emissionen auswirkt. 

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