ÖVT-Herbsttagung

Reisebüros als Freiwild? ÖVT will das mit vollem Einsatz verhindern

Print-Ausgabe 7. Oktober 2016

Die von der Regierung geplante Änderung der Reisebüros als FREIES GEWERBE mit gelockerten Zulassungsbedingungen stand im Mittelpunkt der diesjährigen Herbsttagung

Angesichts der Gewitterwolken, die sich rund um die geplante Änderung der Gewerbeordnung (GewO) vor Österreichs Reisebüros auftürmen (sie sollen zum freien Gewerbe werden), bildete das traumhafte, spätsommerliche Wetter während der diesjährigen Herbsttagung des ÖVT (Österreichischer Verein für Touristik) an Bord der Celestyal Olympia von Celestyal Cruises einen erfreulichen Kontrast. Auch wenn von ÖVT-Obmann Harald Pree (World of Travel) sowie Obmann-Stellvertreterin/Generalsekretärin Sylvia Marek harsche Kritik an den Regierungsplänen geübt wurde und auch andere heikle Themen zur Sprache kamen, verliefen die vier Kreuzfahrttage („Ouzo für alle“) mit Ausflügen nach Mykonos, Patmos, Kreta, Santorin sowie Kuşadası (inklusive Ephesos) dank des toll organisierten Programmes von Manfred Jägersberger (Caravelle Seereisen) in bester Stimmung.

Doch zunächst zu den unerfreulichen Branchen-Themen. Rund um die geplante GewO-Änderung (künftig soll jeder/jede ohne Befähigungsnachweis Reisen selber schnüren und verkaufen können) hat Sylvia Marek vor kurzem im Auftrag des ÖVT-Präsidiums einen Brief an Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner geschrieben und darin die wichtigsten Punkte bzw. Fragen festgehalten, welche durch die komplette Aufweichung der Zulassungsbedingungen entstehen würden:

• Die Kundengeldsicherung gemäß EU-Verordnung (bei Reisebüros durch das zuständige Ministerium streng kontrolliert) ist an die Befähigung gebunden. Wer haftet für die Sicherung der eingehobenen Gelder im Falle einer Insolvenz und wer sorgt für den Heimtransport der Kunden?

• Aufklärungspflichten (Gesundheit, Visa, Kriegsgebiete): Wer wird sich noch daran halten?

• Gewährleistung/Haftung für die Auswahl der Leistungsträger: Hier würden dem Pfusch beim Reiseverkauf und der Auswahl der weltweiten Leistungsträger alle Tore geöffnet.

• Fachkompetenz (Überbuchungen und Wildwuchs z. B. für Eigentransporte ohne Gewerbe und die damit verbundenen Gefahren): Wer informiert die Kunden korrekt und gewissenhaft?

• Kontrolle der Ausübungsvorschriften – oder sollen diese abgeschafft werden?

• Wer sollte noch eine dreijährige Lehre in einem Reisebüro absolvieren, aus der entsprechend qualifiziertes Personal hervorgeht, wenn dies nicht mehr nötig ist? (Stichwort: Jugendarbeitslosigkeit)

Der ÖVT befürchtet durch Freigabe des Reisebürogewerbes eine zunehmende Abhängigkeit vieler Betriebe von den internationalen Groß-Reiseveranstaltern. Sylvia Marek führt diesbezüglich die Entwicklung in Deutschland an: „Es geht vornehmlich um Geld und Bankgarantien bzw. um Fremdbestimmung der Reisebüros durch Reiseveranstalter.“

Reaktion ist bislang auf das Schreiben noch keine erfolgt. Falls diese weiter ausbleibt, will Marek „eine Pressekonferenz einberufen, zu der auch Publikumsmedien eingeladen werden, um der Öffentlichkeit mitzuteilen, wie und mit was Reisebüros zu kämpfen haben“ und inwieweit KonsumentInnen durch eine Freigabe des Gewerbes schlechter gestellt würden.

Weitere Punkte der ÖVT-Tagung betrafen die EU Pauschalreiserichtlinie (Freddy Dunkl, ABS Reisebüro: „Wichtig ist, die EU Richtlinie so hin zu kriegen, dass sie nicht zum Damoklesschwert wird“; sie würde etwa deutschen Bürgern ermöglichen, ohne Konzession in Österreich ein Reisebüro zu führen), die Reisebüro-Sicherungsverordnung (RSV), Bankgarantien, die Verrechnung bzw. Unterbringung von Polizzen in der Kalkulation etc. Zur Sprache kamen auch die noch nicht geleisteten Rückzahlungen des früheren Obmanns Josef Reitinger-Laska: das Gerichtsverfahren gegen ihn startete Mitte dieser Woche.

Positiv hervorgehoben wurden die vom ÖVT für seine Mitglieder gewährten Zuschüsse für vergünstigte Seminarteilnahmen sowie die Mitfinanzierung von Werbetätigkeiten. Erfolge waren auch das vom ÖVT veranstaltete Führungskräfteseminar und das Reiserechtseminar. Neben der starken Vertretung von Klein- und Mittelunternehmen der Reisebüros will sich der ÖVT künftig auch auf Fremdenverkehrsämter und Hotels ausweiten und zum Gütesiegel werden.

Soviel zu den Hard-Facts der Tagung. Das Rahmenprogramm stand dem um nichts nach, wobei es hier ausschließlich Positives zu berichten gibt: Anreise nach Athen mit Aegean Airlines (mit dabei war deren Österreich-GSA Brigitte Göttlicher, TAL Aviation), beste Stimmung auf der Celestyal Olympia (mit an Bord war deren Vertreter Thomas Kusch von der H&H Touristik) und tolle Landausflüge – all das nicht zuletzt durch Unterstützung von Astoria Travel Partners, der Griechischen Zentrale für Fremdenverkehr, TUI Österreich und der Europäischen Reiseversicherung. Bericht in der nächsten T.A.I. 

Beste Stimmung während der ÖVT-Ausflüge

Beste Stimmung während der ÖVT-Ausflüge

Beste Stimmung während der ÖVT-Ausflüge

Beste Stimmung während der ÖVT-Ausflüge

Beste Stimmung während der ÖVT-Ausflüge

Beste Stimmung während der ÖVT-Ausflüge

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Erstellt am: 07. Oktober 2016

V.l.: Manfred Jägersberger (Caravelle Seereisen) mit dem Vorstand des ÖVT: Sylvia Marek (ÖVT Obmann-Stellvertreterin/Generalsekretärin), Wilhelm Alfred Dunkl vom ABS Reisebüro (ÖVT-Kassier), Heidelinde Kopinits (Karibik und Mehr Reisen, ÖVT-Schriftführerin), Harald Pree (World of Travel Reisebüro, ÖVT Obmann) und Phillies Ramberger (Pur Touristik, ÖVT-Kassier-Stellvertreterin).

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