T.A.I. Exklusiv-Interview

Qualität im Hotel, Margen-Vernunft im Business Travel, starkes Incoming

Print-Ausgabe 26. August 2016

Mit rund 890 Mio. Euro Umsatz ist die Verkehrsbüro Group Österreichs mit Abstand größtes Touristik-Unternehmen. Das Konzernergebnis vor Steuern stieg – T.A.I. berichtete darüber – im Vorjahr um 26,6 Prozent auf 9,6 Mio. Euro, wobei erstmals seit Langem die Hotellerie wieder stark performte. Wie es heuer läuft, welchen Beitrag die Austria Trend Hotels und Motel One leisten, was sich im Bereich der Geschäftsreisen tut und wie sich die Leisure Touristik angesichts der Türkei-Problematik behaupten kann, darum ging es im T.A.I. Sommer-Gespräch mit Verkehrsbüro Generaldirektor Harald Nograsek.

T.A.I.: Im Vorjahr trug die Verkehrsbüro Hotellerie erstmals wieder mit einem satten Gewinn zum guten Ergebnis des Konzerns bei. Wie läuft es heuer?

Harald Nograsek: „Der Ergebniszuwachs im Geschäftsfeld Hotellerie war im Vorjahr hauptsächlich den Austria Trend Hotels (ATH) zu verdanken. Wir haben 2015 den Turnaround (EBT 2,4 Mio. Euro) geschafft. Heuer verlief das erste Halbjahr sogar noch besser im Vergleich zu 2015. Ob wir allerdings auch einen so guten Sommer wie 2015 schaffen, wird sich weisen. Es kommen weniger arabische Gäste. Die Herbstbuchungen laufen dafür wieder gut.“

T.A.I.: Was sind die Gründe für die erfreuliche Entwicklung der ATH Gruppe?

Nograsek: „Wir sind in den letzten drei Jahren konsequent den Weg der Qualitätsverbesserung gegangen. Wir haben Qualität vor Quantität gestellt. Heuer wurde zum Beispiel das Rathauspark in Wien voll klimatisiert und das nachhaltig mit Fernkälte. Zudem wurden 41 Executive-Zimmer und Suiten erneuert.  Das Hotel Altstadt in Salzburg und das Parkhotel Schönbrunn in Wien wurden auch vollständig klimatisiert. Wir investieren weiter in Qualität gemeinsam mit den Eigentümern. Dort, wo das nicht möglich ist, trennen wir uns von den Hotels, wie zum Beispiel vom Böck-Brunn, vom Donauzentrum oder davor schon vom Favorita. Die positive Entwicklung macht sich auch online bemerkbar: gute Bewertungen bedeuten gute Preise. Deshalb haben wir ein Programm mit dem Ziel 9.0 ins Leben gerufen (Anm.d.Red.: Booking.com Benotung). Ziel ist es, unsere Häuser auf dieses Niveau zu heben, vor allem die großen Event-Hotels.“

T.A.I.: Welchen Ergebnis-Beitrag leisten die sechs österreichischen Motel One Häuser?

Nograsek: „Sie leisten derzeit noch einen geringen Beitrag. Ein Grund ist, dass wir 2015 die Neueröffnung des Motel One Hauptbahnhof hatten, mit entsprechenden Kosten. Der zweite Effekt hat mit den Abschreibungen nach IFRS (International Financial Reporting Standards) zu tun. Langfristige Leasingverträge werden am Anfang mit höherem Aufwand (Abschreibung und Zinsen) belastet. Das ist betriebswirtschaftlich vernünftig und entspricht einer vorsichtigen Unternehmensführung, reduziert aber entsprechend die Ergebnisse. Das dreht sich dann in den nächsten Jahren.“

T.A.I.: In Linz zeichnet sich das nächste Motel One ab. Sehen Sie die Chance auf weitere Standorte?

Nograsek: „Ja, in Linz sind wir in Gesprächen, aber es ist noch nichts fixiert.“

T.A.I.: Wo sehen Sie die Obergrenze für Motel One in Österreich?

Nograsek: „Weitere Motel One sind dann möglich, wenn sich gute Standorte auftun.“

T.A.I.: Wird es bei dem Joint Venture bleiben?

Nograsek: „Ja. Bisher lief das Joint Venture erfolgreich. Der Auftritt am österreichischen Markt, kann sich sehen lassen.

T.A.I.: Nochmals zurück zu ATH: Welche Expansionsschritte planen sie für die Austria Trend Hotels?

Nograsek: „Das Geschäftsfeld Hotellerie wächst mit Motel One. Bei Austria Trend drehen wir weiter an der Qualitätsschraube,  damit die durchschnittliche Zimmerrate weiter ansteigt. Wichtig ist, nicht noch mehr vom Gleichen zu machen, sondern das Bestehende zu verbessern. Wir werden unsere Gastgeberrolle weiter ausbauen.“

T.A.I.: Wechseln wir zur Business Touristik. Dort gab es im Vorjahr trotz Umsatz-Zuwachs einen Ergebnis-Rückgang. Als Grund nannten Sie den starken Wettbewerbsdruck auf die Margen. Wie sieht es heuer damit aus?

