ÖVT Frühjahrstagung

Cyber-Kriminalität, Niki „neu“, Pauschalreise-Gesetz, Lufthansa DCC

Print-Ausgabe 7. April 2017

Diese und weitere heikle Themen standen im Mittelpunkt der ÖVT-Frühjahrstagung in Steyr – der guten Stimmung der TeilnehmerInnen tat dies keinen Abbruch.

Bei strahlendem Sonnenschein fand vergangenes Wochenende die 38. Generalversammlung des ÖVT (Österreichischer Verein für Touristik) in der zwei Flüsse-Stadt Steyr im altehrwürdigen, seit 500 Jahren bestehenden Hotel Minichmayr statt. Dem ÖVT-Präsidium mit Obmann Harald Pree und seiner Stellvertreterin bzw. Generalsekretärin Sylvia Marek an der Spitze sowie den rund 50 TeilnehmerInnen mangelte es dabei nicht an brandaktuellen Themen, allen voran der verunglückten EU-Pauschalreiserichtlinie samt misslungener Umsetzung in nationales Recht, NIKI „neu“, Cyber-Kriminalität und Beratungshonorar.

An dem, einen Tag zuvor im Parlament beschlossenen Pauschalreise-Gesetz (Wirkung ab Sommer 2018) ließ Felix König, Obmann des Fachverbandes der Reisebüros in der WKÖ (Wirtschaftskammer Österreich), kaum ein gutes Haar: „Die heimischen Verbände und noch einige andere kleinere Mitgliedsstaaten waren seit Anfang an gegen die Richtlinie und brachten dies auch immer wieder zur Sprache.“ Durchgeboxt wurde die Richtlinie dann von den beiden wirtschaftlich stärksten EU-Ländern, Deutschland und dem nun die EU verlassenden Großbritannien.

Einer der Hauptkritikpunkte ist jener Passus, bei dem es um die Definition einer Pauschalreise geht. Schon die Organisation von zwei Reisebausteinen fällt unter diese Verordnung (Reisebüro bucht Flug und Transfer; Hotel organisiert eine Abschlagszeit am Golfplatz und verrechnet die Greenfee-Gebühr über die Hotelrechnung). Im Falle eines Verstoßes drohen bis zu 1.000 Euro Verwaltungsstrafe.

Obwohl das Gesetz bereits beschlossen wurde, prüft das österreichische Parlament, ob die gemeinsame Zahlung von Leistungen, anders als derzeit vorgesehen, doch nicht als Pauschalreise angesehen werden muss (hier hatte Deutschland mit der EU eine Vernunftlösung ausgearbeitet, T.A.I. berichtete darüber). Eine Entscheidung soll noch im Sommer fallen.

König: „In diesem Gesetz sind noch einige Punkte strittig, die einer Klärung oder Änderung bzw. Verbesserung bedürfen. Es gibt noch viel zu tun, aber ich hoffe, dass wir hier noch einiges erreichen können.“

Nicht minder spannend ist, was sich aktuell im Bereich der Airlines tut. Laut ÖVT Obmann Harald Pree ist der Prozess gegen Lufthansa bezüglich der DCC (Distribution Cost Charge) noch im Laufen, zwei unabhängige Gutachter prüfen derzeit den Sachverhalt.

Durch Niki „neu“ wiederum fehlten Österreichs Ferienfluglandschaft über Nacht zahlreiche Kapazitäten, wobei Harald Pree an dieser Stelle Reiseveranstalter und Reisebüros lobte, die diese schwierige Situation für den Sommer 2017 toll gemeistert haben.

Auch die neueste IATA-Vorgabe PCI DSS (Payment Card Industry Data Security Standards), wo Kreditkartendaten der Kunden extra sicher verwahrt werden müssen, wurde kurz angesprochen. Die IATA will all jenen Reisebüros die Zertifizierung entziehen, wenn die Datensicherheit nicht gewährleistet ist. Dazu wurde nun die Übergangsfrist von Juli 2017 auf März 2018 ausgeweitet.

Zum Thema „Beratungshonorar“ referierte Günther Gruber von Kuoni Graz. Vor einem Jahr eingeführt, wurden bislang durchaus positive Erfahrungen erzielt. Rund 70 bis 75 Prozent der KundInnen akzeptieren das Honorar in Höhe von 55 Euro (sie erhalten dafür einen Gutschein, der bei Reisebuchung eingelöst wird). Bei Stammkunden entfällt das Honorar. Gruber glaubt, dass sich das Beratungshonorar im Reisevertrieb durchsetzen wird.

Spannend waren die Ausführungen zur Cyber Kriminalität. Speziell Reisebüros werden immer mehr zu Opfern, da dort die IT-Sicherheitseinrichtungen oft nicht so gut ausgebaut sind wie bei Großunternehmen. Laut Franz Berger, Geschäftsführer von Care Consult (Versicherungsspezialist für Tourismusunternehmen), gab es 2015 bereits 12.000 Hacker-Angriffe gegen Reisebüros. Der Gesamtschaden durch Datenverlust, zerstörte Computer, Verdienstausfälle etc. betrage jährlich rund 6 Mio. Euro. Hier hilft eine „Cyberversicherung“, die den Schaden minimieren kann. Berger: „Eine 100-prozentige Sicherheit gibt es nicht. Wenn kriminelle Spezialisten wo hinein wollen, dann schaffen die das auch.“ 

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Erstellt am: 07. April 2017

Foto v.l.n.r.: Sylvia Marek / Obmann-Stellvertreter/Generalsekretärin, Harald Pree / Obmann, Heidi Kopinits / Schriftführerin, Christian Vogt / Schriftführer-Stellvertreter, Phillies Ramberger / Kassier-Stellvertreterin, Alfred Dunkl / Kassier

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