Airline-Vertrieb

Drei Buchstaben, ein großes Ziel
NGS statt „Billigst-Preis“-Stumpfsinn

Print-Ausgabe 6. September 2019

„Reisebüros werden den Zugriff auf NGS über Travelport Smartpoint erhalten“, so Sabrina Schwab

Die Next Generation Storefront (NGS) revolutioniert Darstellung und Vergleichbarkeit von Flugtarifen – Travelport hat bei der Implementiertung unter den GDS die Nase vorn

Im Airline-Vertrieb geistert seit Monaten ein neuer Begriff herum: Next Generation Storefront (NGS). Anders als der neue IATA-Datenstandard NDC (New Distribution Capability), der auf XML-Technik basiert und eine bessere Produktdarstellung gegenüber dem bisherigen EDIFACT-­Datenstandard ermöglicht, – beide werden wohl noch für lange Zeit parallel existieren –, handelt es sich bei NGS um eine Verbesserung nicht nur der Darstellung, sondern vor allem der Vergleichbarkeit von Flugtarifen. Ziel ist es, Flugtickets nicht mehr nach dem billigsten Preis zu verkaufen, sondern nach dem für den jeweiligen Kunden oder die jeweilige Kundin optimalen Preis-Leistungsnutzen.

Hinter der NGS-Initiative steht die ATPCO (Airline Tariff Publishing Company), ein US-Unternehmen, das seit über 50 Jahren auf Erfassung und Vertrieb von Flugtarifen spezialisiert ist. Sitz von ATPCO, die mit 427 Airlines weltweit zusammenarbeitet, ist Dulles, Virginia, in den USA. Zu den ATPCO-Eigentümern gehören 16 Airlines, darunter American, Delta, United, Lufthansa, Swiss, British, Iberia, Air France, KLM sowie Air Canada und ANA.

Mit mehr als 211 Millionen aktiven Tarifen in ihrer Datenbank füttert ATPCO alle marktrelevanten Fare-­Suchmaschinen mit ca. 99 Prozent der in der Branche bereitgestellten Ticketpreise. Daten-Nutzer sind u. a. die großen GDS Sabre, Amadeus, Travelport bzw. die mit ihnen arbeitenden Reisebüros und Travel Management Companies (TMCs) sowie die großen Online-Reise­büros (OTA) wie Expedia, Orbitz oder Travelocity, aber auch Google.

Für die NGS-Initialzündung sorgte das Anfang 2018 von ATPCO übernommene Start-up Unternehmen „Routehappy“, das auf die Vergleichbarkeit von Flugtarifen spezialisiert ist. Mithilfe diverser Filter (vom Sitzabstand über Flugzeiten bis hin zu Handgepäcks-, Catering- oder WLAN-Möglichkiten etc.) kann dank NGS das für den individuellen Bedarf eines Flugreisenden optimale Angebot herausgefunden werden.

ATPCO geht es bei den NGS einerseits um „die Etablierung eines neuen Standards für die individuelle Darstellung von Flugtarifen einschließlich ‚Branded Fares‘ und weiteren Zusatzleistungen auf den jeweiligen Websites der Fluggesellschaften“, sowie anderseits darum, es stationären Reisebüros, TMCs und OTAs zu ermöglichen, all diese Dinge samt diverser ‚Fare Families‘ verschiedener Airlines miteinander zu vergleichen und zu buchen.

Über NGS lassen sich beispielsweise die unterschiedlichen Tarif-Kategorien Basic, Standard und Economy Plus einschließlich ihrer inkludierten Leistungen gegenüberstellen, auch Airline-übergreifend. Für jedes einzelne Flugsegment sind der passende Tarif und etwaige Zusatzleistungen von Upgrades über Zusatzgepäck bis zum WLAN im Flugzeug buchbar. Mittels NGS ist es auch möglich, auf dem Hinflug in der Business Class zu reisen, auf dem Rückflug aber in der Economy, verbunden mit Lounge-Zugang am Flughafen.

Im Februar dieses Jahres wurde von ATPCO eine „Working Group“ etabliert, der Airlines sowie Vertriebspartner angehören und die seither laufend zusammentrifft. Alle großen GDS sind mit dabei, ebenso Google und Expedia. Travelport ist bei der Implementierung laut ATPCO-I­nfos am weitesten (die Umsetzung ist voll im Gange) und dieser Tage informierte das GDS mittels Presseaussendung die Fachmedien. Sabrina Schwab, Country Manager von Travelport Austria: „Reisebüros werden den Zugriff auf NGS über Travelport Smartpoint erhalten, während Buchungsplattformen von Internet-Reisebüros oder großer Unternehmen die Travelport-Lösung in ihre eigenen Systeme einbinden können.“ 

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