Nograsek: „Die Konkurrenz hat erkannt, dass Margen-Reduktion kein nachhaltiges Geschäftsmodell ist. Der Markt hat sich beruhigt. Auf der anderen Seite profitieren Geschäftsreisen von der gestiegenen Servicenachfrage in Krisenzeiten, den notwendigen Umbuchungen bei Airline-Streiks beispielsweise. Viele Unternehmen, vor allem KMU (Kleine und mittlere Unternehmen) schätzen diese Leistung zunehmend. Unternehmen erhalten Unterstützung und einen Überblick in brenzligen Situationen.“

T.A.I.: Woher kam im Vorjahr der Umsatz-Zuwachs der Business Touristik? Zeichnet sich das auch heuer ab?

Nograsek: „Wir konnten gute Erfolge bei den KMU erzielen. Bei den großen Unternehmen gewinnt man manchmal ein Mandat, manchmal verliert man eines. Heuer halten wir uns konstant. Wichtig ist, dass im Bereich der Margen ein Umdenken stattfindet.“

T.A.I.: Wird es bei der Zwei-Marken-Politik mit Verkehrsbüro Business Travel und AX Travel Management bleiben?

Nograsek: „Ja. Verkehrsbüro Business Travel ist in Österreich eine anerkannte Marke und international sind wir durch die Kooperation mit AX Travel/American Express gut aufgestellt. Das hilft uns auch bei Airline-Verträgen.“

T.A.I.: Wie sind Sie mit der dritten, vom Umsatz und Ertrag her stärksten Säule, der Leisure Touristik, zufrieden, für die seit Ende vorigen Jahres Helga Freund verantwortlich zeichnet?

Nograsek: „Wir sind sehr gut aufgestellt und durch Helga Freund steht dieser Bereich jetzt unter einheitlicher Führung. Die Vorgänge in Ägypten und der Türkei sind natürlich nicht positiv fürs Geschäft. Seit dem Putschversuch gibt es kaum Neubuchungen dort. Aber durch die Incoming-Aktivitäten können wir die Situation einigermaßen ausgleichen. Grundsätzlich gelingt es uns sehr gut, nicht gänzlich vom Outgoing abhängig zu sein. Und durch Frau Freund schaffen wir eine noch bessere Verbindung zwischen den Bereichen Ruefa, Eurotours und Jumbo. Es gibt viele Möglichkeiten, uns weiter zu verbessern und mit Frau Freund haben wir eine Managerin, die das perfekt realisiert.“

T.A.I.: Im Mai nächsten Jahres werden sie 10 Jahre an der Spitze der Verkehrsbüro AG stehen. Was von dem, das Sie sich damals vorgenommen haben, wurde bisher erreicht?

Nograsek: „Ein Thema, an dem ich laufend arbeite, ist die Optimierung der Service-Qualität für den Kunden. Die Modernisierung der Ruefa Filialen im Vergleich zu vor zehn Jahren sowie cleveren Marketing-Kooperationen, das sind schöne Erfolge. Ruefa ist gerade zum zweiten Mal in Folge Sieger im Verbrauchertest der ÖGVS. Eurotours war immer schon stark. Und bei der Hotellerie und auch im Business Travel haben wir sehr gute Standards erreicht.“

T.A.I.: Wo liefen die Dinge anders, als Sie sich das vorgestellt haben?

Nograsek: „Vor zehn Jahren stand Expansion im Fokus. Durch die Finanzkrise hat sich das geändert. Wenn jemand 2007/2008 gesagt hätte, dass für Spareinlagen Geld zu zahlen ist, hätte man ihm nicht geglaubt. Das stellt das Ganze auf den Kopf. Gut getan hat dem Konzern, dass wir die Kulinarik nicht mehr hatten, dieser Bereich war mit dem Tourismus nicht kompatibel. Unser Konzern ist ein Dienstleister, die Kulinarik war als Großbetrieb ein Produzent.“

T.A.I.: Wo sehen Sie das Verkehrsbüro in zehn Jahren? Wo Herrn Mag. Harald Nograsek?

Nograsek: „Nächstes Jahr feiern wir 100 Jahre Verkehrsbüro. das ist eine gute Gelegenheit, ein Zeichen am Markt zu setzen und für unsere Kunden etwas zu machen. Was mich betrifft: ich bin in zehn Jahren 68, da können Sie sich ausrechnen, was ich da mache.“ 

Kurzportrait Harald Nograsek

Der im Sternzeichen Waage (5. Oktober 1958) in Graz geborene Mag. Harald Nograsek absolvierte an der WU Wien ein Studium der Handelswissenschaften, startete seine Karriere als Assistent der Geschäftsleitung bei PAN-Records, wechselte dann – unterbrochen von einem einjährigen Aufenthalt in Südamerika (freischaffender Journalist für Informationsdienst für Entwicklungspolitik) – in den Banken-Bereich (BAWAG, Raiffeisen Zentralbank, Länderbank und Bank Austria), wo er zuletzt als Ressortleiter für Beteiligungsmanagement bei der Bank Austria tätig war. Im Oktober 2004 wurde Nograsek in den Vorstand der Österreichischen Verkehrsbüro AG berufen, seit Mai 2007 ist er dessen Vorstandsvorsitzender.

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Erstellt am: 26. August 2016

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