Fachverband der Reisebüros

Von Cook-Pleite bis Corvid-19:
Viele Fakten, einige Fragezeichen

Print-Ausgabe 28. Februar 2020

Fordert eine Insolvenversicherung für Airlines: Obmann des Fachverbands für Reisebüros Gregor Kadanka

Für Reisebüros läuft die Saison zufriedenstellend – Reiseveranstalter haben als Folge der Thomas Cook-Pleite zum Teil zweistellige Zuwachsraten – Fragezeichen Corvid-19

Während die Flugpauschalreisen im Jänner laut TAIPURA (T.A.I. Flugpauschalreise-buchungs-­Radar) rückläufig waren (siehe T.A.I. vom 14. Februar), zeichnet der Fachverband der Reisebüros ein positives Bild von der aktuellen Entwicklung. Vor allem die Fernstrecken – Malediven, Thailand, Kanaren, Ägypten etc. – waren laut Obmann Gregor Kadanka gut gebucht. Auch für die Sommersaison zeigte er sich bei einem Pressegespräch optimistisch. Zuwächse zeigen die Bahnreisen und Kreuzfahrten. Frühbucherangebote fänden eine gute Nachfrage, es werde zwar kürzer, aber öfter und qualitätsbewusst gereist. Für Zusatzleistungen mit Erlebnischarakter werde mehr Geld ausgegeben: Im Winter erhöhte sich der Pro-Kopf-Umsatz um mehr als 4 Prozent. Das Thema Nachhaltigkeit sorge für keine Änderungen des Reiseverhaltens.

Während Reisebüros laut Kadanka derzeit bei plus 3 bis 4 Prozent stehen und Reiseveranstalter in Folge der Thomas Cook-Pleite sogar zum Teil zweistellige Zuwachsraten vermelden, gelten die Auswirkungen des Coronavirus als derzeit größter Unsicherheitsfaktor. Welche Folgen die Absagen des Karnevals von Venedig oder des „Mobile World Congress“ in Barcelona auf den Tourismus haben, wird sich weisen.

Ein besonderes Anliegen der Reisebüros ist es, dass Lücken in der Insolvenzversicherung geschlossen werden. Diese betreffen vor allem die Airlines, für die keine Versicherungspflicht besteht. Kadanka wies darauf hin, dass in den letzten fünf Jahren 71 Airlines Pleite gingen, rund die Hälfte europäische Unternehmen. Alleine die Air Berlin-Insolvenz hatte 550.000 gestrandete KundInnen zur Folge. Wer nicht über einen Reiseveranstalter gebucht hatte, konnte sich nur an den Konkursverwalter wenden. Kadanka unterstrich in diesem Zusammenhang die Bedeutung des Pauschalreisegesetzes, das Schutz vor Verlusten bietet, wie zuletzt bei der Pleite von Thomas Cook. Die davon betroffenen 15.000 KundInnen österreichischer Reisebüros erlitten keinen finanziellen Schaden, auch weil der Insolvenzabwickler Allianz um rasche und kulante Lösungen bemüht war. Anders in Deutschland: Die dort mit 110 Mio. Euro gedeckelte Insolvenzversicherung reichte nicht aus, die Staatshaftung musste einspringen. Das Problem der Insolvenzabsicherung der Airlines wird derzeit vom EU-Parlament behandelt. Der Fachverband bemüht sich, dass die verpflichtende Absicherung nicht nur gegenüber KonsumentInnen wirksam wird, sondern auch gegenüber anderen Unternehmen, etwa Reiseveranstaltern. 

Kommentar schreiben

Bitte die Netiquette einhalten. * Pflichtfelder

Nach oben