T.A.I. Exklusiv-Interview Stefanie Brandes

Robinson-Revolution mit ‚Katazin‘ und Vertriebs-Traum für Österreich

Print-Ausgabe 10. Februar 2017

Robinson zählt zu den wichtigsten Kernmarken der TUI und gleichzeitig zu den erfolgreichsten: Mit 24 Anlagen und einem Anteil an der Kapazität der TUI Hotels & Resorts von 8 Prozent erwirtschaftete Robinson im Geschäftsjahr 2015/2016 nahezu 14 Prozent des EBITA (Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibung des Bereichs) – dies, obwohl die Rahmenbedingungen alles andere als einfach waren. Wie Robinson die Hürden meisterte, welchen Beitrag dazu der Quellmarkt Österreich sowie die österreichischen Clubs geleistet haben, und welche Neuerungen es für 2017 gibt, darum ging es in einem ausführlichen Gespräch mit Stefanie Brandes, seit zwei Jahren Prokuristin und Director Marketing & Sales der Robinson Club GmbH.

T.A.I.: Robinson hat zuletzt, neben dem Robinson Club Kyllini Beach in Griechenland, eine Anlage auf Djerba in Tunesien eröffnet sowie mit Masmavi auch eine in der Türkei. Vor allem die Türkei gilt derzeit eher als Problemdestinationen. Wie ist man bei Robinson mit diesen Investments zufrieden?

Stefanie Brandes: „Investitionen in ein Land und in Clubanlagen sind immer langfristige Projekte. Die Türkei ist für den gesamten TUI-Konzern eine der wichtigsten Destinationen. Wir gehen davon aus, dass die Nachfrage wieder anziehen wird. In Tunesien wurden schon im Vorjahr Steigerungen bei den Djerba-Buchungen verzeichnet, es gab einen Anstieg bei den Buchungen und heuer erholt sich der Markt weiter.“

T.A.I.: Wie sind Sie mit dem Comeback vom Robinson Club Kyllini Beach zufrieden?

Brandes:„Toll! Das kann man nur mit ‚toll‘ bezeichnen. Es kommt ein Glänzen in die Augen, wenn man über unseren Robinson Club Kyllini Beach spricht und die Begeisterung der Gäste sieht. Für 2017 sind die Robinson Clubs Kyllini Beach und auch Daidalos sehr gut gebucht, zum Teil sind sie sogar schon voll. Es war eine gute Entscheidung, die Anlage zurück in die Robinson-Familie zu holen.“

T.A.I.: Von den derzeit bestehenden Anlagen befinden sich vier im 5-Sterne Segment, der Rest in der 4-Sterne Kategorie. Wird es bei dem 4-Sterne Schwerpunkt bleiben oder ist daran gedacht, den Luxus-Bereich zu forcieren?

Brandes: „Wir arbeiten bei Robinson nicht mit Sternen, sondern gehen über das Thema Leistungsbeschreibung. Aber wenn Sie so wollen: der Fokus liegt nach wie vor im 4-Sterne Bereich. Unsere Clubs in Asien hingegen sind 5-Sterne Resorts.“

T.A.I.: Laut Geschäftsbericht der TUI hatte Robinson 2015/2016 unter den TUI Hotels & Resorts den stärksten Auslastungs-Rückgang. Und während bei den TUI Hotels & Resorts insgesamt die Erlöse pro Bett anstiegen, gab es bei Robinson einen Rückgang. Gleichzeitig hat Robinson mit 90,10 Euro den mit Abstand höchsten Erlös pro Bett. Ist Robinson zu teuer?

