ÖRV Kongress

„Unberechenbare Kundentrends und nicht voraussagbare Krisen“

Print-Ausgabe 6. Mai 2016

Mit einer „Qualitätsoffensive auf allen Linien“ will der ÖRV die aktuellen Herausforderungen der Touristik meistern – derer gibt es nicht allzuwenige

Als Josef Peterleithner, Prokurist und Leiter Strategic Communication, Customer Services und Sustainability bei der TUI Austria, vor vier Jahren zum Präsidenten des ÖRV (Österreichischer ReiseVerband) gewählt wurde, bewies er nahezu hellseherische Fähigkeiten: er sprach damals in seiner Antrittsrede von „unberechenbaren Kundentrends und nicht voraussagbaren Krisen.“ Angesichts der heuer vorherrschenden Entwicklungen hätte er nicht präziser ins Schwarze treffen können.

Ende April 2016 wurde Peterleithner wiedergewählt und in seinem Grundsatzreferat zum diesjährigen ÖRV-Kongress nannte er die Dinge unverblümt, wie sie sind: mit der Türkei, Ägypten und Griechenland stecken drei der vier meistgebuchten Flugpauschalreise-Destinationen Österreichs seit Monaten tief in der Nachfrage-Krise, Tunesien ist überhaupt „komplett von der Bildfläche verschwunden.“ Spanien allein kann die Felle ebenso wenig ins Trockene bringen, wie Bulgarien oder Zypern. Mehr und mehr zeige sich zudem, „dass Preis-Aktionen zumindest derzeit nichts bringen.“ Bei den Selbstfahrer-Destinationen Italien und Kroatien wiederum stehen als große Fragezeichen die Grenzkontrollen im Raum, von denen „wir nicht wissen, wie sie sich im Sommer auswirken werden.“

Es gab aber auch Erfreuliches für den stationären Vertrieb zu vermelden: „Die Aussage, dass Kunden wieder stärker ins Reisebüro kommen, trifft zu“, hob Peterleithner hervor, ebenso die merkbar „steigende Nachfrage nach Qualität: High-End-Produkte entwickeln sich erfreulich.“ Dasselbe gelte für Fernreisen und Kreuzfahrten.

Im Bereich Flug ist die DCC (Distribution Cost Charge) unerfreulich, aber nicht mehr wegzubringen. Für massiven Mehraufwand in den Reisebüros sorgen zudem die vielen Flugstreichungen und Streiks.

Bezüglich der heuer erstmals in zwei Wellen durchgeführten Image-Kampagne der Reisebüros (rund 83 Prozent der Bevölkerung wurden mit ihr erreicht) hofft Josef Peterleithner auf die Fortsetzung auch 2017, wobei diesbezüglich die Haltung des Fachverbands Reisebüros in der WKÖ entscheidend sein wird: dieser hat laut Peterleithner bereits heuer „das Gros der Finanzierung“ aufgestellt. Große Unterstützer waren zudem TUI und Verkehrsbüro/Ruefa.

Im Arbeitsprogramm bis 2018 (also die jetzt begonnene Vorstands-Periode) lautet das Motto „Qualitätsoffensive Reisebüro“. Der Aktivitäten-Bogen spannt sich dabei vom Lobbying (Politik, andere Branchenverbände, EU-Ebene) über Kommunikation (u. a. Kooperation mit dem Marktforschungs-Ausschuss des DRV/Deutscher ReiseVerband) bis hin zu Aus- und Weiterbildung (Tourismus als attraktiven Arbeitgeber hervorheben) sowie zur Nachhaltigkeit (u. a. Ethik im Tourismus). Josef Peterleithner: „Vor allem der Touristik-Ausschuss ist gefordert, ebenso jedes einzelne Mitglied. Es geht um unsere Zukunft und um die unserer Mitarbeiter.“ 

Steigende Mitgliederzahl, ausgeglichenes Budget

Der ÖRV verzeichnete zuletzt zwar einen Anstieg der Mitgliederzahlen, doch das Gewicht hat sich noch stärker von ordentlichen (heuer 78, Vorjahr 80) hin zu außerordentlichen Mitgliedern verschoben (jetzt 101, Vorjahr 98). Neu sind u.a. die JT Touristik, GTA-Sky-Ways, TUI Cruises und Jedek Reisen.
ÖRV-Kassier Gerhard Aigner (Geschäftsführer Verkehrsbüro Business Travel) konnte wie budgetiert neuerlich ein ausgeglichenes Budget vorlegen (leichter Einnahmen-Überschuss), für 2017 sieht er keine Notwendigkeit zu einer Erhöhung der Mitglieds-Beiträge (ausgeglichenes Budget erwartet). Das Vereinsvermögen überschreitet die jährlichen Einnahmen um knapp die Hälfte.

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Erstellt am: 06. Mai 2016

„Preis-Aktionen bringen derzeit nichts“ – Josef Peterleithner

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