Prozessanalyse von Geschäftsreisebuchungen

Wien versus Bundesländer und „der Weisheit wahrer Schluss“

Print-Ausgabe 24. August 2018

Rund um die Prozesskosten-Analyse 2018 vom Flugausschuss des ÖRV (Österreicher ReiseVerband) veröffentlichte T.A.I. neben den generellen Ergebnissen („Business Travel in der Airlines-Mühle: Mehr Aufwand trotz Automatisierung“, Ausgabe 2333 vom 29. Juni) im Heft von Mitte Juli (Ausgabe 2334/35) einen „Stoppuhr-Vergleich der beiden GDS-Riesen Amadeus und Galileo/Travelport“. Ergebnis: Beide Systeme lagen vom Zeitaufwand für eine Flugbuchung Kopf-an-Kopf (29:10 Minuten bzw. 29:13 Minuten). Zeitliche Unterschiede zwischen den Geschäftsreisebüros in den Bundesländern (Graz, Linz sowie Salzburg) und jenen in Wien kristallisierten sich aber bezüglich Ticketing und Verrechnung heraus.

Während das Ticketing in den TMCs (Travel Management Companies) der Landeshauptstädte deutlich schneller erfolgt (2:07 Minuten gegenüber 2:35 Minuten, ist es bei der Verrechnung genau umgekehrt und das sogar noch erheblich ausgeprägter (1:49 Minuten gegenüber 0:45 Minuten). Weshalb es zu diesen Unterschieden kommt, dazu hat sich T.A.I. an den Flugausschuss des ÖRV gewandt. Dessen Mitglied, Thomas Willingshofer (BCD Travel Österreich), lieferte in Abstimmung mit dem Ausschuss die Antworten.

Das raschere Ticketing in Graz, Linz und Salzburg, – egal über welches System – ist demnach dadurch begründet, dass „durch eine meist etwas geringere Anzahl an Transaktionen in den Bundesländern oftmals die Routine (Ticketrobotiksysteme)-Buchungen schneller ablaufen“, was „in weiterer Folge dazu führt, dass Tickets wesentlich schneller durch die Systeme ausgestellt werden, als an Großstandorten.“

Anders verhält es sich bezüglich des höheren Zeitbedarfes bei der Verrechnung. Dazu Thomas Willingshofer: „Die Rechnungslegungen in den Bundesländern sind oftmals sehr komplex beziehungsweise an Kundenanforderungen angepasst und traditionell mit einem geringeren Automatisierungsgrad versehen, als an den Großstandorten mit Großkunden und standardisierten Prozessen.“

Festzuhalten (aber im Endeffekt nebensächlich) ist, dass laut ÖRV-Flugausschuss „die Messungen in Wien großteils auf Amadeus durchgeführt“ wurden, während es in den Bundesländerstandorten unterschiedliche Messungen (also auf beiden Systemen) gab.

Die Schlussfolgerungen des ÖRV-Flugausschusses zu dem Amadeus-Galileo/Travelport-Vergleich: „Grundsätzlich kann man aktuell wahrlich von einer sehr vergleichbaren Daten- und Anwendungsqualität der GDS-Systeme ausgehen, da die zeitlichen Abweichungen von +/-4 Prozent als marginal zu betrachten sind“, so Thomas Willingshofer.

Entscheidend – egal welches der beiden Systeme eine TMC verwendet – sei hingegen die Kombination eines GDS mit diversen Inhouse-Systemen (Low Cost Search Engines, Hotelbuchungsplattformen, etc.). „Diese Kombinationen repräsentieren den Status Quo in der Reisebranche“, so Willingshofer.

„Am Ende des Tages ist eine optimale Prozess-Darstellung unter Anwendung von diversen Inhouse-Routinen (wie beispielsweise Compleat/SAP Produkte etc.) inklusive einer qualitativ hochwertigen Übertragung in die Midoffice Systems (wie Midoco, AGM etc.) der Weisheit wahrer Schluss. Die wirkliche Herausforderung ist es, „diese Kombinationen so effizient als möglich zu gestalten.“ 

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Erstellt am: 24. August 2018

Thomas Willingshofer, Mitglied des ÖRV-Flugauschusses, beantwortete die Fragen von T.A.I.

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