Brandes: „Das muss man differenzierter sehen. Kennzahlen sind ein Mittelwert über die gesamte Robinson Club GmbH, also inklusive der fünf Anlagen in der Türkei und einer Anlage in Tunesien, die schwächer nachgefragt wurden. Im Robinson Club Soma Bay in Ägypten hatten wir aufgrund von Renovierungen eine Schließungsphase. In Spanien und Portugal, aber auch in Griechenland und Italien waren wir hingegen weit über dem Vorjahr und konnten dort weitestgehend die Rückgänge der anderen Destinationen ausgleichen. Aus Unternehmenssicht war es ein ganz, ganz spannendes Jahr, und wir sind stolz darauf, dass wir trotz der geopolitischen Herausforderungen ein so gutes Ergebnis erreicht haben.“

T.A.I.: Die Kapazität stieg bei Robinson 2015/2016 mit 6,3 Prozent auf 15.342 Betten. Wie sieht es heuer damit aus?

Brandes: „Wir verfolgen nach wie vor unsere Wachstumsstrategie, aber mit Augenmaß. Heuer im Herbst werden wir zwei neue Anlagen auf der Fernstrecke eröffnen: den Robinson Club Khao Lak in Thailand mit 320 Zimmern und den Robinson Club Noonu auf den Malediven. Das ist eine Kapazitätserweiterung auf der Fernstrecke, die im Winter sehr wichtig ist.“

T.A.I: Handelt es sich beim Robinson Club Noonu um eine eigene Anlage oder sind hier andere Investoren am Werk?

Brandes: „Der TUI-Konzern hat hier investiert, die Insel befindet sich in unserem Eigentum und wird von uns gebaut – es wird also eine maßgeschneiderte Robinson-Anlage. Wir haben sogar eine eigene Web-Cam errichtet, über die wir laufend den Baufortschritt verfolgen können.“

T.A.I.: Wie entwickelten sich die fünf österreichischen Clubs?

Brandes: „Hervorragend. Wir hatten für die österreichischen Clubs auf der Ferienmesse in Wien eine große Fläche eingeräumt. Sie sind uns sehr wichtig, besonders auch für den österreichischen Markt. Wir verzeichnen mit dem Robinson Club Ampflwang Rekordergebnisse und konnten dort zuletzt ein Broadway Show-Ensemble gewinnen, das bei uns mehrere Wochen hindurch für die Westside Story trainiert hat und jetzt europaweit auf Tournee geht. Das war spannend für unsere Gäste. Ich persönlich habe Silvester in Zürs verbracht. Ich bin ein österreichischer Bergclub-Fan. Wir sind sehr, sehr zufrieden mit den österreichischen Bergclubs und waren auch mit einigen Direktoren von ihnen auf der Ferien-Messe in Wien vertreten.“

T.A.I.: Wie sieht es mit der Entwicklung im Quellmarkt Österreich aus? Welche Clubs sind hier die Renner?

Brandes: „Ganz klar Griechenland. Die griechischen Clubs sind aus Österreich heraus die Lieblinge, aber auch der Robinson Club Cala Serena auf Mallorca, nicht zuletzt durch die unkomplizierte Fluganbindung. Generell sind wir mit der Entwicklung in Österreich sehr zufrieden. Mit Silvana Redo haben wir eine eigene Mitarbeiterin für Österreich und dieses Engagement zahlt sich aus. Wir sind in Österreich auf großem Wachstumskurs. Ich finde es toll, wie wir uns hier entwickeln. Es ist ein mittelfristiges Projekt, bei dem wir nicht nachlassen. 2017 wird es ein noch höheres Engagement geben, sei es im Bereich von Agent-Touren oder mit dem Oldtimer-Rennen in Ampflwang oder der Road-Show mit den Österreich-Direktoren.“

T.A.I.: Welche Neuerungen gibt es im Sommer 2017?

Brandes: „Vor allem das F&B-Konzept. Mit ‚WellFood‘ rücken wir gesunde Ernährung noch mehr in den Vordergrund, und das nicht nur für Erwachsene, sondern auch für Kinder. Deren Herz schlägt normalerweise für Pommes Frites und Spaghetti. Wir versuchen deshalb, die Kinder mit viel Spaß an gesundes Essen heranzuführen, zum Beispiel, dass in Süßkartoffeln ein Gesicht hineingeschnitzt wird oder mit Spaß Essen angerichtet wird. Wir bringen im Katalog zusätzlich auch Rezepte zum Nachkochen.“

T.A.I.: Was ist Ihr persönliches Highlight bei der Kulinarik?

