Reisebüro-Zukunft

Offline behauptet seine Position, bei Kreuzfahrten ist sie sogar dominant

Print-Ausgabe 7. September 2018

Eine Phocuswright-Analyse über den US-Reisemarkt bringt interessante Erkenntnisse –komplexere Reisen und Kreuzfahrten bleiben Domäne des stationären Vertriebs

„Das Reisebüro verliert im Wettbewerb mit dem Internet nicht zwangsläufig.“ Und weiter: „Es geht nicht um die Konkurrenz zwischen Internet gegen Reisebüro, sondern darum, dass jeder – egal ob online oder stationär – seine Aufgaben mit größtmöglicher Professionalität lösen muss.“ Das war die Quintessenz der von Amadeus Austria organisierten Veranstaltung „Internet & Reisebüro“ im Sommer 2006 – also vor zwölf Jahren.

Heute zeigt sich, dass die damals geäußerten Einschätzungen voll ins Schwarze getroffen haben: Wie aus einem aktuellen Bericht des Online-­Beratungsunternehmens Phocus­wright hervorgeht, hat sich der stationäre Vertrieb im Mutterland aller Entwicklungen, den USA, trotz Siegeszug der Online-­Buchungen hervorragend behauptet.

Die generelle Entwicklung tendiert zwar weiter in Richtung Online – dort wird ein Umsatzwachstum verzeichnet, während der Offline-Vertrieb stagniert – dies sei laut Phocuswright jedoch „nur eine Seite der Story“. Die andere zeigt deutlich, dass der stationäre Vertrieb in einigen Bereichen nicht nur seine Position halten kann, sondern sogar dominiert und seinen Marktanteil ausbaut.

2017 wurde laut Phocuswright mehr als die Hälfte (52 Prozent) des Reiseaufkommens der USA offline gebucht. Dieser Wert verzerrt etwas die Realität, denn er bezieht sich sowohl auf Buchungen in Reisebüros und Travel Management Companies (TMCs), also Geschäftsreise-Spezialisten – beide zusammen kommen auf lediglich 27 Prozent – als auch auf direkte Telefonbuchungen, Straßenverkäufe etc. von Reise­leistungen (beispielsweise Hop-On Hop-Off Touren).

Der reine Offline-Anteil ging also über die Jahre kontinuierlich zurück. Verantwortlich dafür zeichnen vor allem die Flug- und Hotelbuchungen im Leisure-­Sektor, bei denen die OTAs (Online Travel Agents) durch Dynamik-Packaging stark zugelegt haben.

Exzellent hingegen ist die Position des stationären Vertriebs in den Bereichen Kreuzfahrt, komplexere Packages und Touren. Hier hält das klassische Reisebüro laut Phocuswright-Analyse nicht nur seine Position, sondern kann diese sogar ausbauen. So legten die Kreuzfahrt-Verkäufe in den USA 2017 um 5 Prozent auf 11,5 Milliarden US-Dollar zu, womit sie über der generellen Marktentwicklung lagen. Zwei Drittel aller Kreuzfahrten wurden dabei über den stationären Vertrieb verkauft – und daran dürfte sich laut Phocuswright auch in naher Zukunft nicht viel ändern.

Zusammenfassend kommt Phocus­wright zu dem Schluss, dass Reisebüros vor allem in jenen Sektoren florieren, die den Leisure-Bereich betreffen und deren Verkauf sich komplexer gestaltet. Hier kommt es auf Service und gute Beratung an. Auch die weiteren Aussichten sind erfreulich: Bei der Kombination von traditionellen Urlaubspaketen und Kreuzfahrtverkäufen geht Phocus­wright von einem Anstieg der Agenturanteile von 67 Prozent im Jahr 2017 auf 69 Prozent im Jahr 2021 aus. Eine schönere Bestätigung der vor zwölf Jahren bei dem Amadeus Austria-­Event aufgestellten Behauptungen kann es kaum geben. 

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Erstellt am: 07. September 2018

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