Zillertal Tourismus

Schulterschluss zwischen TVBs & Bergbahnen im weltgrößten Skital

Print-Ausgabe 8. April 2016

Nach Jahren der Eiszeit ziehen die Player im Zillertal wieder an einem Strang – die Dachmarketing-Gesellschaft ZTG erhält mehr Schlagkraft

Im Zillertal, mit rund 50.000 Betten und 7,17 Mio. Nächtigungen größte Tourismusregion Tirols, bricht eine neue Ära an. Ab 2017 gehören die vier großen Bergbahnunternehmen des Tales als Gesellschafter der Zillertal Tourismus GmbH (ZTG) an. Diese zeichnet für das Marketing der aus vier TVBs bestehenden Destination verantwortlich. Damit steht der ZTG unter Leitung von Geschäftsführer Gernot Paesold künftig ein Budget von rund 5,2 Mio. Euro zur Verfügung, von denen 3,4 Mio. Euro definitiv ins Marketing fließen werden. Durch die Neuordnung wird ein Schlussstrich unter jenem mehrere Jahre dauernden Disput gesetzt, der vor vier Jahren eskalierte, als die Interessengemeinschaft (IG) Zillertaler Seilbahnen die Kooperation mit der ZTG beendeten.

Stein des Anstoßes war seinerzeit die „mangelnde Transparenz beim Budget und beim Controlling“, welche die Bergbahnen der ZTG vorwarf. Ab 2013 leistete die IG deshalb keine Zahlungen mehr an die ZTG. Die zuvor dafür verwendeten 650.000 Euro flossen stattdessen in eigene TV-Spots (u.a. ARD, Sat.1 und Pro 7) sowie Online-Kampagnen. Immerhin gab es aber eine Abstimmung mit der ZTG.

Die ZTG besteht seit 2006. Im Jahr davor war das in zwölf TVBs zersplitterte Tal durch die vier großen Verbände Tux – Finkenberg, Mayrhofen/Hippach, Erste Ferienregion im Zillertal und Zell – Gerlos organisatorisch neu aufgestellt worden. Dieses Quartett hielt seither auch jeweils ein Viertel der Anteile an der ZTG. Von Anfang an war eine Kooperation mit den Bergbahnen im Zillertal geplant.

Diese sind nicht irgendwer: Mit zusammen 122 Mio. Euro Umsatz stellen sie Österreichs mächtigstes Seilbahn-Konglomerat dar und gelten als das größte Ski-Tal der Welt (zum Vergleich: Ski Arlberg inkl. Klostertal kommt auf knapp 90 Mio. Euro). Größter Player der IG, die derzeit in eine OG (Offene Gesellschaft) umgewandelt wird, sind die Zillertaler Gletscherbahnen der Familie Dengg (46,48 Mio. Euro Umsatz), gefolgt von den Mayrhofner Bergbahnen (29,83 Mio. Euro) mit der Bank für Tirol und Vorarlberg sowie dem TVB Mayrhofen/Hippach als Hauptaktionäre. Die Bergbahnen Skizentrum Hochzillertal der Familie Schultz bringen es auf 26,22 Mio. Euro Umsatz, die Bergbahnen Gerlosplatte mit Seilbahn-Präsident und Tirols Tourismussparten-Obmann Franz Hörl als wichtigstem Gesellschafter auf 19,67 Mio. Euro.

Künftig wird es also nicht mehr nur, wie bis 2012, eine lose Kooperation zwischen ZTG und Bergbahn-IG geben, sondern eine intensive Zusammenarbeit, die durch den Gesellschafterstatus zementiert wird. Zwei Seilbahnvertreter (Matthias Dengg von den Tuxer Gletscherbahnen und Michael Rothleitner von den Mayrhofner Bergbahnen) ziehen in den Verwaltungsrat, der auf sechs Mitglieder vergrößert wird und dem auch die TVB-Obleute angehören. Der Marketingkreis der vier TVB-Geschäftsführer wurde um zwei Seilbahner erweitert. Während die Bergbahnen 1,7 Mio. Euro in den ZTG-Topf zahlen, steuern die vier TVBs rund 3,5 Mio. Euro zum ZTG-Budget bei. Die Bergbahn-Beiträge kommen zur Gänze der Winterwerbung zugute, von den TVB-Mitteln sind 40 Prozent dafür vorgesehen.

Damit stehen der ZTG ab 2017 rund 3,1 Mio. Euro für Winter-Promotion und 2,1 Mio. Euro für den Sommer zur Verfügung. „Uns ist wichtig, dass der Sommer nicht zu kurz kommt bei der Vermarktung“, betont in diesem Zusammenhang Ernst Erlebach, Obmann des TVB „Erste Ferienregion im Zillertal“ (Fügen-Kaltenbach) und Inhaber des Berghotels Hochfügen. Auch die Bergbahnen sind zufrieden. „Die nunmehrige Zusammenarbeit war ein beidseitiger Wunsch“, sagt Michael Rothleitner von den Mayrhofner Bergbahnen Ende 2015, als die Weichen für die neue ZTG-Struktur gestellt wurden. Es sei „dumm, getrennte Wege zu gehen.“ 

Vier TVBs, eine Super-Region

Von den vier TVBs des Zillertals ist Mayrhofen – Hippach der größte (Jahresbudget rund 5,8 Mio. Euro), gefolgt von der Ersten Ferienregion im Zillertal (4,36 Mio. Euro) und Tux-Finkenberg (3,41 Mio. Euro). Die Zillertal Arena brachte es auf ein Budget von 2,94 Mio. Euro. Während das Destinationsmanagement in den Händen der TVBs liegt, ist die ZTG für das Tal-weite Marketing verantwortlich. Laut dem „Strategieplan Zillertal“ von 2012 soll die Vermarktung der Region kurz- bis mittelfristig „deutlich mehr“ zur ZTG verlagert werden. Eine Fusion der TVBs ist nicht geplant, da – so die Argumentation – „die Vorteile einer subsidiär gesteuerten Entwicklung der einzelnen Teilregionen“ verloren ginge.

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Erstellt am: 08. April 2016

© Zillertaler Gletscherbahn

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