AirPlus

Freude über A.I.D.A. und Bahn!
Der Rest ist derzeit durchwachsen

Print-Ausgabe 13. März 2020

„Für das erste Halbjahr 2020 sehe ich keine Trendwende“, meint Hanno Kirsch, Country Manager Österreich

Die sich seit 2019 eintrübende Wirtschaft, sinkende Durchschnittspreise bei Flug­tickets und Corona werden die Geschäftsreisebranche noch einige Monate beschäftigen

Eine zu Ende gegangene Ära (CEO Patrick Diemer hat vor Jahreswechsel nach 17 Jahren AirPlus in Richtung Ruhestand verlassen; Nachfolger ist wie berichtet Oliver Wagner, zuvor CCO bei Eurowings), Endspurt in der Transformationsphase (Umstellung auf SAP), kontinuierliches Absinken der durchschnittlichen Ticketpreise in Westeuropa und jetzt die Auswirkungen des Corona­virus – langweilig wird Hanno Kirsch, Country Manager Österreich von AirPlus, und seinem Team mit Sicher­heit nicht.

Im Unterschied zu Oliver Wagner, dessen berufliche Vergangenheit in der Airlinebranche liegt, kam Patrick Diemer aus der Finanzwirtschaft (u. a. Commerzbank und Visa), bis er 2003 die Führung von AirPlus übernahm. Unter seiner Ägide erfolgte die flächendeckende Expansion (über 60 Länder in fünf Kontinenten, mehr als 50.000 Firmenkunden, 16,4 Mrd. Euro abgerechneter Umsatz). Ebenso hat Patrick Diemer AirPlus produktseitig geprägt, etwa durch die Einführung der virtuellen Kreditkarte A.I.D.A.

Diese zählt aktuell zu den Umsatztreibern von AirPlus: „Wir verzeichnen bei A.I.D.A. ein Wachstum im hohen zweistelligen Bereich“, erzählt Hanno Kirsch im Gespräch mit T.A.I. Rund 90 Prozent des A.I.D.A.-Volumens basiert auf Hotelumsätzen. Hier macht sich die im Vorjahr erfolgte A.I.D.A.-Integration als Zahlungsmittel bei HRS und Booking.com bezahlt. Kirsch: „Das funktioniert sehr einfach: Die Kunden buchen, die Daten kommen zu uns, wir rechnen alles ab.“

Ebenfalls positiv auf die AirPlus-Entwicklung in Österreich ausgewirkt hat sich die Akzeptanz als Reisestellenkarte bei den ÖBB bzw. in deren neuem B2B-Portal („ÖBB Businesskonto“). „Innerhalb von drei Monaten haben wir dadurch an die 200 Firmenkunden mit ihren Bahnumsätzen dazugewonnen, die wir vorher nicht hatten“, so Hanno Kirsch.

Während sich also am Boden alles erfreulich entwickelt, erfordern am Himmel kräftige Böen volle Konzentration. Das generelle Absinken der westeuropäischen Airline-­Tarife „ist in Wien ganz extrem“, betont Hanno Kirsch. Eine Ursache dafür ist sicher der starke Wettbewerb zwischen den Legacy Carriern und den zahlreichen Low Cost Carriern am Wiener Flughafen.

Verschärft wird dies durch die sich seit Mitte 2019 eintrübenden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. „Bestehende Kunden fliegen weniger. Die deutsche Automobilindustrie steht auf der Sparbremse. Das spürt man natürlich auch in Österreich. Meetings werden abgesagt, Kosten gespart, auch bei Aus- und Weiterbildung, und Reisen werden reduziert“, so Hanno Kirsch. Hierzulande sei im Vorjahr „der durchschnittliche Ticketpreis auf Kurz-, Mittel- und Langstrecke zwischen 4 und 5 Prozent gesunken. Das ist viel. Die Talsohle ist noch nicht erreicht.“ Denn die Entwicklung hat durch Corona eine zusätzliche Dynamik erfahren. Kirsch: „Das Virus beeinflusst das gesamte Geschäftsreise-Schema.“

AirPlus ist ein guter Indikator für die Stimmung in der Wirtschaft, läuft doch in Österreich von allen über Kreditkarten bezahlten Flugtickets die Abrechnung zu fast zwei Dritteln über AirPlus. Das wirft zwangsläufig die Frage auf, wann es denn wieder aufwärts gehen wird? „Das ist nicht voraussagbar“, meint Hanno Kirsch, „aber wir sind traditionell immer etwas früher dran, sowohl ins Positive wie ins Negative. Für das erste Halbjahr 2020 sehe ich deshalb noch keine Trendwende.“

Das Wachstum macht also derzeit Pause. Freuen wir uns deshalb auf die Erholung danach und über das auch in raueren Zeiten Erreichte. Denn, so Hanno Kirsch abschließend: „Das Ergebnis 2019 war okay.“ 

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