Verkehrsbüro Group

Trendwende bei Urlaubsbuchungen:
Österreicher wurden zu Frühbuchern

Print-Ausgabe 20. Oktober 2017

2017 war ganz klar das Jahr der Frühbucher. Die Weichen dazu wurden vor mehr als einem Jahr gestellt. T.A.I. gegenüber erklärte Helga Freund, Vorstandsmitglied Verkehrsbüro, welche Überlegungen dazu geführt hatten, wie das Vorhaben umgesetzt wurde und wie sich dies in konkreten Zahlen auswirkte. In dem Gespräch ging es aber auch um Ruefa Direkt, das Multi-Channel Projekt, Mitarbeiter-Qualifikation, Beratungshonorar und die Ostsee-Charter.

T.A.I.: TUI Österreich-Chefin Lisa Weddig berichtete vor kurzem von einem starken Buchungsplus für den Sommer 2018, das laut ihr rund zur Hälfte auf die verstärkte Frühbucher-Strategie zurückzuführen ist. Sie erwähnte dabei, gemeinsam mit Ihnen bereits seit zwei Jahren darüber zu sprechen, was man tun könne, damit die Österreicher früher buchen. Was hat es damit auf sich?

Freund: „Wir haben gesehen, dass die Österreicher mit den Buchungen für Sommer 2016 sehr lang zugewartet haben. Als sie dann buchen wollten, waren die meisten Angebote weg. Wir haben deshalb bereits Mitte September 2016 kommuniziert, wie wichtig es ist, rechtzeitig für den Sommer 2017 zu buchen. TUI hat parallel dasselbe gemacht. Die Kommunikation erfolgte über unseren Vertrieb und auch die Medien, die das Thema sehr gut transportiert haben. Wir haben bereits im November 2016 mit der Bewerbung der Sommerangebote 2017 begonnen. Die Jahre davor war der Start erst auf der Ferienmesse im Jänner. Die Kunden profitieren nicht nur von Frühbucherboni, sondern haben auch ihren Urlaub im Wunschhotel gesichert.“

T.A.I.: Können Sie konkrete Zahlen nennen?

Freund: „Ja, wir können genau sehen, dass noch nie so früh gebucht wurde. Im November 2016 stiegen die Buchungen bei Ruefa für den Sommer 2017 im Vergleich mit dem Vorjahresmonat um 42,4 Prozent, im Dezember waren es plus 30,3 Prozent und im Jänner plus 20,1 Prozent. Man sieht daran ganz deutlich: die Österreicher buchen früher. Es gab dann heuer auch viel weniger Last-Minute-Buchungen.“

T.A.I.: Wie entwickelt sich Ruefa Direkt, die heuer gestartete Direktvertriebs-Schiene?

Freund: „Mit Ruefa Direkt wollten wir zusätzlich zu ruefa.at eine zweite Seite testen. In der ersten Phase haben wir in der ‚Kronen Zeitung‘ für Ruefa Direkt geworben. Die Leser haben aber lieber telefonisch, als direkt online, gebucht. Wir werden im Direktvertrieb aber noch mehr ausprobieren.“

T.A.I.: Wie läuft es mit ruefa.at?

Freund: „Sehr gut, Ruefa ist eine starke Marke. In der Werbung setzen wir verstärkt auf Google und Social Media Marketing. Wobei auch der ROPO-Effekt (Research online – Purchase offline) nicht zu vernachlässigen ist. Viele sehen Angebote online und buchen dann in einer Ruefa-Filiale.“

T.A.I.: Wie viele Filialen haben Sie derzeit?

Freund: „Österreichweit sind es 108. Wir investieren laufend in die Aus- und Weiterbildung unserer Filialmitarbeiter, zum Beispiel mit unseren Programmen ‚Cruise Champions‘ oder den ‚ zertifizierten Reiseberatern‘. Wir wollen, dass unsere Mitarbeiter reisen und die Destinationen erleben - das ist das Um und Auf für gute Beratung.“

T.A.I.: Wollen Sie im stationären Vertrieb noch weiter wachsen?

Freund: „Wir sind natürlich an guten Standorten interessiert. Vor allem in kleineren Orten, wo private Reisebüros nicht mehr weitermachen wollen, sehen wir uns den Standort und auch das bestehende Team an. Wenn das alles passt, dann übernehmen wir auch zwei oder drei zusätzliche Standorte.“

T.A.I.: Bei unserem Interview vor einem Jahr sprachen Sie über das ‚Multi-Channel Projekt‘, bei dem die Chat-Funktion, die bisher über das zentrale Call Center läuft, auf MitarbeiterInnen in den Filialen ausgeweitet werden soll. Wie sieht es mit der Umsetzung aus?

Freund: „Es ist Teil unserer Ruefa 2020 Strategie und wir bereiten uns gut darauf vor. Auch hier steht die Ausbildung unserer Reise-Experten im Vordergrund, sowie die entsprechende Darstellung online.“

T.A.I.: Spielt das Beratungshonorar bei Ihren Überlegungen noch eine Rolle?

Freund: „Es ist nicht weg vom Tisch, aber derzeit auch nicht auf dem Tisch. Außer Kuoni hat das noch niemand umgesetzt. Momentan ist es für uns kein Thema.“

T.A.I.: Wie haben sich die Ostsee-Flüge entwickelt? Wird es sie 2018 wieder geben?

Freund: „Ja, es wird sie wieder geben. Es ist ein schönes, alternatives Produkt. Germania wird, so wie es aussieht, 2018 von Linz nach Rostock fliegen und voraussichtlich auch Austrian Airlines von Linz nach Heringsdorf/Usedom. Die Region ist sehr beliebt, auch durch Angebote an der polnischen Ostsee: die hat sich sehr gut entwickelt. Costa wird wahrscheinlich ab Wien für Kreuzfahrt-Kunden mit Germania Rostock-Flüge anbieten.“ 

Neuer Vorstand der Verkehrsbüro Group

Seit Oktober wird die Verkehrsbüro Group von einem Vorstands-Trio geführt: Nach dem Ausscheiden des bisherigen Generaldirektors Harald Nograsek per Ende September hat Martin Winkler als Sprecher des Vorstandes den Geschäftsbereich Hotellerie und Veranstaltungen übernommen (zuletzt 183,6 Mio. Euro Umsatz, Ergebnis vor Steuern 6,4 Mio. Euro). Winkler ist seit 2015 Mitglied der erweiterten Geschäftsleitung des Konzerns.

Helga Freund, seit 2015 im Vorstand der Verkehrsbüro Group, ist wie bisher für die Leisure Touristik mit den Tochterunternehmen Eurotours und Ruefa inklusive der Beteiligung Intertravel zuständig (Umsatz 573,3 Mio. Euro, Ergebnis vor Steuern 8,5 Mio. Euro).

Helmut Richter leitet im Vorstand die Business Touristik mit den Marken Verkehrsbüro Business Travel, AX Travel Management und Austropa Interconvention (165,5 Mio. Euro Umsatz, Ergebnis 1,3 Mio. Euro). Richter gehört seit 2015 der erweiterten Geschäftsleitung im Konzern an.

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Erstellt am: 20. Oktober 2017

Bild v. l.: Helmut Richter, Martin Winkler und Helga Freund

(c) VerkehrsbüroGroup_JenniferFetz

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