Amadeus Austria

Sommergespräch zwischen Tradition und Technologie-Schüben

Print-Ausgabe 13. Juli 2018

Traditionen soll man pflegen und dazu zählt das alljährliche „Sommergespräch“, zu dem Amadeus Austria-Geschäftsführer Bernhard Brauneder Anfang Juli wieder in den „Pfarrwirt“ nach Grinzing lud. Mit dabei waren heuer als besondere Gäste Uta Martens, die Geschäftsführerin von Amadeus Germany, und Oliver Rengelshausen, Geschäftsführer von Traveltainment.

Geboten wurde ein umfangreiches „Roundup“ über aktuelle Entwicklungen, von der Konzern­entwicklung (erfreulich) über technische Neuerungen für Veranstalter, stationäre Reisebüros und Online-Portale (u.a. Tools zur Umsetzung der EU-Pauschalreise-Richtlinie, die das Tagesgeschäft erleichtern sollen), bis hin zu einem Ausblick auf die „Amadeus Travel Plattform“.

Die Daten-Zukunft

Letztere soll laut Uta Martens von Amadeus Germany garantieren, dass die Reisebüros auch in Zukunft „jeden Flug verkaufen können“, völlig unabhängig davon, ob die Daten dazu aus der bewährten GDS-Welt stammen, es sich um NDC (New Distribution Capability)-Content handelt (Individualisierung und umfangreichere Darstellung der Airlines-Angebote), um offene Low Cost Airline-Systeme (wie z.B. jene von easyJet) oder um für Vertriebssysteme schwer zugängliche Daten von Billig-Airlines à la Ryanair oder Wizz Air, die nur über Sreen Scraping in die GDS-Welten eingespielt werden können (Ryanair hatte Ende 2017 den Vertrag mit Amadeus nicht mehr verlängert). Uta Martens versichert: „Unsere Travel Plattform wird die Aggregation von Angeboten und Con­tent der Airlines ermöglichen, egal welchen technologischen Weg diese gehen.“

Vor allem die Einbindung der NDC in die Amadeus Travel Platform stellt eine große Aufgabe dar. Dies hat nicht nur damit zu tun, dass laut Martens „jede Airline eine andere Version“ hat, sondern auch damit, dass es „noch sehr, sehr lange Parallelwelten geben“ wird. Zwar sollen laut Uta Martens „bis 2020 rund 20 Prozent aller Daten als NDC vermittelt werden“, doch Bernhard Brauneder ist überzeugt, dass der alte Datenstandard EDIFACT (Electronic Data Interchange for Administration, Commerce and Transport) „nie verschwinden wird. Es gibt Airlines, die nie NDC entwickeln werden.“ Uta Martens zufolge werden „viele Airlines beides anbieten.“

Die Schaffung der von Amadeus entwickelten NDC-fähigen Schnittstelle hatte für das Unternehmen eine enorme Bedeutung: „Ein Vertriebssystem, das die NDC nicht mitmacht, ist hinten angestellt“, so Martens. Der Zeitplan sieht vor, dass die Travel Plattform im Herbst 2018 „mit einigen Reisebüros in die Test- und Pilotphase startet. Anfang 2019 wollen wir sie für eine breitere Gruppe von Reisebüros zur Anwendung zur Verfügung stellen.“

Die Vertriebs-Gegenwart

Durch die Travel Plattform besteht für Amadeus auch eine Chance, den tendenziell rückläufigen Marktanteil (stationär und online) an den Flugbuchungen wieder zu erhöhen. In Österreich erreichte er im ersten Quartal 69 Prozent. Zu schaffen macht laut Bernhard Brauneder „vor allem der verstärkte Online-Direktvertrieb der Airlines.

Umso erfreulicher sind die Trends im Leisure-Bereich. Zwar schlägt das Pendel heuer deutlich wieder in Richtung Portale aus (siehe TAIPURA-Grafiken unter), doch wie Bernhard Brauneder betonte, „werden im Vertrieb über Reisebüros deutlich höhere Umsätze generiert, als online.“

Die von Brauneder präsentierten Zahlen (Jänner bis Ende Juni 2018, Buchungen von Pauschal- und Last-Minute-Reisen über Amadeus Tour Market und die Traveltainment IBE) sprechen eine deutliche Sprache: Liegt bei den Portalen das Schwergewicht auf Buchungen in der 1.000 bis 1.499 Euro-Klasse, um danach stark abzufallen, sind es im stationären Vertrieb die Buchungen von 3.000 Euro und mehr (siehe Grafik).

Reisebüro-KundInnen bevorzugen höhere Hotel-Kategorien (4- und 5-Sterne dominieren mit 79 Prozent Gesamtanteil, 3 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum), während Online-Bucher den 3- und 4-Sterne Sektor bevorzugen (unverändert 80 Prozent Gesamtanteil, aber leichte Verschiebung von 3- zu 4-Sternen).

Da wie dort besteht ein Trend zu mehr TeilnehmerInnen pro Buchung, wobei online die Zwei-Personen-Reisen dominieren (70 Prozent), während im stationären Vertrieb der Schwerpunkt von zwei (59 Prozent) über drei (13 Prozent) bis vier Personen (16 Prozent) reicht. Ebenso bauen einwöchige Reisen sowohl online als auch stationär ihren Anteil aus.

Und auch den ausgeprägten Frühbuchertrend konnte Bernhard Brauneder mit Fakten unterlegen: wurden 2017 nur rund 55 Prozent aller Reisebürobuchungen 11 Wochen und länger vor Abreise getätigt, sind es 2018 starke 71 Prozent. Bei den Portalen stieg dieser Wert von 34 Prozent auf 50 Prozent. Es gibt eben auch Traditionen, deren Veränderung absolut begrüßenswert ist. 

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Erstellt am: 13. Juli 2018

Bernhard Brauneder (r.) lädt zum „Sommergsepräch“: Mit dabei sind Oliver Rengelshausen (l.) und Uta Martens

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