Brandes: „Das Thema ‚TASTE-JAM‘, ein Street-Food Event, bei dem wir den Gästen das Essen außerhalb der Restaurants servieren, angelehnt an das Food-Truck Konzept aus den USA. Wir bauen dazu im ganzen Club Stationen auf, wo die Gäste ihr Essen genießen können, inklusive Musikuntermalung. Es handelt sich um ein echtes ‚Essen-Erleben‘ unter freiem Sternenhimmel.“

T.A.I.: Beim Katalog hat sich auch einiges getan …

Brandes: „Ja, das ist ein wichtiger Hinweis für den Vertrieb. Wir haben den Katalog erstmals im Magazin-Charakter gestaltet. Wir nennen ihn ‚Katazin‘, wobei wir einen Großteil der Information in Form von Interviews vermitteln, was beim Lesen echt Spaß macht. Zum Beispiel erzählt Olympiasieger Julius Brink, was man im Bereich Beachvolleyball alles machen kann. Wir haben auch Gäste, vor allem Familien, interviewt, sowohl für Strandurlaub, als auch für den Bergurlaub. In einem weiteren Interview erfährt man von einer Mitarbeiterin aus dem Roby Kinder-Club, wie dort der Tagesablauf ist. Auf der ersten Doppelseite haben wir alle Club News dargestellt, mit allen Neuerungen, z. B. was renoviert wurde, wie das neue F&B-Konzept aussieht, sowohl für Endkunden als auch für Vertriebspartner. Meine Idee bei dem neuen Katalog-Konzept war es, Robinson einmal anders darzustellen.“

T.A.I.: Wie läuft die Entwicklung im Winter 2016/2017? Was erwarten Sie vom kommenden Sommer, speziell auch vom Quellmarkt Österreich?

Brandes: „Wir wünschen uns weiterhin eine positive Entwicklung aus Österreich, dass wir den Schwung aus dem Vorjahr mitnehmen und weiter so aktiv sein können. Mein persönlicher Vertriebs-Traum ist, dass wir es schaffen, ein Vertriebscamp mit 50 bis 60 Agents aus Österreich zu organisieren und gemeinsam in eine Destination fliegen. Das in Österreich zu organisieren und umzusetzen, wäre toll.“ 

Kurzportrait Stefanie Brandes

Die Touristik war Stefanie Brandes als Tochter einer Reisebüro-Unternehmerin quasi in die Wiege gelegt. Nach ihrem 1998 erfolgreich abgeschlossenen Betriebswirtschafts-Studium an der Hochschule Worms inkl. Auslandssemester an der Universitat de les Illes Balears startete sie zunächst bei Lufthansa City Center, wechselte danach zur C&N Touristic (Thomas Cook AG), wo ihre Karriere steil nach oben führte (zuletzt Leiterin Brand Management für Thomas Cook Reisen). Von Dezember 2010 bis Juni 2015 leitete Stefanie Brandes Marketing und Vertrieb bei Aldiana. Während dieser Zeit absolvierte sie parallel an der Freien Universität  Berlin ein Master-Studium im Bereich Marketing. Seither verantwortet sie bei Robinson als Leiterin des Bereichs Marketing & Vertrieb die Themenfelder Marketing Services, Vertrieb, Verkaufssteuerung, Incentives & Meetings sowie Business Development. Ihre Freizeit verbringt Stefanie Brandes neben Tango-Tanzen mit Skifahren, Kino- und Restaurantbesuchen sowie mit Golfspielen und Reisen.

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Erstellt am: 10. Februar 2017

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